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Der neue Gentleman

Der neue Gentleman im Dandy-Look

02.07.2013, 16:38 Uhr | Philipp Laage, dpa

Der neue Gentleman. Der neue Gentleman trägt Maßanzug und Bart.  (Quelle: Rich & Royal)

Der neue Gentleman trägt Maßanzug und Bart. (Quelle: Rich & Royal)

Junge Männer begeistern sich für klassische Herrenmode: Maßanzug, Einstecktuch und die Fliege gehören zum Outfit des neuen Gentleman. Aber er sollte sich bitte nicht zu bieder kleiden. Ein schmaler Schnitt ist zeitgemäß, und hippe Accessoires müssen den Stil brechen.

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Karrierist, Hausmann, Liebhaber, Vater: An den postmodernen Mann werden die verschiedensten Rollenerwartungen geknüpft. Das sorgt erst einmal für Unsicherheit. Vielleicht erklärt sich daraus der Wunsch nach dem Wissen um das richtige Auftreten und charmantes Understatement. In der Mode zeigt sich dieses Bedürfnis durch eine Renaissance der Herrenkultur. Denn der Gentleman weiß schließlich, wie das Leben zu meistern ist.

Der Trend zum Gentleman-Mann

"Es gibt einen Trend zum Gentleman-Mann", sagt die Modedesignerin Astrid Werle aus Düsseldorf. "Gerade Männer um die 30, die ins Berufsleben eintreten, wollen Maßanzüge." Der Stilautor Bernhard Roetzel aus Berlin erklärt, dass der Stil vor allem über eine schmalere Passform modern interpretiert wird. Es werden auch wieder Zweireiher getragen, sagt Astrid Werle. "Durchaus klassisch, aber mit einem jungen Schnitt - nicht so wie der Großvater."

Sogar der modebewusste Mann von der Straße, der noch nie in einer Juravorlesung oder einem Assessment-Center saß, bedient sich bei der klassischen Herrenmode. "Es gibt ein Wiederaufleben von dandyhaften Looks mit Fliege, Einstecktuch, Manschettenknöpfen und gut geschnittenen Anzügen", sagt der Modeblogger David Kurt Karl Roth von der Seite Dandy Diaries. Dabei werden verschiedene Stile miteinander kombiniert, um einen biederen Einheitslook zu vermeiden.

"Es soll niemals spießig rüberkommen", erklärt Roetzel. Das fängt Astrid Werle zufolge bei Futterstoffen für den Anzug mit frechen Mustern an. "Es dürfen auch mal Pin-Up-Girls darauf sein." Dazu kommen bunte Paisley-Stoffe oder ein Hemdunterkragen in knalliger Farbe. "Das Hemd wird oft hochgeschlossen ohne Krawatte getragen, damit es nicht bieder und zu klassisch bleibt."
In die Vergangenheit zurück sollte aber kein Mann mit seiner Mode gehen, deshalb ist ein Stil-Mix eher Pflicht als Kür. >>

Klassische Mode in Reinkultur sei langweilig, sagt Roetzel. "Da sieht man schnell aus wie ein Burschenschafter mit Barbour-Jacke." Es kommt immer auf den Bruch an - "damit nicht der Verdacht aufkommt, man lebe das so." Gebrochen werden kann so ein Outfit mit einem wilden Bart. Und in der Freizeit kann das so aussehen: "Da darf es ein schneidiges Sakko zur Baumwollhose sein und dazu in der Tat Sneakers", sagt Werle. "Anzug trägt man zu Sandalen, Basecap zu zugeknöpften Hemd, und einen bodenlanger Mantel zu Turnschuhen", ergänzt Roth.

Mode mit Charakter: Bunte Socken zum Anzug

Der neue Gentleman will auf keinen Fall mit charakterlosen Karrieremachern im Anzug verwechselt werden. "Man steht über der Masse der grauen Büroarbeiter. Man kann es sich leisten, bunte Socken zum Anzug zu tragen", erklärt Roetzel die Botschaft des Looks. Astrid Werle erkennt hinter dem Trend die Sehnsucht nach dem Guten, Wahren und Echten, das sich in einer sehr makellosen Mode ausdrücke. Roetzel zufolge geht der Trend über das Modische hinaus. "Da gehen gewisse Rituale mit einher oder gewisse Getränke: der Gin Tonic als Ritual, aber auch der Sinn für ein gepflegtes Aussehen, der Kult um das Rasieren und Zigarren." Das Ganze sei auch ein bisschen die Imitation des Upperclass-Lebensstils. "Man ist lustig und unterhaltsam, aber bitte nicht zu viel Tiefgang. Man zeigt eine gewisse Sportlichkeit, die aber nie bemüht wirkt", erklärt er. Natürlich bringen solche Verhaltensweisen die Gefahr mit, sich zu blamieren. "Bei jungen Leuten ist das Gentleman-Gehabe manchmal ein bisschen albern, vor allem wenn sie es sich alles nur angelesen haben", sagt Roetzel. "Wenn jemand noch nie in England war, wirkt das ein bisschen künstlich." Astrid Werle warnt davor, in den falschen Situationen overdressed zu sein - zum Beispiel gegenüber dem Chef. Allein die Mode macht aus dem Mann noch keinen Gentleman.

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