Bovet – des Kaisers neue Uhren

13.01.2014, 15:49 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Uhren von Bovet. Bovet war einst weltbekannt für seine Taschenuhren und edlen Luxusuhren. (Quelle: imago images/Xinhua)

Bovet war einst weltbekannt für seine Taschenuhren und edlen Luxusuhren. (Quelle: Xinhua/imago images)

Die Uhrenmarke Bovet erobert vor fast zweihundert Jahren das chinesische Kaiserreich. Nach dem Niedergang folgt der spektakuläre Neuanfang unter der Führung des Pharma-Tycoons Pascal Raffy. Heute baut Bovet außergewöhnliche Zeitmesser, die sowohl als Armband- als auch als Taschenuhr dienen.

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Abgeschottet von den Blicken der Normalsterblichen lebt Imperator Quianlong in der Verbotenen Stadt. Das Reich lebt im Wohlstand, doch die Händler der westlichen Industrienationen laufen gegen eine chinesische Mauer: “Es gibt nichts das Großbritannien besitzt, was das Himmlische Reich möglicherweise benötigen könnte," schreibt der Kaiser an den britischen König George III.

Uhren für das chinesische Kaiserreich

Eine Ausnahme gibt es: Quianlong sammelt Uhren, natürlich ahmen ihn der Hofstaat und die Oberschicht nach. Die Herrschaft von Kaiser Qianlong von 1735 bis 1799 gilt als "Goldenes Zeitalter" der chinesischen Zivilisation. Der Herrscher in Peking führt zehn siegreiche Feldzüge, hält das Vielvölkerreich zusammen und dehnt die Grenzen aus. Aber westliche Kaufleute dürfen nur nach Kanton im Süden.

Aus der Schweiz über London nach Kanton

Dorthin zieht es Edouard Bovet, geboren 1797 im Schweizer Örtchen Fleurier. Bovet absolviert eine Lehre als Uhrmacher und geht im Jahr 1814 mit seinen Brüdern Alphonse und Frederic nach London, damals noch das Zentrum der europäischen Uhren-Industrie; Bruder Gustave bleibt in der Heimat. Edouard Bovet findet an der Themse umgehend einen Job bei der Firma Magniac, die den 21jährigen im Jahr 1818 an Bord der Orwell, einem Schiff der Ostindien-Kompanie, nach Kanton schickt. Bovet verkauft in kurzer Zeit vier Uhren für 10.000 Franken – nach heutigem Wert wären das etwa eine Millionen US Dollar.

Verzierte Taschenuhren für die Mandarine

Zusammen mit seinen Brüdern gründet er am 1. Mai 1822 seine eigene Firma. Die Mandarine schätzen feine Gravuren auf dem Werk und reich dekorierte, emaillierte Gehäuse.

Die Verzierungen zeigen meist europäische Motive, was die Uhren noch exotischer für Chinesen macht. Und nebenbei erfindet Bovet den transparenten Gehäuseboden zum Blick auf das Uhrwerk. Die Taschenuhren werden im Paar in einer Mahagoni-Box verkauft – so hat der Besitzer Ersatz, falls eine langwierige Reparatur ansteht. Und noch eine Pionierleistung gelingt Edouard Bovet: Als Erster bringt er seinen Namen auf den Taschenuhren an. Schnell wird Bovet als "Bo Wei" in China berühmt – der Name wird zum Synonym für die Uhr schlechthin.
Bovet beherrscht den Süden und Vacheron Constantin aus Genf erhält den Norden. Weitere Konkurrenten sind Ilbery of London und Vaucher Fleurier. Durch das Chaos der verschiedenen Währungen im späten Mandschu-China nehmen Bo-Wei-Uhren sogar den Status von Geld ein: Sie sind bekannt und begehrt, somit werden sie gerne getauscht.
Edouard Bovet kehrt im Jahr 1830 als gemachter Mann zurück, 1840 arbeiten 175 Menschen an den "chinesischen Uhren" der Gebrüder Bovet, in Kanton wird eine Manufaktur aufgebaut. 1849 stirbt Edouard Bovet. 1855 erhält die Firma auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille für ein absolut identisches Paar Uhren, das vom Kaiser von China geordert wird.

Niedergang ab 1864

Doch der Zweite Opiumkrieg lässt den Absatz zusammenbrechen: Die Briten setzen die Marktöffnung durch, billige Konkurrenz flutet den Markt, Bovet-Uhren werden häufig gefälscht. Die Firma wird 1864 verkauft und wechselt mehrmals den Besitzer. In den Wirren von Erstem Weltkrieg, Großer Depression, Öl- und Quarzkrise wandelt sich der Charakter vom exklusiven Luxus- zum Massenhersteller, verbaut werden Valjoux- und Landeron-Kaliber. Solche Armbanduhren sind heute noch zuhauf bei Versteigerungen zu finden. Die Firma wird mehrfach verkauft und landet unter anderem im Jahr 1989 bei Parmigiani Fleurier. 1997 werden die Drücker nach oben auf die 12 gesetzt – das Markenzeichen.

Der neue Herrscher investiert Millionen 2001 die Auferstehung der Marke als Bovet 1822: Der Investor und Uhren-Sammler Pascal Raffy – er besitzt rund 400 Uhren – kauft die Marke. Der Unternehmer hatte ein Pharma-Labor aufgebaut und für Millionen verkauft; mit 38 Jahren setzt er sich zur Ruhe, bevor ihn die Langweile packt. Dann entdeckt er Bovet. Der neue Alleinherrscher in Fleurier kauft weitere Firmen zu, benennt sie um und erneuert die historische Marke. Einer der wichtigsten Zukäufe ist ein Anteil am Kaliber-Hersteller Aubert Complications 2004. Heute fertigt Bovet komplett eigene Werke und beliefert auch Harry Winston. 2006 kauft Raffy das Schloss Môtiers, das ab 1835 der Familie Bovet gehört und später dem Kanton. Inzwischen sind in dem komplett renovierten Bau Ateliers untergebracht. Der im Libanon geborene Raffy setzt auf Super-Exklusivität: Die Zifferblätter sind aus Emaille oder Perlmutt, Bovet schaltet kaum Werbung, hält sich von Messen fern und veranstaltet stattdessen private Salons für die betuchte Kundschaft, die für die Produktion ihrer teuren Meisterwerke eigens ins Schloss eingeflogen wird. Rund ein Drittel der produzierten Zeitmesser sind teure Unikate, die rund 700.000 Euro kosten können. Armband- und Taschenuhr zugleich

Der besondere Clou schließlich 2010: Bovet stellt nach und nach alle Uhren auf das System um, mit dem sich die Armbanduhr ganz einfach zur Taschenuhr oder zu einer Miniatur-Tischuhr verwandeln lässt. Und das alles komplett ohne Werkzeug, nur mit Druck und Drehung. Inzwischen führt der Hersteller Wartelisten, um die Nachfrage zu bedienen. Und natürlich vergisst Regent Raffy nie die Wurzeln von Bovet: Ende 2012 liefert er sich bei Christie‘s in Genf ein Bietergefecht um eine Bovet aus dem Jahr 1842. Die Taxe liegt bei 50.000 bis 80.000 Franken – zwei Museen sowie Sammler aus Japan und China stiegen mit ein. Am Ende triumphiert Raffy und der Hammer fällt bei 385.000 Franken.

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