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Der Patriarch von A. Lange & Söhne

Walter Lange: Hingabe für ein zeitloses Produkt

28.07.2014, 11:59 Uhr | dpa - Jörg Schurig

Der Patriarch von A. Lange & Söhne. Ein Meisterwerk aus dem Hause A. Lange & Söhne (Quelle: dpa)

Ein Meisterwerk aus dem Hause A. Lange & Söhne (Quelle: dpa)

Mechanische Uhren sind kleine Wunderwerke. Damit ein Rädchen ins andere greift, braucht es aber auch Visionen. Uhrmacher Walter Lange hat vor 24 Jahren in Glashütte eine Tradition wiederbelebt. Jetzt vollendet er selbst einen Zeitabschnitt - das achte Lebensjahrzehnt.

Es gibt Menschen, denen die Zeit nicht viel anhaben kann. Auch wenn das Alter Spuren hinterlässt, bleibt manchen Zeitgenossen ihr Lebensantrieb bis ins hohe Alter erhalten. Es mag Entdeckerfreude sein oder auch Wagemut. Was treibt beispielsweise einen 66-Jährigen an, noch einmal eine Firma zu etablieren?

Neuanfang nach der DDR-Misere

Uhrmacher Walter Lange hat es gewagt. Im Dezember 1990 gründete er in Glashütte die Lange Uhren GmbH und reanimierte damit das Erbe seiner Vorfahren. Die Feinuhrmacherei fand außerhalb der Schweiz wieder eine zweite Heimat. Am Dienstag, den 29. Juli, wird Lange 90 Jahre alt. Schon als Knabe entwickelte er eine Affinität zu Zeitmessern. "Heute spielen Kinder mit ferngesteuerten Autos oder am Computer. Als ich ein Kind war, hatte ich einen Uhrenbaukasten", erinnert sich der gebürtige Dresdner.

Die Neigung lag ihm im Blut. Urgroßvater Ferdinand Adolph Lange hatte 1845 in Glashütte eine Manufaktur für hochwertige Taschenuhren gegründet. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und zunächst in den Volkseigenen Betrieb (VEB) Lange umgewandelt.

Als mehrere ortsansässige Firmen der Branche 1951 die Zwangsvereinigung zum VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) ereilte, verschwand der Name Lange vollends aus Glashütte.

Von Sachsen nach Pforzheim

Walter Lange war zu diesem Zeitpunkt bereits nach Pforzheim umgesiedelt. Schon zuvor hatte er den Anfang seiner Lehrzeit als Uhrmacher außerhalb von Sachsen verbracht: "Damals wurde in Glashütte nur die Meisterausbildung angeboten, deshalb ging ich nach Karlstein in Österreich." In Pforzheim, wo Lange noch heute wohnt, baute er einen Großhandel für Schweizer Uhren auf. Sein Versuch, damals die Marke Lange & Söhne wiederzubeleben, sollte eine Episode bleiben.

Als die friedliche Revolution 1989 die DDR hinfällig machte, erkannte Lange die Zeichen der Zeit. "Als die Berliner Mauer fiel, war ich bereits im Ruhestand. Aber die Chance, das Erbe meiner Vorfahren wiederzubeleben, konnte ich mir nicht entgehen lassen", berichtet der Firmengründer, der auch ein Faible für historische Autos hat.

Neugründung am 145. Jahrestag

Am 7. Dezember 1990 meldete er die Marke wieder an. Das Datum war nicht zufällig gewählt. Auf den Tag genau 145 Jahre zuvor hatte sein Urgroßvater den Grundstein für die Branche in Sachsen gelegt. Walter Lange begann mit 15 Mitarbeitern. Knapp vier Jahre später präsentierte er die erste Kollektion - vier Modelle, darunter die Lange 1, heute ein Klassiker. Es sei ein Risiko gewesen, aber für ihn der einzig richtige Weg, sagt der Firmengründer. Seine damalige Vision fasst er in einem einzigen Satz zusammen: "Uns war von Anfang an wichtig, Uhren zu entwickeln, die in ihrer schlichten, klassischen Erscheinung von höchster Modernität sind." Zum 90. Geburtstag schaut er stolz auf sein Werk. A. Lange & Söhne habe sich als exklusive Marke in rund 60 Ländern platziert, sagt Firmensprecher Arnd Einhorn. Aus dem kleinen Team der Anfangszeit sei ein Unternehmen mit derzeit rund 700 Mitarbeitern gewachsen. Inzwischen gehört die Firma zum Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont. Bilanzzahlen nennt man nicht. Jedes Jahr werden nur wenige tausend Zeitmesser hergestellt. Die Preisspanne für eine Lange-Uhr reicht von 15.600 bis 1,92 Millionen Euro. Auch wenn Walter Lange nicht mehr im Tagesgeschäft ist, kommt er gelegentlich nach Glashütte. "Er hat den genauen Blick für Details. Walter Lange ist ein Perfektionist", sagt Einhorn. Lange selbst räumt ein, dass es in seinem Alter hier und da schon mal "zwackt". Insgesamt fühle er sich aber "noch ganz gut beieinander". Langes Rezept dafür klingt simpel: "Man muss immer positiv denken."

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