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Der Maßschuh, ein perfekter Schuh

Massanfertigung: Schuhe, die wie Strümpfe passen

17.07.2015, 09:33 Uhr | Uwe Kauss - wanted.de

Der Maßschuh, ein perfekter Schuh. Der perfekte Schuh (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der perfekte Schuh (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein guter Schuh ist ein Statemenf für Haltung und Stil. Deswegen kommen Maßschuhe für Männer wieder in Mode: Sie sind von höchster Qualität, besonders bequem, elegant bis lässig, dazu aus selbst gewähltem Material gefertigt. wanted.de hat den Maßschuhmacher Jürgen Dohn von der renommierten Frankfurter Schuhmacherei Lenz nach seiner Arbeit und dem Geheimnis des perfekt sitzenden Schuhs gefragt.

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Mode mit Tradition: Der Schuhmachermeister Jürgen Dohn, kann sich noch gut an den ersten Herrenmaßschuh erinnern, den er in der Frankfurter Schuhmacherei Lenz für einen Kunden angefertigt hat. 2011 üßbernahm er den Betrieb von Altmeister Wolfgang Lenz, dessen Großvater ihn gegründet hatte: "Ein Herr betrat den Laden und fragte nach Maßschuhen. Machen wir seit Jahrzehnten, antwortete ich."

Auch ungewöhnliche Aufträge werden erledigt

Da öffnete der Kunde sein Hemd, riss ein Stück ab und reichte es dem verblüfften Schuhmacher: "Ich hätte gern einen Budapester. Aber genau in dieser Farbe." Es war ein lila-auberginefarbener Ton, der mit weiß kombiniert werden sollte. Dohn machte sich an die Arbeit.

"Wir arbeiten viel für Damen, und bei den Herren werden zu 90 Prozent klassische Business-Schuhe bestellt", erzählt er. "Sneakers machen wir auch, sie werden aber sehr selten bestellt."

Der Unterschied zum Konfektionsschuh aus dem Kaufhaus sei allerdings gewaltig, erklärt Dohm. "Beim Industrieschuh finden Sie die Bezeichnungen 'Obermaterial Leder' oder das Lederzeichen auf der Sohle. Das bedeutet aber nicht, dass das Material tatsächlich aus Leder besteht. Das sind Industriedefinitionen mit großem Spielraum", erklärt er den feinen Unterschied.

Das steckt im Industrie-Schuh

So bestünden viele 'Ledersohlen' aus einem Gemisch aus Pappe und Ledermehl. Sie bekämen eine nur 0,2 Millimeter dünne Schicht Leder wie ein Furnier aufgeklebt. Im Innern fände sich zudem meist Kunststoff zur Stabilität. Bei seinen Schuhen sei das anders: "Wir fertigen nur aus purem Leder, etwas Gummi und ein wenig Metall." Allein das Außenleder sei bei seinen Schuhen so dick wie Außenleder, Verstärkung und Innenfutter von Konfektionsschuhen zusammen.

Doch Maßarbeit ist derzeit kein leichtes Geschäft. "Wir haben dasselbe Problem wie die Maßhemden- und Anzugschneider: Die Industrie imitiert unsere Arbeit mittlerweile perfekt. Ohne Fachwissen können Sie eine Maßanfertigung von einem sehr gut gemachten Industrieprodukt nicht mehr unterscheiden."

Doch wer sich mit Jürgen Dohn durch seine Lederauswahl tastet, bemerkt den Unterschied. "Dieses Cordovan-Leder etwa ist weich wie ein Stoff, aber so robust, dass ich Ihnen auch einen Arbeitsschuh mit Stahlkappen daraus machen könnte. Es eignet sich hervorragend für einen strapazierfähigen, alltagstauglichen Freizeitschuh." Dohn nimmt einen Löffel, dreht den Stiel und kratzt damit kräftig auf der Oberfläche. Ein Abdruck ist zu sehen. Nun reibt er mit dem Daumen ein wenig darüber – der Kratzer ist verschwunden. "Das meine ich mit Qualität." Kalbsleder im Innenfutter etwa ist so weich und elastisch, dass Wohlgefühl statt Reibung und Druck entstehen. "Das kräftigere Material und die komplette Handarbeit führen dazu, dass der Schuh auf eine etwas andere Art elegant wirkt. Er ist nie so schlank wie in der Konfektion", sagt Dohn.

Auf das Aufmaß kommt es an

Kein Mensch hat zwei gleiche Füße. Daher nehmen sich Jürgen Dohn und seine Schuhmacher viel Zeit, um Anomalien der Sohle, der Fersen, Zehen und des Spanns zu vermessen. Diese Details fließen ein in zwei Holzmodelle der Füße, die von Hand aus einem Holzblock geschliffen werden. Um dieses Modell entsteht Zentimeter für Zentimeter der Schuh. Die Sohlen sind nach Wunsch austauschbar und werden gleich nach Maß mitproduziert. Mindestens zwei Besuche beim Schuhmacher sind üblich. Die Fertigung dauert mindestens 40 bis 65 Stunden reine Arbeitszeit – die Trockenzeit des Leders nicht mitgerechnet. Ab 1300 Euro ist ein Maßschuh bei ihm zu haben. Wenn der Kunde innerhalb von maximal zwei Jahren bei ihm weitere Paare bestellt, reduziert sich der Preis um etwa 200 Euro.

Aber nur dann, wenn Lederwahl oder Schnitt sehr ähnlich ist. Nach zwei Jahren fertigt er neue Leisten, weil sich die Füße dann verändert hätten. Dann ist wieder der volle Preis fällig. Seine Kunden müssen derzeit neun bis zwölf Monate aufs Abholen warten - seine Arbeit ist gefragt. Er arbeite daran, sie auf sechs Monate zu reduzieren. "Zu mir kommen Geschäftsleute, Banker und Prominente ebenso wie Lehrer oder ganz normale Väter, die den Maßschuh von der Familie zum runden Geburtstag geschenkt bekommen haben", erzählt er. Auch Männer mit großen Füßen seien Stammkunden: "Größe 56 habe ich schon ziemlich oft gemacht."

Oxford, Loafer, Budapester, Monk

Männern empfehle er stets Schnürschuhe wie Oxford oder Budapester: "Da können sie wählen, ob der Schuh eng oder lockerer den Fuß umschließt. Ein Loafer ohne Schnürung ist weniger flexibel. Der kann bei strammer Hitze und angeschwollenen Füßen etwas knapp sitzen." Tasselloafer mit den charakteristischen Ziersenkeln vorne würden heute so gut wie nicht mehr bestellt. Brogues mit den typischen Lochverzierungen oder die spitzeren Budapester sind als klassische Schuhe zum Business-Anzug dagegen weiter im Trend, ebenso wie der klassische Derby mit seinem eleganten Schaftschnitt sowie das ähnliche Blücher-Modell. Bei dem werden die zu verschnürenden Teile seitlich als aufgesetzte Bänder auf den Schaft genäht. "In der Konfektion werden für die Zierlöcher Musterstanzen verwendet – ein Schuh sieht wie der andere aus. Bei uns kann der Kunde wählen, wie die Löcher beschaffen sein sollen. Jedes einzelne wird hier von Hand gestanzt und ausgeschlagen." Gut mit Jeans und Anzug kombinierbar ist der Monkstrap aus Glattleder, der mit einem oder zwei Riemen verschlossen wird. Verlangt wird er bei Dohn allerdings ebenfalls nur selten, ebenso der Chukka Boots, der klassische Freizeitstiefel aus weichem Rauleder. Für den sei etwa Wasserbüffel bestens geeignet - "extrem leicht, elastisch und trotzdem sehr widerstandsfähig. Er gehört zum meinen Lieblingslederarten". Doch jeder Maßschuh braucht nicht nur in der Fertigung Zeit – er muss eingelaufen werden. Das kann durchaus ein paar Tage dauern. Im besten Fall verschmelzen danach Mensch und Maßschuh zur Einheit. Das Geheimnis der besonderen Qualität sei für ihn einfach zu beschreiben, aber umso schwieriger zu erreichen: "Ein guter Maßschuh sitzt so gut wie ein Strumpf." Und das ist letztlich der einzige und zugleich wichtigste Unterschied zur Konfektionsware: Die Passform!! Stilvolle Impressionen zu den edelsten Modellen und der Fertigung sehen Sie in unserer Fotoshow.

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