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So profitierten Uhrenfreunde von der Deutschen Einheit

So profitierten Uhrenfreunde von der Deutschen Einheit

01.10.2015, 14:01 Uhr | wanted.de

So profitierten Uhrenfreunde von der Deutschen Einheit. Nach der Wiedervereinigung begann die märchenhafte Renaissance von A. Lange & Söhne. (Quelle: dpa/ Hersteller)

Nach der Wiedervereinigung begann die märchenhafte Renaissance von A. Lange & Söhne. (Quelle: dpa/ Hersteller)

Die einzige Großtat der DDR war wohl ihr Zusammenbruch. Mit dem Ende des miefigen Funktionärssozialismus wurde der Weg frei für Erfindergeist und freies Unternehmertum. Davon profitieren heute Uhrenfreunde in aller Welt, denn mit der Wiedervereinigung begann das spektakuläre Comeback der Uhrenindustrie in Glashütte. Heute zählen Manufakturen wie A. Lange & Söhne zu den Topherstellern in der Welt der feinen Zeitmesser.

Die sächsische Uhrenindustrie liegt in einem der hintersten Winkel in Deutschland nahe Tschechien. Die Firmen können auf eine Tradition zurückblicken, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. So gründete der sächsische Meisteruhrmacher Ferdinand Adolph Lange am 7. Dezember 1845 die Uhrenmanufaktur "A. Lange & Cie". Das war übrigens ein frühes Beispiel für staatliche Strukturpolitik. Damit reagierte das Königreich Sachsen auf die Krise des Bergbaus im Erzgebirge.

Keimzelle der Uhrenindustrie

Adolph Lange erhielt sogar einen Kredit, mit dem er 15 Lehrlinge beschäftigen konnte. Die kleine Manufaktur wurde so zur Keimzelle der sächsischen Uhrenindustrie. Zahlreiche weitere Uhrmacher eröffneten ihre Betriebe, wie etwa auch Mühle Glashütte, das 1869 gegründet wurde.

Die Manufaktur war ein Hersteller von nautischen Instrumenten, Messgeräten, Schiffs- und Armbanduhren. In der kleinen Stadt im Erzgebirge entstand in den folgenden Jahrzehnten eine prosperierende Uhrenindustrie. Die jähe Wende kam durch den Zweiten Weltkrieg. Noch kurz vor Ende des Krieges bombardierte die Luftwaffe der Roten Armee einige Betriebe. Nach Kriegsende wurden zwei Firmen demontiert und als Reparationen an die Sowjets gegeben.

Enteignung der Uhrenindustrie

Doch der eigentliche Schlag für Sachsens Uhrenindustrie kam durch die Enteignung und Kollektivierung allein von sieben Manufakturen in einem Gesamtbetrieb VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB). Selbst in den 70er Jahren hielten die Enteignungen an. Erst 1972 wurde die Firma "Ing. Hans Mühle" verstaatlicht, die dann 1980 in der GUB aufging.

Die GUB produzierte vor allem Uhren für die DDR und dem damaligen RGW, dem Wirtschaftsverbund der kommunistischen Staaten. Nach der Wende lag die DDR-Industrie, die zuletzt vor allem auch Quarzwerke für den Westen gefertigt hatte, am Boden. Doch der enteignete und nach Pforzheim geflohene Walter Lange - Urenkel des Firmengründers Ferdinand Adolph Lange (1815-1875) - brachte Glashütte wieder nach oben. Die Neugründung der Lange Uhren GmbH und die Wiederanmeldung der Marke A. Lange & Söhne erfolgten zum historischen Datum - am 7. Dezember 1990 - genau 145 Jahre nach der erstmaligen Gründung der Firma. So gelang Lange & Söhne in weniger als einem Jahr nach dem Mauerfall und nur zwei Monate nach der Wiedervereinigung der spektakuläre Neubeginn und die Renaissance der Handwerkskunst.

"Ohne die Wiedervereinigung wäre es nicht möglich gewesen, die Marke A. Lange & Söhne mit neuem Leben zu erfüllen. Der Mut, herkömmliche Denkmuster zu verlassen und mit einem innovativen Konzept höchste Qualitätsstandards zu setzen, war die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg", erklärte Wilhelm Schmid, der heutige CEO der Lange Uhren GmbH.

Hilfe aus der Schweiz

Walter Lange kaufte damals die Firmenrechte von der Treuhand-Anstalt und gründete mit dem Geld der International Watch Company (IWC) und seiner Konzernmutter Mannesmann seine alte Firma neu – und das im Alter von 66 Jahren! Mit mechanischen Uhren kannten sich die neuen Lange-Mitarbeiter aus, da die Ausbildung in der DDR nach wie vor handwerklich ausgerichtet war. Doch in den neuen Bundesländern Uhren in der Preisklasse über 10.000 D-Mark zu bauen, lag zunächst einmal außerhalb ihres Vorstellungsvermögens. Deshalb ging es erst einmal zur Einarbeitung in die Schweiz, damit sich die Mitarbeiter bei der Schwestergesellschaft IWC mit den speziellen Anforderungen des Luxussegments vertraut machen konnten. Fast ein viertel Jahrhundert später resümiert Walter Lange: "Am meisten freue ich mich darüber, dass Glashütte wieder zum Zentrum der deutschen Uhrenindustrie geworden ist."

Ein Meilenstein war für Lange und Söhne die "Lange 1" mit dem typischen Großdatum. 1994 brachte die Manufaktur die Uhr auf dem Markt, die sich seither zur Markenikone entwickelt hat. Auch heute bleibt die Firma ihrer langen Historie treu. Zwar gibt es kein Sondermodell zur Deutschen Einheit, aber dafür ehrt die Firma den Gründer Adolph Lange, geboren am 18. Februar 1815, mit zwei Sondereditionen des Modells "1815". Neben Lange & Söhne knüpften nach der Wende weitere Betriebe an ihre Geschichte vor der Enteignung an und gründeten ihre Manufakturen neu. Dazu zählt auch die Mühle-Glashütte GmbH. Hans-Jürgen Mühle schied 1994 aus der Glashütter Uhrenbetriebe GmbH, dem Nachfolger der GUB aus und meldet das Familienunternehmen seiner Vorfahren unter dem Namen Mühle-Glashütte GmbH nautische Instrumente und Feinmechanik wieder als eigenständige Firma an. Uhren der Marke konnten mehre Preise einheimsen, wie etwa der Teutonia-II-Chronograph, der 2014 den Publikumspreis "Goldene Unruh" in der Kategorie bis 5000 Euro gewinnen konnte.

Neugründung in Glashütte Neben wiedergegründeten Traditionsfirmen, tragen heute auch neue Uhrmacherbetriebe zum Ruhm Glashüttes bei. Dazu zählt die Manufaktur Nomos Glashütte, die am 10. Januar 1990 vom Düsseldorfer IT-Experten

und Fotografen Roland Schwertner gegründet wurde. Schwertner, eigentlich EDV-Experte und Fotograf, kannte Glashütte noch von Verwandten und reiste direkt nach der Wende in die Stadt nahe Dresden, um dort Nomos Glashütte zu gründen. "Ohne die Wende hätte es Nomos Glashütte nie gegeben", erklärt Firmensprecherin Andrea Brandis wanted.de. Es sei toll, wie sich Glashütte seit dem entwickelt habe, und wie es sich in puncto Uhrenmanufakturen zu einer "Schweiz im Kleinformat" gemausert habe. Leider bietet auch diese Manufaktur kein besonderes Sondermodell zur Einheit an. Dafür ist die Sonderedition "Orion 1989", die Nomos im vergangenen zum Tag des Mauerfalls herausbrachte, weiter erhältlich. Neben den genannten Betrieben gibt es heute in Glashütte zahlreiche weitere Manufakturen, die Glashütte heute zum Zentrum der deutschen Uhrenindustrie machen. Das wäre ohne den Mauerfall und die Wiedervereinigung nicht möglich gewesen. Impressionen der Top-Produkte und Uhrenhersteller aus Glashütte finden Sie in unserer Fotoshow.

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