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Plastiktüten-Verbot in Deutschland: Hilft das wirklich? – Pro und Contra

PRO & KONTRAUmweltschutz  

Ist ein Verbot von Plastiktüten sinnvoll?

Von Annemarie Munimus, Peter Schink

06.09.2019, 16:14 Uhr
Plastiktüten-Verbot in Deutschland: Hilft das wirklich? – Pro und Contra. Eine Schildkröte schwimmt im Meer zwischen Plastiktüten: Schon bald könnten Plastiktüten in Deutschland per Gesetzt  verboten werden. (Quelle: Getty Images/Kwangmoozaa)

Eine Schildkröte schwimmt im Meer zwischen Plastiktüten: Schon bald könnten Plastiktüten in Deutschland per Gesetzt verboten werden. (Quelle: Kwangmoozaa/Getty Images)

Die Plastiktüte steht womöglich kurz vor dem Aus. Die Regierung plant ein Gesetz zum Verbot von Plastiktüten. Doch hilft das wirklich?

Der Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland sinkt laut Umweltministerin Svenja Schulze. Dennoch unternimmt sie einen Vorstoß zum Verbot von Plastiktüten. Ist das angesichts der zunehmenden Vermüllung der Weltmeere eine sinnvolle Maßnahme? Unsere Autoren sind unterschiedlicher Meinung.

Peter Schink

Stellvertretender Chefredakteur

Pro

Ja, die Entscheidung war überfällig

Diese Entscheidung hätte die Regierung schon 2016 treffen sollen. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wurde damals scharf dafür kritisiert, dass sie eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handel aushandelte. Umweltschützer fragten zurecht, warum der Verbrauch von Plastiktüten nur reduziert werden sollte – statt deren Einsatz völlig zu verbieten. Es ist überfällig, dass Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) nun ein komplettes Verbot von Plastiktüten anstrebt.


Ich bin gespannt, ob Regierung und Parlament standhaft bleiben, während die Lobby mit fadenscheinigen Argumenten dagegenhält. Dort heißt es, Papier sei doch viel schädlicher. Wegen geringerer Lebensdauer und höherem Energieverbrauch bei der Herstellung. Diese Abwehrschlacht des Handels ist erbärmlich, gibt es mit Stoffbeuteln doch längst eine sinnvolle Alternative.


Der Handel ist zwar zurecht erzürnt, dass die Vereinbarung aus dem Jahr 2016 jetzt schon hinfällig ist. Aber klar ist auch: Für den Schutz von Klima und Umwelt kann es keine Kompromisse mehr geben. Genau das ist das Signal, dass Schulze aussenden will. Ich hoffe, die Regierung bleibt bei dieser Haltung, nicht nur beim Thema Plastiktüten.

Annemarie Munimus

Chefin vom Dienst Ratgeber

Kontra

Nein, das ist reine Symbolpolitik.

Oha, da schwimmt ganz schön viel Müll im Meer. Selbst im Urlaub auf Mallorca können wir das ganze Plastik sehen. So richtig haben freiwillige Maßnahmen noch nicht gefruchtet. Da muss wohl ein Verbot her: Weg mit der Plastiktüte – tönt es nun aus dem Bundesumweltministerium. Ich töne: Lasst mal stecken, das ist reine Symbolpolitik.


Denn die Tüte ist nur eine von schier unendlichen Plastikquellen im Supermarkt. Tomaten in der Plastikschale, Kartoffeln im Plastiknetz, Bonbons einzeln in Plastik gehüllt und so weiter. Die Plastiktüte, die gebraucht wird, um all die anderen Plastikverpackungen nach Hause zu tragen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Zudem bringen Verbote immer Gewinner und Verlierer hervor. Muss die Plastiktüte weichen, erlebt die Papiertüte ihre Zeit. Die zersetzt sich zwar, wenn sie im Meer landet und bringt damit keine Meerestiere um, allerdings müssen für sie Bäume sterben. Papier hat leider auch keine weiße Weste in Sachen Ökobilanz.


Es ist naiv zu glauben, dass man mit dem Verbot von Tüten und Strohhalmen aus Plastik etwas an der Vermüllung der Weltmeere ändern kann. So machen laut einer Studie Fischernetze, die lose im Meer treiben und Meerestiere gefährden, 46 Prozent des Meeresplastiks aus. Dieses Klein-Klein-Gesetz wird zudem kaum etwas an den immensen CO2-Emissionen und damit der Klimakrise ändern.

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