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British Columbia: Wo die Bären Krebse knacken

British Columbia: Wo die Bären Krebse knacken

13.03.2012, 08:28 Uhr | Bärbel Schwertfeger / srt, srt

British Columbia: Wo die Bären Krebse knacken. Der kleiner Fischerort Tofino auf Vancouver Island liegt inmitten einer unberührten Fjordlandschaft. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der kleiner Fischerort Tofino auf Vancouver Island liegt inmitten einer unberührten Fjordlandschaft. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der kleiner Fischerort Tofino auf Vancouver Island an der Westküste Kanadas liegt inmitten einer unberührten Fjordlandschaft und ist ein guter Ausgangspunkt für Bären- und Wal-Beobachtungen. Begeben Sie sich mit wanted.de auf eine Reise durch British Columbia. Eindrücke bekommen Sie in unserer Foto-Show über British Columbia.

Mit beängstigender Geschwindigkeit rast das Boot durch die dichten Nebelbänke. Schweigsam, in ihre Sitze gepresst und in dicke orange Schutzanzüge gehüllt, starren die Gäste ins Nichts. Nur ab und zu werden die Konturen von Felsen und Bäumen sichtbar. Zum Glück hatte uns Steven vor der Abfahrt auf einer Karte die Route gezeigt, auf der er uns durch das verwirrende Netz aus Inseln, Buchten und Flussläufen bringen will.

Dann drosselt der Bootsführer das Tempo. Vor uns tauchen schemenhaft drei dunkle Punkte auf den hellen Felsen auf. Eine Bärin mit zwei Jungen klettert in den bei Ebbe freiliegenden Ufersteinen herum. Mit der Nase am Boden suchen die tapsigen Tiere nach Krebsen unter den Steinen und knacken ihre Opfer mit einem lauten Krachen. Schließlich ist das Meeresgetier eine willkommene Abwechslung auf ihrer Speisekarte. Da lassen sich die Schwarzbären auch nicht von dem gerade zehn Meter entfernten Urlauber-Boot stören. >>

So nah wie im Clayoquot Sound auf Vancouver Island an der Pazifikküste Kanadas kann man die Tiere selten beobachten. Unberührte Fjordlandschaften mit jahrhundertealten Regenwäldern säumen die weitgehend unzugängliche Westküste der mit 450 Kilometern Länge größten Insel an der Pazifikküste Nordamerikas. Touristisches Zentrum ist das einst verschlafene Fischerdorf Tofino.

Der Ort am Ende einer Landzunge ist umgeben vom Pacific Rim Nationalpark und idealer Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge in die Wildnis. Dort kann man Bären und Wale beobachten, in heißen Schwefelquellen baden und auf zahlreichen Wanderwegen durch den Regenwald streifen.

Kajakfahrer können tagelang durch die Wildnis paddeln, ohne auf eine Menschenseele zu treffen, und Surfer aus aller Welt treffen sich am ausgedehnten Long Beach mit seinen lang auslaufenden Wellen. >>

Schon die 340 Kilometer lange Fahrt von Victoria, der britisch angehauchten Hauptstadt der Provinz British Columbia ist ein Erlebnis. Die Straße schlängelt sich durch dichte Wälder, links und rechts tauchen einsame Seen auf, überragt von schneebedeckten Bergen. Und plötzlich steht ein Bär am Wegesrand und wartet geduldig, bis die Straße frei ist und er in Ruhe auf die andere Seite wechseln kann.

Tofino selbst ist eine kleine Ansiedlung mit schmucken Holzhäusern, netten Restaurants und einem kleinen Hafen. Doch so friedlich der Ort wirkt, auch hier ist die Natur in Gefahr. Der Clayoquot Sound ist zwar Unesco Naturerbe, aber deshalb noch lange nicht geschützt. Selbst die Bärenjagd ist erlaubt. "Die anderen jagen die Bären, wir versuchen sie zu schützen", sagt Don Travers, Eigentümer des Touranbieters Remote Passages. Inzwischen hätten die Ausflugsboote die meisten Jäger zum Glück vertrieben. Doch nun droht eine viel größere Gefahr: Ein ganzer Berg soll abgetragen und eine Kupfermine gebaut werden - ein Desaster für die sensible Umwelt und für die Wale, die auf ihrem Weg von Mexiko nach Alaska hier Rast machen. Travers notiert, welche Tiere auf seinen Touren gesichtet wurden, und zeigt uns die Tafeln, auf denen Datum und Zahl der Tiere, symbolisiert durch Bärentatzen und Walflossen, penibel aufgezeichnet sind.

Wohlig warmes Wasser inmitten der Wildnis

Am nächsten Tag, als wir mit dem Boot zu den heißen Schwefelquellen fahren, sehen wir Grauwale. Erst taucht nur ein schwarzer Rücken aus dem unruhigen Meer auf, dann ragt plötzlich die mächtige Schwanzflosse in die Luft und schließlich sind wir von einer ganzen Gruppe von Walen umgeben. Nach einer guten Stunde erreichen wir den Anlegerplatz in der Hot Springs Bucht. Von hier führt ein eineinhalb Kilometer langer Weg über Holzplanken und Hunderte von Stufen durch den urwüchsigen Regenwald mit mächtigen Douglasfichten bis zur Quelle, deren heißes Wasser aus fünf Kilometer Tiefe sprudelt und sich hundert Meter weiter in kleinen Pools zwischen einer Felsspalte sammelt. Nach einer kurzen Klettertour über die glitschigen Steine genießen wir das wohlig warme Wasser inmitten der Wildnis.

Mit welcher Kraft die Natur hier wirkt, lässt sich am Long Beach bewundern, wo sich riesige, als Treibholz angeschwemmte Baumstämme wie Streichhölzer stapeln, aus denen manche Surfer sich einen Windschutz bauen. Am Ende des Strandes befindet sich das Wickaninnish Visitor Center mit Panorama-Restaurant und sehenswertem Museum. Dort beginnt auch der zweieinhalb Kilometer lange Nuu-chah-nulth-Trail. Vorbei an Totempfählen der einst hier heimischen Nuu-chah-nulth-Indianer und zahlreichen Hinweistafeln zu ihrer Kultur führt der Weg über Holzstege durch den Regenwald und Moorgebiete bis zur Florencia Bay. Ein Schild warnt vor Begegnungen mit Bären, Wölfen oder Pumas.

Am Nachmittag bringt uns Michael White zur Freedom Cove. Wir fahren vorbei an unzähligen Inseln, im Hintergrund die schneebedeckten Berge. Der morgendliche Nebel hat sich fast ganz aufgelöst, nur ein paar Nebelbänke hängen noch dekorativ über den Buchten. Die Luft ist ungewöhnlich klar, der Himmel knallblau. Wir passieren zwei schwimmende Lachsfarmen und erreichen nach einer guten Stunde Freedom Cove. In der geschützten Bucht hat sich das Künstlerpaar Wayne und Catherine vor 20 Jahren ein schwimmendes Heim in der Wildnis gebaut. Inzwischen ist ihr auf ausrangierten Metallgittern von Fischfarmen gebautes Reich auf über 1500 Quadratmeter gewachsen. Stege führen vorbei an unzähligen Blumentöpfen und Kunstwerken, in den Treibhäusern wächst das Gemüse zur Selbstversorgung.

Im Sommer beschäftigen sich die beiden vor allem mit ihrem Garten und empfangen Gäste. Im Winter widmen sie sich ihrer Kunst. Die 55jährige Catherine schnitzt, malt, schreibt und tanzt auf einer eigens dafür gebauten runden Plattform. "Ich bin ein Wildnis-Künstler, die Wildnis inspiriert mich", erzählt der 63jährige Wayne. Er schnitzt, fertigt Holzfiguren, die sich ähnlich wie eine Wassermühle bewegen, und denkt über den Bau eines kleinen Teehauses nach. "Wenn Ebbe ist, haben wir einen Strand, und dann laufen die Bären um uns herum", erzählt Wayne. Probleme habe es aber noch nie gegeben. "Wir achten streng darauf, nichts Duftendes hier zu haben", erzählt er. Keinen Sirup, keine Bonbons, kein Cola und kein Bier. Denn auf Bier sind die Bären besonders scharf.

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