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Urlaub in Südafrika

Südafrika: Bett beim Buschmann

11.04.2012, 13:28 Uhr | Fabian von Poser / srt, srt

Urlaub in Südafrika. Die Chalets der "!Xaus-Lodge" im Kgalagadi Transfrontier Park in Südafrika laden zum Entspannen ein. (Quelle: srt (11.04.2012/Fabian v. Poser))

Die Chalets der "!Xaus-Lodge" im Kgalagadi Transfrontier Park in Südafrika laden zum Entspannen ein. (Quelle: srt (11.04.2012/Fabian v. Poser))

Wenn man dann so dasteht unter der Dusche wie Gott einen geschaffen hat, splitterfasernackt, die Zeltfenster hochgeklappt, die Tür sperrangelweit offen, damit man möglichst viel von dem sieht, was der Herrgott an Natur hierher gezaubert hat, dann könnte man schreien vor Freude. Begleiten Sie wanted.de auf eine Reise in die Wildnis Südafrikas.

Wie ein König thront man oben in seiner Hütte, um einen herum nichts als Sand, honiggelber Sand. Alles leuchtet in Gelb: die Dünen, das Gras, ja selbst die Akazien, die sich im weiten Bogen um das Camp scharen. Eben noch war man durch das Amphitheater der Sandberge geschaukelt, auf der weichen Spur fühlte sich das fast so an wie Surfen, und jetzt steht man vor der paradiesischen Kulisse der "!Xaus-Lodge" im letzten Zipfel Südafrikas und wäscht sich den Wüstensand vom Leib.

Es gibt nicht viele Flecken im südlichen Afrika, die so abgelegen sind. Schon wenn man nach 34 Kilometern Fahrt durch den tiefen Sand über die letzte Düne schwappt, sich unten gleißend weiß die herzförmige Lehmpfanne erstreckt, darüber die wie Störche auf Stelzen stehenden Bungalows, dann weiß man: Hier will man nicht mehr weg. Jetzt am Nachmittag tummeln sich unten am Wasserloch nur ein paar Oryx-Antilopen, sonst ist kein Tier weit und breit zu sehen. Doch die Einsamkeit trügt. >>

"Ihr seid in der Wildnis", hatte Abraham, der Manager der Lodge, bei der Ankunft gesagt. "Kein Schritt allein über die Dünen. Erst vor einer Woche hatten wir Löwen hier." Und so ist man als Duschender ganz froh, dass die zwölf Zweimann-Chalets auf Stelzen stehen.

Seit 24 Stunden schon ist die Welt um uns herum ein stilles Meer aus Sand. Mehr als 1,2 Millionen Quadratkilometer misst die Kalahari, die sich von Angola über Botswana bis in den Norden Südafrikas erstreckt. Mitten in dieser Unermesslichkeit hat die südafrikanische Regierung etwas Einzigartiges geschaffen: eine Lodge, die zu 100 Prozent im Besitz der hier ansässigen Bevölkerung ist. Bereits vor 1600 Jahren besiedelten die Jäger und Sammler der San-Buschleute die Kalahari. Sie verzehrten, was die Wüste hergab: Wurzeln, Blätter, Straußeneier, Antilopenfleisch.

Bis die Regierung ihnen 1931 das Land nahm, um einen Nationalpark zu schaffen. >>

Viele sahen da schon die letzte Messe der San gelesen. In einer Parodie machte die Filmtrilogie "Die Götter müssen verrückt sein" des botswanischen Regisseurs Jaymie Uys in den 1980er-Jahren auf das Schicksal der Buschleute aufmerksam. Doch alles kam anders. Nach Aufhebung der Apartheid forderten die auf dem Gebiet des heutigen Kgalagadi Transfrontier Parks beheimateten San das Siedlungsrecht zurück - und bekamen es 2002 tatsächlich zugesprochen. Mit Unterstützung der Parkverwaltung führen die Buschleute seitdem ihre eigene Lodge. "Auf diesem Land lebten unsere Väter und Großväter", sagt Henrik, der Buschmann, der heute gebügelte Kleidung in Khaki trägt, den Bart zu einem feinen Oval gestutzt. "Jetzt haben wir es zurück. Und wir sind stolz darauf." 113000 Buschleute leben heute noch verteilt über Südafrika, Botswana und Namibia, in dieser Gegend sind es etwa 6000. Ein paar Dutzend davon arbeiten heute auf "!Xaus".

Zwar bildet die Regierung die Einheimischen mittlerweile als Zimmermädchen, Kellner, Köche und Bush-Guides aus. Sie erhalten regelmäßige Löhne, Essen, Unterkunft, Kleidung und auch eine bescheidene Rentenversicherung. Schon heute gehört die Lodge den San. Mehr als 85 Prozent der Angestellten sind Einheimische. "Doch erst in fünf, sieben oder zehn Jahren werden sie ihre Lodge alleine führen können", sagt Abraham. Besonderen Wert lege man dabei auf den Erhalt der Buschmann-Kultur. "Sie sind Meister im Spurenlesen, Meister der Medizin. Diese Leute gehen nicht in die Apotheke, ihre Heilmittel beziehen sie aus der Natur. Niemand kennt die Kalahari so gut wie sie."

Als wir am Morgen nach ein paar Keksen und Tee in den offenen Geländewagen steigen, ist es noch kalt. Die Finger sind steif, die Hosen klamm. Minuten später stapfen wir mit Henrik und seinem Begleiter über die Dünen und halten an, wenn einer der beiden etwas entdeckt. Auf große Tiere trifft man in der Kalahari selten, denn von den Big five gibt es hier nur Löwe und Leopard. Aber es ist nicht so, als würde es hier nichts geben. Aus der Ferne beobachten wir einige Springböcke, sehen Oryx-Antilopen davonstieben, eine Warzenschweinfamilie. Wir finden Spuren von Käfern, Mäusen, Wildkatzen und Schakalen. Henrik liest sie wie eine Zeitung. >>

"Die meisten Gäste wollen Tiere sehen, wir Buschleute wissen auch ohne die Tiere, was hier in der Nacht passiert ist." Henrik zeigt uns den Busch, den die San als Zahnbürste benutzen, die filigranen Nester der Webervögel. Mal schnuppert er an Gras, das wie frische Minze oder Salbei riecht. Der Bitter Bush hat einen anderen Duft: Er riecht nach Löwen-Urin. Es sind Geschichten von heilenden Pflanzen, seltsamen Tieren und von großartigen Menschen, die man bei so einer Fußwanderung durch die Kalahari erfährt. Aus einer Zeit, als der Mensch noch im Einklang mit der Natur lebte. Viele Traditionen gehen verloren, aber es gibt zunehmend Tendenzen, sie zu erhalten.

Wilde Tiere auch in der Nacht beobachten

Die schönste Zeit in der Kalahari ist die Zeit des frühen Abends. Sind alle wesentlichen Dinge des Tages erledigt, hat man auf der Terrasse den Sundowner und sein hauchzartes Oryx-Steak mit Soße aus Dijon-Senf zu sich genommen, dann begibt man sich mit den Buschleuten auf Nachtsafari. Die vollen Bäuche schaukeln im Takt der Wellen im Sand. Die Nacht ist in der Kalahari die Zeit der kleinen Tiere, der bellenden Geckos, der Schakale und Hyänen. Mit seinen Röntgenaugen durchfurcht Henrik das Gras wie mit einem Rechen. "Da ist es", haucht er. Das Knattern des Motors verhallt in den Sandbergen, wir steigen aus. Noch einmal vergewissert sich Henrik. "Ja, da ist es." Dann schaltet er das Spotlight an. Im fahlen Lichtkegel bewegt sich tatsächlich etwas Fleischiges, Nacktes. Ein Schwein, denke ich im ersten Moment, ein Schwein mitten in der Kalahari. Aber Henrik korrigiert mich. "Es ist ein Erdferkel, man sieht die Tiere so gut wie nie." Dann geht der Scheinwerfer wieder aus, und man ist mit sich und den Dünen und den Sternen alleine. Wie eine Silbermünze hängt der Mond am Firmament, daneben der Große Wagen. Drumherum funkeln Millionen anderer Sterne wie Strasssteine am Himmel. Man fühlt sich in so einem Moment wie Gott einen geschaffen hat, ja beinahe demütig. Die Augen nehmen nichts wahr außer dem millionenfachen Funkeln am Himmel und den fahlen Schatten der Dünen. Und man hört nichts außer dem Rascheln des Windes im Wüstengras und dem Heulen der Schakale irgendwo in den Dünen. Wen das unberührt lässt, der ist entweder ein Narr oder nicht für die Kalahari geschaffen. Bilder der Reise durch die Wüste von Südafrika finden Sie in unserer Foto-Show.

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