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Cannes: Filmstadt an der Côte d'Azur

Cannes: Filmstadt an der Côte d'Azur

31.05.2012, 15:36 Uhr | ls (CF)

Cannes liegt im Rennen um die berühmtesten Côte d'Azur Städte weit vorne. Dank seines weltbekannten Filmfestivals ist die Stadt einmal im Jahr in aller Munde. Doch auch sonst hat sie einiges zu bieten und ist eine Reise wert.

Cannes kann zwar nicht auf eine so lange und bis in die Antike zurückreichende Stadtgeschichte zurückblicken wie andere Orte an der Côte d'Azur wie beispielsweise Nizza, dessen Name sich sogar von der lateinischen Siegesgöttin ableitet, doch ist Cannes deswegen noch lange kein Verlierer. Cannes hatte einfach keinen natürlichen Hafen, weshalb es als Ort für eine Stadtgründung für die hafenbaufaulen antiken Südländer nicht infrage kam. Doch das ist auch gar nicht schlimm, denn nüchtern betrachtet, sind von der Antike in anderen Orten meist eh nur Ruinen übrig geblieben. Und wenn ein Gebäude dann, wie beispielsweise das Kolosseum in Rom, doch wenigstens im Skelett ganz geblieben ist, fehlen die Weichteile: Eine Kinoleinwand ist nämlich auch da nicht übrig geblieben. Die gibt es aber dafür in Cannes zuhauf, womit eindeutig bewiesen wäre, wer am längeren Hebel sitzt. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Cannes wurde im Mittelalter gegründet und sein Starpotenzial im 19. Jahrhundert von einem englischen Aristokraten und Trendscout namens Henry Brougham entdeckt. Cannes wurde zwar schnell berühmt, doch blieb die Stadt an der Côte d'Azur stets im Schatten Nizzas, wo auch die europäischen Monarchen verkehrten.

Doch zwei Weltkriege und einige Revolutionen später, nach denen es keine russischen Zaren oder österreichisch-ungarischen Kaiser mehr gab, vollzog sich die kopernikanische Wende des Städte-Rankings an der Côte d'Azur: Die Filmfestspiele von Cannes wurden 1946 geboren. Et voilà! Die Stars und Sternchen waren fortan die ungekrönten Häupter des Celebrity-Adels. Der König ist tot – es lebe der König! Auch wenn die neuen Herrscher der Herzen in Sachen Tratsch, Skandal und Ausschweifung trotz größter Anstrengungen wohl nicht mit den alten konkurrieren können, geben sie zumindest auf der Leinwand eine bessere Figur ab. Und auch sonst geben sie im Mai ihr Bestes, wenn sie während der Filmfestspiele über den Palmen umsäumten Boulevard de la Croisette, der nach dem Vorbild der Promenade des Anglais in Nizza im Jahre 1850 angelegt wurde, flanieren gehen. Dort hat man nicht nur eine wunderbare Aussicht auf die Côte d'Azur und die vor der Küste gelegenen Inseln Sainte-Marguerite und Saint-Honorate, sondern auch auf wunderschöne, insgesamt 7,6 Kilometer lange Sandstrände, während man in Nizza von der Promenade des Anglais auf so kümmerliche wie scharfkantige Kieselstrände herunter blicken muss. 

Unsichtbare Sehenswürdigkeiten

Vom architektonischen Standpunkt aus wird man der Stadt nicht allzu viel abgewinnen können. Das bedeutet aber lediglich, dass es hier weder besonders spektakuläre Bauten noch altehrwürdige Kirchen gibt. Und die Winterresidenzen des europäischen Hochadels in Nizza sind natürlich viel sehenswerter. Da nehmen sich die Grand Hotels an der Croisette und die kleine russische Kirche geradezu bescheiden aus. Und der Filmpalast ist, nun ja, klobig. Doch die spannendsten Sehenswürdigkeiten funktionieren ja wie ein guter Horrorfilm: Man sieht das Grauenhafte nicht – und gerade deswegen jagt es uns Angstschauer über den Rücken. Die Fantasie muss einfach mitarbeiten und das eigentlich Sehenswürdige erst in der Vorstellung erschaffen. Und so ist von der größten Sehenswürdigkeit Cannes noch weniger als von der antiken Vergangenheit, sagen wir, Nizzas übrig geblieben. Um dieses Nichts zu besichtigen, setzen Sie nach Sainte-Marguerite über, wo übrigens auch keine Autos fahren, und natürlich gibt es da auch ein Museum für diesen Mann, von dem niemand weiß, wie er hieß und wie er aussah – weil er der Mann mit der eisernen Maske war.

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