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Miami Beach: Amerikas "Oben-ohne-Strand"

Miami Beach: Amerikas "Oben-ohne-Strand"

29.06.2012, 18:13 Uhr | wp (CF)

Nicht überall in Amerika war Janet Jacksons "Nippelgate" ein Skandal. In Miami Beach fragte man sich eher: Warum denn nur eine Brust? Ist das nicht wohl etwas prüde?! Das ist nämlich das schlimmste Schimpfwort Strand von Miami Beach.

Zugegeben: Miami Beach gehört nicht wirklich zu Amerika. Nicht nur hat es in moralischer Hinsicht absolut nichts mit dem Heartland des Bible Belt zu tun, auch ist es in geografischer Hinsicht nur über vier Brücken mit dem amerikanischen Kontinent verbunden. Doch gewisse Einflüsse sind natürlich spürbar: So hat die National Rifle Association hier viele registrierte oder auch inoffizielle Anhänger und einer von ihnen erschoss hier sogar 1997 Gianni Versace. Wobei man der politischen Korrektheit wegen hinzufügen muss, dass der Mörder Versaces homosexueller Call Boy war und sich die NRA natürlich von jedwedem sexuellen Extremismus distanziert. God bless America! Aber Spaß beiseite: Miami Beach ist wirklich sehr schön. Der Strand ist einer der schönsten Amerikas und das türkisblaue Wasser lädt zum Baden ein. Die Temperaturen sind ganzjährig angenehm, auch wenn es im Sommer bis zu 40 Prozent Regentage geben kann. Da sehr viele Besucher aus Europa kommen (Deutsch ist die dritthäufigste Sprache in Miami Beach), ist die Strandkultur relaxt: Oben-ohne ist absolut gängig und es finden auch viele Fotoshootings mit halb nackten Models statt. Auch Alkohol kann offen am Strand konsumiert werden, ohne dass er umgefüllt oder versteckt werden müsste.

Miami Beach ist im Grunde eine überschaubare Insel sechs Kilometer vor Miami. Hier leben auf engem Raum knapp 90.000 Menschen, während im Großraum Miami satte 5,5 Millionen Einwohner leben. Zum Stadtteil Miami Beach zählen auch diverse Promi-Inseln wie Fisher Island oder Palm Island, wo Stars wie Anna Kurnikowa, Ricky Martin oder Barbara Becker ein Anwesen haben. Versace dagegen residierte am Ocean Drive, der beliebtesten Flanier- und Amüsiermeile der Stadt. Sehen und Gesehen werden ist hier das Motto. Allerdings kann es dabei auch mal prolliger zugehen: So fahren hier viele Cabrios oder Stretchlimousinen den ganzen Tag auf und ab und wechseln dabei nicht mehr mal ihre laute Luder-Musik. Falls Sie ebenfalls ein paar Miami-Models kennenlernen und schon immer mal einen HipHop-Videoclip drehen wollten, kommen Sie um eine Stretchlimousine aber auch einfach nicht herum. Dann sollten Sie aber wissen, dass selbst die Parkplätze für einfache Wagenlängen schon mit bis zu 20 Dollar pro Tag zu Buche schlagen und in Miami außerordentlich viel abgeschleppt wird. Des Nachts auch gerne in den Discotheken an der Washington oder Collins Avenue, Parallelstraßen zum Ocean Drive. Wer dagegen sein Bier im familiären Kreis beim Sonnenuntergang im Park trinken will, ist im Lummus Park richtig.

Les Arts décoratifs du Miami Beach

Doch Miami Beach ist nicht nur für seinen fast 30 Kilometer langen Strand berühmt. Es glänzt auch mit einem der wenigen Art-déco-Viertel der Welt. Nach Napier in Neuseeland und noch vor Reims in Frankreich findet sich hier das größte zusammenhängende Gebiet im Art-déco-Stil. Dieser zeichnet sich durch organische Ornamente und bunte Farbenpracht aus und ist frei nach dem Motto "Nichts ist so notwendig wie das Überflüssige" der lebensbejahende Gegenpol zum kalten Funktionalismus der architektonischen Moderne. Insgesamt 960 dieser Bauten, von denen manche heute Hotels beherbergen und die in den Dreißiger- und Vierzigerjahren gebaut wurden, stehen noch heute am Südende von Miami Beach. Nachdem das Viertel Ende der Siebziger, als Miami Beachs Niedergang seinen Höhepunkt erreicht hatte, abgerissen werden sollte, hat man sich später drauf besonnen und auch die Bademeisterhäuschen am Strand im Art-déco-Stil gebaut. Das große Kreuzfahrtterminal am Strand ist aber modern. Und es ist eine weitere beliebte Attraktion, am Strand dem Auslaufen der Schiffe zuzuschauen – wenn grade keine Oben-ohne-Schönheit alle Blicke auf sich zieht.

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