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Kulinarisch reisen: Schlemmen wie Gott in Belgien

Kulinarisch reisen: Schlemmen wie Gott in Belgien

04.03.2013, 13:57 Uhr | Carin Müller , srt

Kulinarisch reisen: Schlemmen wie Gott in Belgien . Edel-Pommes werden meist in Belgien serviert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Edel-Pommes werden meist in Belgien serviert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Belgien und gute Küche bringt man nicht sofort in Einklang. Doch das Land hat kulinarisch einiges zu bieten. Manche behaupten sogar, dass in Belgien - wo Pommes in Edel-Restaurants serviert werden - eine bessere Alltagsküche gepflegt wird als im Gourmetland Frankreich. Seit ich vor zwei Jahren quasi versehentlich in dem kleinen Nordseeland Urlaub machte, bin ich überzeugt, dass der liebe Gott zum Schlemmen nach Flandern fährt.

Die Liebe zu Belgien ging bei mir tatsächlich durch den Magen - auch wenn die Strände großartig und die Städte außerordentlich hübsch sind. Doch das ist eine andere Geschichte. Bei inzwischen mehreren Aufenthalten, in denen der Gaumen Überstunden gemacht hat, habe ich mir einen Überblick über die Klassiker und die weniger bekannten Spezialitäten, nun ja, erfressen. Und wenn sich die Tipps in dieser Geschichte schwerpunktmäßig um De Haan gruppieren, liegt das daran, das dieser Küstenort nicht nur zentral liegt, sondern mit seinen stilvollen Art-Déco- und Jugendstilvillen auch noch der mit Abstand schönste ist.

Die kulinarische heilige Dreifaltigkeit aus Pommes Frites, Bier und Schokolade kann man aber selbstredend im ganzen Land bedenkenlos genießen. Ja, es ist praktisch unmöglich, ihr überhaupt zu entkommen. >>

Fritten sind in Belgien nicht einfach Fastfood oder eine Kinderbeilage, der Kult um die goldgelb frittierten Kartoffelstäbchen wird von der Pommesbude bis zum Sternerestaurant gepflegt.

Und in dem einen wie dem anderen ist es selbstverständlich, dass die - meist handgeschnittenen - Kartoffelstückchen immer erst dann ins heiße Öl getaucht werden, wenn der Gast erwartungsvoll an der Theke steht oder seine Damastserviette auf den Knien hat. Warmgehaltenes kommt niemals auf den Teller. Das ist eine Frage der Ehre und vor allem eine des Geschmacks. Die Pommes sind in Belgien meist dicker als hierzulande und daher innen schön saftig, während sie außen zartknusprig daherkommen. Gesalzen werden sie in der Regel eher dezent, dafür gibt es eine fast unüberschaubare Anzahl an Saucen. Unter zehn verschiedenen Dips tut es auch die kleinste Bude nicht. Mein persönlicher Favorit: Pommes aus der Frituur Louis an der Strandpromenade von De Haan mit Sauce Andalouse, einer Art scharfer Cocktailsauce. >>

Ähnlich wie für seine Fritten, begeistert sich der Belgier für Bier. Und vergleichbar mit den Saucen ist er bei der Braukunst experimentierfreudig. Das deutsche Reinheitsgebot interessiert hier niemanden, was für den Ungeübten schmerzhafte Folgen haben kann. Kräuter, Gewürze und Aromastoffe aller Art finden bei den unzähligen Brauereierzeugnissen den Weg in die Flaschen. Auch beim Alkoholgehalt ist man großzügig. Acht Volumenprozent sind vor allem bei Klosterbieren keine Seltenheit. Ein echter Gaumenschmeichler ist dagegen das "Grimbergen blond". Mit 6,7 Prozent zwar auch schon durchaus hochtourig, aber als Aperitif oder Begleiter zu den Fritten köstlich.

Heiße Spitze oder Kunst aus Schokolade

In Brügge dominieren vor allem zwei Arten von Geschäften das Stadtbild: Spitze und Schokolade. Beides ist Geschmackssache, wobei meine Präferenzen eindeutig bei der Schokolade liegen. Neben den großen und bekannten Ketten gibt es auch zahlreiche kleine Chocolatièrs, die köstliche Kunstwerke in ihren Läden ausstellen und verkaufen. Optisch sind sie nicht immer geschmackssicher (es gibt praktisch alle Körperteile aus Kakaomasse zu erwerben), aber das ist vergessen, sobald sie auf der Zunge zergehen. Ein beliebtes Mitbringsel, das alle im Sortiment haben, sind "Zeevruchten", mit Nougat gefüllte Schokomuscheln und -seepferdchen. Mein Lieblings-Chocolatièr heißt Stephan Dumon und hat ein sehr nettes Geschäft in einem historischen Gemäuer am Eiermarkt in Brügge. Bei einer Tasse Kaffee oder heißer Schokolade kann man sich durchs Pralinensortiment knabbern und alle nur erdenklichen Varianten an Tafelschokoladen kaufen. Es soll Menschen geben, die mit Pommes, Bier und Schoki auch prima zwei Wochen über die Runden kommen, doch wäre es sehr schade, sich darauf zu beschränken. Hat ein Restaurant "Waterzooi" auf der Karte, sollte man unbedingt zuschlagen. Dabei handelt es sich um eine Art Eintopf (Waterzooi bedeutet Wassersud) aus Wurzelgemüse, Zwiebel, Lauch und diversen Kräutern. Es gibt ihn mit Fisch, Huhn oder Kalbshaxe. Das flämische Nationalgericht wurde traditionell mit Paniermehl abgebunden, heute aber meist mit Rahm oder Crème fraiche. Dazu werden geröstete Weißbrotscheiben oder Pommes serviert.

Die Fischvariante ist sensationell im Restaurant "The Lord" in De Haan. Die servieren übrigens auch eine großartige Bouillabaisse, die so üppig ist, dass eine Portion locker für zwei reicht.
Fischliebhaber kommen an der gesamten Küste voll auf ihre Kosten. Vor allem eher einfache Gerichte wie Fischsuppe, gegrillte Fischfilets oder Muscheln kann man praktisch überall frisch und köstlich genießen. Besonders urig, lecker und unprätentiös geht das aber beispielsweise im Restaurant "Stad Kortrijk" in Oostende.
Weil praktisch unmittelbar hinter der Küste die saftigen Weideflächen für Rindviecher und andere Hufträger beginnen, stehen auch Fleischgerichte ganz groß auf den Speisekarten. Mit die besten Steaks meines Lebens habe ich im "Bleu Chaud" in De Haan gegessen. Fisch und Fleisch werden auf dem großen Grill im Barbereich auf den Punkt gegrillt. Gäste sollten unbedingt die hausgemachte Sauce Béarnaise dazu probieren.

Wenn es noch etwas edler sein darf, dann empfehle ich einen Besuch in meinem Lieblingsrestaurant "De Kruidenmolen". Das kleine Bistro in Klemskerke ist über und über mit Pfeffer- und Kräutermühlen dekoriert, doch was auf die Teller kommt, hat mit putziger Gutbürgerlichkeit nicht viel zu tun: fantasievolle Kombinationen aus perfekt gegarten Köstlichkeiten von Fisch, Fleisch und Acker. Wer mutig ist und sich nach den kleinen Schnecken, die als Amuse-Bouche auf den Tischen stehen, auch an weniger traditionelle Gerichte wagt, wird mit einem echten Geschmacksfeuerwerk belohnt. Aber selbstverständlich gibt es auch hier die grundsolide Steak-Pommes- oder Fisch-Pommes-Kombination, mit der auch weniger experimentierfreudige Genießer nichts falsch machen können.

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