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Alaska: Elche, Wale, wilde Kerle

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Alaska: Elche, Wale, wilde Kerle

17.04.2013, 14:55 Uhr | Brigitte von Imhof , srt

Alaska: Elche, Wale, wilde Kerle  . Dicke Fische: In Alaska kommen Angler auf ihre Kosten. (Quelle: srt (22.04.2013/B. v. Imhof))

Dicke Fische: In Alaska kommen Angler auf ihre Kosten. (Quelle: srt (22.04.2013/B. v. Imhof))

Das ist schon mehr eine Wal-Show als eine übliche Wal-Beobachtung. Gerade haben sich zwei riesige Buckelwale 100 Meter von unserem Schiff entfernt fast gleichzeitig aus dem Wasser geschraubt und sind mit einem mächtigen Platscher wieder eingetaucht. Schiffskapitän Tim fotografiert in einem fort. "Leute, ich mach' diesen Job schon eine Ewigkeit", versichert er, "aber so etwas bekomme ich auch nicht jeden Tag zu sehen".

Wir Reisende sind natürlich erst recht aus dem Häuschen. Einige haben die Kamera weggepackt - weil sie vor lauter Prüfen ihrer meist unscharfen Bilder auf dem Display den nächsten auftauchenden Wal übersehen. Nicht so eine Gruppe von Chinesen. Wie eine Horde Paparazzi drängen sie sich auf dem Aussichtsdeck, die XXL-Teleobjektive auf die Wasseroberfläche gezoomt.
Vor drei Stunden haben wir an Bord der "Orca Voyager" von Seward abgelegt, einem malerischen Hafenstädtchen auf der Kenai-Halbinsel am nördlichen Ende der Resurrection Bay. Wir tuckern vorbei an Fischerbooten, Segelschiffen und einem Kreuzfahrtschiff der Holland America Lines, das in der malerischen, von weißen Berggipfeln eingerahmten Bucht fast überdimensioniert wirkt. Auf einem Förderband wird Kohle von den Waggons der Alaska Railroad auf ein Frachtschiff geladen. Doch bald hat unser Ausflugsschiff den "Stadtverkehr" hinter sich gelassen und gleitet durch das glasklare Wasser. >>

Wir bleiben nicht lange allein. Neben uns treiben Seeotter lässig auf dem Rücken liegend auf dem Wasser und scheinen in ihrer Rolle als Fotomodelle Übung zu haben. Auf einem riesigen Felsen pelzen sich Dutzende Seelöwen in der Sonne. Die Meeressäuger, die uns von Weitem an riesige Brotlaibe erinnern, betrachten uns mit schläfrigem Desinteresse.

Den Passagieren ist längst klar, dass die als "Wildlife Cruise" gebuchte Exkursion mit Kenai Fjord Tours nicht zu viel versprochen hat. Zumal sich bald der erste Buckelwal mit seinem mächtigen Leib auf der Meeresoberfläche zeigt - der Beginn eines Wal-Spektakels, an dem bestimmt sechs, acht Tiere mitwirken.

Fischreiche Gewässer

Die Buckelwale treffen im April nach langer Reise aus Hawaii in den fischreichen Gewässern Alaskas ein, um sich richtig satt zu essen. Das ist ihre Hauptbeschäftigung hier oben im Norden, während sie in den Tropen ihre Jungen gebären und großziehen.

Wir treffen gleichzeitig mit einem Charterboot im Hafen von Seward ein. Glückliche Angler schleppen ihre Kühlboxen zum Shuttlebus, prall gefüllt mit frisch gefangenem Heilbutt und Lachs. Die Gruppe beschließt, die erste Kostprobe gleich in einem Restaurant in Seward zu nehmen, wo gegen Entgelt der mitgebrachte Fang zubereitet und mit leckeren Beilagen serviert wird. "Frischer geht's nicht", schwärmt einer der Petrijünger und macht uns richtig neidisch.

Der Bus bringt uns zurück zu unserem Hotel in Anchorage, Alaskas größter Stadt. Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt passieren wir idyllische Flüsse und Seen, in denen sich die Spätnachmittagssonne golden spiegelt. Untergehen wird sie in diesen frühen Junitagen noch lange nicht. Hier im South Central Alaskas kommt es nach Mitternacht zu einer mehrstündigen Dämmerung, bevor die Sonne wieder in den klaren Himmel steigt. Plötzlich steigt der Busfahrer auf die Bremse. Eine Elchkuh überquert mit ihrem Jungen den Seward Highway und lässt sich dabei jede Zeit der Welt, bevor die beiden wieder im dichten Blätterbuschwerk abtauchen.

Unterwegs lohnt sich ein Stopp im Alaska Wildlife Conservation Center. Hier finden verwaiste und verwundete Wildtiere ein vorübergehendes oder permanentes Zuhause. Es bietet auch eine gute Gelegenheit, Bären aus nächster Nähe zu betrachten. Sie sind die begehrten Lieblinge bei den Alaska-Besuchern, doch die Braun- und Schwarzbären "tauchen immer nur dann auf, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet", weiß unser Guide Jack.

Die 300.000 Einwohner-Stadt Anchorage, zauberhaft zwischen Meer und den weiß überzuckerten Chugach-Mountains in eine Bucht gebettet, rüstet sich allmählich für die große 100-jährige Stadtfeier, die im Jahr 2015 steigt. Einst errichtet als Zeltcamp für die Arbeiter am Bau der Alaska Railroad, präsentiert sich Anchorage heute als weltoffene, fröhliche Metropole mit vielen Parks, einer sympathischen Downtown, witzigen Shops und Bars, Kunstgalerien sowie Museen von Weltruf, etwa das Anchorage Museum, das sich der Geschichte Alaskas und seiner Ureinwohner widmet. Kurioserweise leben im Stadtgebiet rund 1500 Elche, die man in Parks und Vorgärten jederzeit beim Blätterfressen antreffen kann. >>

Eine weitere Kuriosität ist der Lake Hood, der größte Wasserflughafen der Welt. Bis zu 800 Wasserflugzeuge starten und landen pro Tag auf diesem See gleich neben dem Internationalen Flughafen. In dem dünn besiedelten Land, das fünfmal so groß ist wie Deutschland, das rund drei Millionen Seen hat und in dem sich die Überlandstraßen an einer Hand abzählen lassen können, ist das Flugzeug unverzichtbar. Viele Angler, Rucksacktouristen und andere Besucher lassen sich von hier aus in die Einsamkeit fliegen. Touristen brechen zur Bärenbeobachtung nach Kodiak Island oder zum Katmai Nationalpark auf - oder zu einer Flugexkursion zum Mount McKinley, dem mit 6194 Metern höchsten Gipfel Nordamerika.

Wertvolle Pionierarbeit

Wer sich für die Geschichte der Fliegerei und der Buschpiloten in Alaska interessiert, der kann gleich neben dem See das Aviation Museum besuchen, das dieses Jahr im Zeichen des 100. Geburtstags des kommerziellen Flugverkehrs in Alaska steht. Die wilden Kerle in ihren fliegenden Kisten haben unter hohem Risiko wertvolle Pionierarbeit geleistet - und waren Vorbild für die vielen Buschpiloten von heute, die in Alaska ihren Traum von der großen Freiheit verwirklichen können.

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