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Glasgow: Typisch schottisch ist auch das Wetter

Glasgow: Typisch schottisch ist auch das Wetter

07.05.2013, 08:26 Uhr | Franz Michael Rohm, srt

Glasgow: Typisch schottisch ist auch das Wetter. Zum touristischen Pflichtprogramm jeder Schottlandreise zählt der Besuch einer Whisky-Destillerie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zum touristischen Pflichtprogramm jeder Schottlandreise zählt der Besuch einer Whisky-Destillerie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Himmel über Glasgow empfängt uns mit tiefhängenden Wolken in variantenreichen Grautönen, und Regenschauern. "Typisch schottisches Wetter", sagt Fremdenführer Kenneth Hanley. Der drahtige 68-Jährige mit markant breiten Koteletten ist Schotte durch und durch. Selbstbewusst trägt er die klassische Tracht aus Kilt, Ledertasche Sporran und Strumpfmesser Skean Dhu.

Foto-Serie mit 10 Bildern

Kenneth Hanley erklärt, der Name der Millionenstadt werde in der Nationalsprache Gälisch "Glahsgu" ausgesprochen. Übersetzt bedeutet Glasgow "schöner, grüner Ort". Klar, dass es viel regnen muss, damit die Stadt mit ihren zahlreichen Parks in sattem Grün leuchtet. Also findet das Sightseeing per Auto statt. Überraschend hügelige Straßen führen auf und ab. "Das sind Schottlands Straßen von San Francisco", witzelt Kenneth.

Durch regennasse Fenster sehen wir auf dem ehemaligen Dock-Gelände am Clyde-Fluss das an eine Miniaturausgabe der Sidney-Oper erinnernde Messezentrum. Einen Kilometer weiter steht am Fluss das Riverside-Verkehrsmuseum mit gezackter Fassade. Star-Architektin Zaha Hadid hat es entworfen.

Für einen Parkbesuch regnet es zu sehr, also geht es in die Burrell Collection, in deren lichtem Bau die umfangreiche Sammlung von >>

hochkarätigen Gemälden, Rodin-Skulpturen und ägyptischen, griechischen, römischen und schottischen Artefakten zu sehen sind. Museumsbesuche sind in Glasgow generell kostenlos. "Das freut uns Schotten", sagt Kenneth in Anspielung auf die bekannte Sparsamkeit seiner Landsleute.

Abends wird es bewegend. Im wunderschön restaurierten großen Ballsaal des Sloans, dem ältesten Pub-Lokal der Stadt, drehen sich jeden Freitag Einheimische und Touristen unter Anleitung der Musiker, beim Gesellschaftstanz Ceilidh, Kihli gesprochen, schweißtreibend im Kreis.

Single Malt mit Toffeenoten

Zum touristischen Pflichtprogramm jeder Schottlandreise zählt der Besuch einer Whisky-Destillerie. Glengoyne, 15 Kilometer von Glasgow entfernt, gilt als eine der besten unter den knapp hundert Brennereien Schottlands. In den drei kupfernen Brennblasen wird ein Whisky destilliert, der in Oloroso-Sherry- und Bourbon-Fässern zu aromatischem Single Malt

mit holzigen Vanille- und Toffee-Noten reift. "Nichts für Leute, die den klassischen Torf-Geschmack schätzen", erklärt Kenneth.

Auch am dreißig Autominuten entfernten Loch Lomond wird Whisky gebrannt, in einer der größten Destillerien des Landes, der "Loch Lomond Whisky Destillery". Der kilometerlange See, umrahmt von mehr als tausend Meter hohen Bergriesen, ist der Haussee von Glasgow. Eine halbe Auto- oder Zugstunde vom Häusermeer Glasgows entfernt, türmen sich die gigantischen Highlands empor. Nach jedem Regen stürzt das Wasser mit weißer Gischt hunderte Meter von den Wiesenhängen zu Tal und sammelt sich im See. Die Luft ist rein, klar und würzig. Doch in den letzten Jahren hat sich Loch Lomond zum Wassersport-Ressort entwickelt, mit allem, was dazugehört, also neben Kajaks und Paddelbooten auch laut jaulenden Jetskis.

Isle of Mull ist berühmt für guten Whisky

Der 39 Kilometer lange Loch Lomond ist der größte See Schottlands und Teil der Strecke des West-Highland-Wanderweges, der von Glasgow Richtung Norden führt. Ausflugsboote wie die Lomond Princess bringen Ausflügler, Wanderer und Radler auf die andere Seite des Sees in das kleine Örtchen Luss. Besucher spazieren zwischen gepflegten Häuschen, verziert mit leuchtenden Blumenkästen. Neben zwei, drei Cafés und einem Pub ist die im Stil der Neugotik gebaute Kirche ein Anlaufpunkt in Luss. Von Luss geht es weiter Richtung Nordwesten, zur Hafenstadt Oban. Dort startet die Autofähre zur einstündigen Überfahrt auf die Isle of Mull. Die zu den Inneren Hebriden gehörende, riesige Insel ist fast menschenleer. Mehr als 10.000 Einwohner lebten einst auf dem Eiland. Nach den Clearences genannten ethnischen Vertreibungen durch englische Großgrundbesitzer im 18. und 19. Jahrhundert ging die Zahl drastisch zurück. Heute sind es noch rund 2700, die hier leben, drei pro Quadratkilometer. "Mull ist berühmt für guten Whisky, exzellenten Fisch und herrliche Natur", schwärmt Kenneth auf der Fahrt in die Inselhauptstadt Tobermory im Nordwesten. Bisweilen wird die Fahrt auf dem einspurigen Sträßchen von Schafen oder Rindern aufgehalten. "Nicht hupen, sondern ganz langsam durchfahren", sei der Trick, erklärt unser Guide.

Seeadler und Heilige

Malerisch liegt Tobermory am Meer. Bei gutem Wetter leuchten die kleinen Häuser an der Hafenstraße bunt im Vormittagslicht. Zum Fisch- und Meeresfrüchte-Essen gehen Einwohner und Touristen ins gut besuchte "Café Fish", den Absacker trinkt man in einem der vier Pubs der 900-Einwohner-Stadt. Am nächsten Morgen gibt sich Kenneth geheimnisvoll. "Seeadler", sagt er, "die größten von Schottland". Eigentlich sollte es per Boot auf Tour gehen, aber das Wetter spielt erneut nicht mit. Also disponiert Kenneth rasch um. Die Fahrt führt durch einsame Wiesenlandschaften, hinter denen sich hunderte Meter hoch Basaltfelsen aufschwingen, deren Kämme in Nebel und Wolken verschwinden. "Finis terra" murmelt Kenneth. Nach einer Stunde biegt Kenneth ab und hält auf einen Kiefernwald zu. Dort treffen wir John Clare. Der Parkranger betreut die Aufzucht der seltenen Weißschwanzfeder-Seeadler. Er führt uns in eine Schonung, in der zwei Präzisionsfernrohre auf ein Adlernest in mehr als 150 Meter Entfernung gerichtet sind. Auf den Eiern sitzt ein Weibchen. Immer wieder dreht es den Kopf mit dem mächtigen Schnabel, und sucht den Horizont nach dem Männchen ab, das auf Futtersuche ist.

"Die Seeadler waren Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet", erklärt John Clare. 1985 wurden die ersten wieder angesiedelt. "Heute nisten wieder 16 Paare, es gibt fast sechzig Seeadler auf Mull." Bei gutem Wetter führt John Touristen an die Südspitze, gegenüber der kleinen Insel Iona, auf der 563 der Heilige Columban die Missionierung Schottlands begann. Im Sommer kann man dort in einem restaurierten Benediktinerkloster übernachten. Mit etwas Glück sieht man im Atlantik Walhaie, Tümmler und Delphine. Auf dem Rückweg regnet es erneut. "Sie haben wirklich Glück", sagt Kenneth Hanley, "so viel typisch schottisches Wetter hat man selten auf einem Trip."

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