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Nachtsafari in Namibia: Die Stunde der Löwen

Nachtsafari in Namibia: Die Stunde der Löwen

16.10.2013, 11:21 Uhr | Fabian v. Poser , srt

Nachtsafari in Namibia: Die Stunde der Löwen . Nachtsafari. (Quelle: srt/16.10.2013/Fabian v. Poser )

Nachtsafari. (Quelle: 16.10.2013/Fabian v. Poser /srt)

Man kann dieses Geräusch von jedem anderen unterscheiden. Es geht durch Mark und Bein. Der Boden vibriert, der Atem rast. Das Herz pumpt in der Brust. Um uns herum ist es stockfinster. Wir stehen im offenen Jeep irgendwo im Nirgendwo des Etosha-Nationalparks. Das ehemalige deutsche Polizeilager Okaukuejo ist nicht weit. In den Fond des Wagens weht ein kühler Wind. Wir sind in Decken gehüllt, denn im Südwinter kann es kalt werden im Norden Namibias.

Und bei dem Geräusch, das soeben wie ein Messer die Nacht durchschneidet, gefriert einem zudem das Blut in den Adern. Es gibt kein Geräusch, das Löwengebrüll gleicht. Anfangs ertönt es dumpf in der Ferne, dann kommt es immer näher. Und jetzt schallt es nur wenige Meter von uns entfernt aus dem hohen Gras. "Es sind zehn und sie sind auf der Jagd", haucht Victor vom Fahrersitz nach hinten, so als wolle er die Ruhe der Nacht nicht stören. "Sechs große und vier kleine." Dann funkeln mehrere Augenpaare in der Nacht. Der Ranger schaltet den Scheinwerfer an. Und in der Tat, da sind sie: zehn Löwen, kaum 20 Meter von uns entfernt. Noch einmal blicken sie in alle Richtungen, riechen, wittern, prüfen. Als kein Beutetier in Sicht ist, beginnen sie zu spielen. Sie werfen sich aufeinander, balgen und raufen.
Seit jeher verzaubert der Etosha-Nationalpark seine Besucher. Mit 22275 Quadratkilometern ist er nicht nur eines der größten Wildschutzgebiete Afrikas, sondern auch eines der artenreichsten. >>

Eine Safari bei Tag ist hier ein großartiges Erlebnis. Bei Nacht und im offenen Geländewagen wird sie zum Nervenkitzel. Wenn es hell ist, sind Springböcke, Strauße, Zebras, Giraffen und Elefanten die Stars auf der Bühne. Nachts verändert sich die Tierwelt vollkommen. Dann bricht die Zeit der Löwen, Leoparden und Hyänen an. Und die der Erdwölfe, Käuzchen, Eulen und so skurriler Geschöpfe wie dem Erdferkel, das sich, beinahe nackt und nur von wenigen borstigen Haaren bedeckt, ausschließlich bei Dunkelheit aus seinem Erdloch traut, um Jagd auf Termiten zu machen.

Es war kurz nach dem Abendessen, als wir unser Bier, die komfortablen Lehnstühle der Terrasse und den blau beleuchteten Pool des Rastlagers Okaukuejo verlassen hatten. Die Savannenlandschaft war in das fahle Licht des Sichelmondes getaucht, als der Wagen aus der Umzäunung des Camps holperte. Wir folgten dem Weg nach Osten durch eine sanft gewellte Graslandschaft. Mit den Augen durchfurchten wir die Nacht wie mit einer Harke. Im Kegel der Autoscheinwerfer hatten wir einige Springböcke und Zebras gesehen. >>

Am Wasserloch von Gemsbokvlakte beobachteten wir einige Elefanten. Ganz unbescheiden beanspruchten sie das ganze Loch für sich. Prustend und schnaubend kamen die Riesen anstolziert, als liege ihnen die Welt zu Füßen. Kein anderes Tier ließ sich während ihrer Anwesenheit am Wasser blicken.

Fast eine Stunde waren wir so durch die Savanne geholpert, hatten hier und dort Halt gemacht, um Tiere zu beobachten, bis wir zu den Löwen kamen. Und jetzt schleicht eine formidable Löwendame nur wenige Meter vor uns durch das Gras und taxiert einige Springböcke, die in der Ferne grasen. Wie eine Feldherrin überblickt sie die Ebene auf der Suche nach Beute, doch ihre Zeit ist noch nicht gekommen. Noch steht der Mond wie eine Sichel am Himmel. Erst, wenn sich Wolken davor schieben oder er hinter dem Horizont versinkt, beginnt das grausame Spiel der Natur: Antilope frisst Gras, Raubtier frisst Antilope.

Den Busch mit anderen Sinnen erleben

Während die Raubkatzen herumtollen, holt Victor die Getränkekiste heraus. Im Handumdrehen wird der Beifahrersitz zur Bar. Für ein Bier ist es jetzt zu kühl. Aber der Rotwein wärmt wunderbar bei dieser Eiseskälte. Die meiste Zeit bleibt das Licht ausgeschaltet, und wir genießen die Geräusche der Nacht, ohne etwas zu sehen. Victor will nicht, dass unsere Augen etwas wahrnehmen. Wir sollen den Busch mit unseren anderen Sinnen erleben. Sobald der Ranger das Licht aber anschaltet, blicken wir in Löwenaugen. Es hat etwas Erhebendes, diese Tiere aus nächster Nähe zu beobachten: Wie sie miteinander spielen, aber immer wieder die Ohren spitzen, ob nicht doch Beute in der Nähe ist. Der Kleinste kaut an Mutters Ohr - er ist vielleicht ein Jahr alt und sieht aus wie ein zu groß geratenes Stofftier. Mehr als eine Stunde lang bleiben wir in unmittelbarer Nähe der Löwen. Dann ist der Mond hinter dem Horizont verschwunden. Für die Löwen bedeutet das: Zeit zur Jagd. Für uns heißt es: Aufbruch. Immer wieder hält Victor auf dem Rückweg an und prüft die Spuren im Sand. Wieder hören wir irgendwo Löwengebrüll, doch wir können die Tiere nicht sehen. Am Ende der Safari kommen wir auf zehn Löwen, ein Dutzend Elefanten, vier Nashörner, zahlreiche Zebras und Springböcke, ein Erdferkel und eine Hyäne. "Die Quote ist nicht immer so gut", sagt Victor, als er den Wagen durch eine der letzten Kurven schaukelt.

"Aber man sieht nachts eben ganz andere Tiere als tagsüber. Da kann auch mal ein Leopard dabei sein." Noch einmal holpert der Wagen durch einen trockenen Wasserlauf. Noch einmal knirschen die Reifen über den Schotter, die klapprigen Türen scheppern in der Nacht. Dann, es ist kurz vor Mitternacht, tauchen am Horizont die hellen Lichter von Okaukuejo auf.

Weitere Informationen:

Anreise Mit Air Namibia (www.airnamibia.com) in 9,5 Stunden von Frankfurt nach Windhoek. South African Airways (www.flysaa.com) fliegt die namibische Hauptstadt über Johannesburg an, Flugdauer mit Umsteigezeit etwa 14 Stunden. Hin- und Rückflugtickets kosten ab 700 Euro. Einreise Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen kein Visum. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein. Beste Reisezeit Namibia ist ein Ganzjahresziel. Die beste Reisezeit für Tierbeobachtungen ist die Trockenzeit zwischen April und Oktober, denn dann steht das Gras niedrig und die Tiere versammeln sich an den Wasserstellen. Nachtsafaris

Nachtsafaris werden in allen Camps in Etosha angeboten und kosten umgerechnet etwa 60 Euro pro Person. Die Ausfahrten dauern drei Stunden. Die Getränke sind im Preis inbegriffen. Buchung am besten vorab bei Namibia Wildlife Resorts, Tel. 00264/61/2857200, www.nwr.com.na Weitere Auskünfte: Namibia Tourism Board, Schillerstr. 42-44, 60313 Frankfurt, Tel. 069/1337360, www.namibia-tourism.com.

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