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Sizilien: Wandern am Ätna

Wandern am Ätna: Im Reich des feurigen Riesen

08.05.2014, 16:38 Uhr | Sybille Boolakee, srt

Sizilien: Wandern am Ätna. Der Ätna ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Ätna ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Ostküste Siziliens dominiert der höchste und aktivste Vulkan Europas. Während einer Vulkanwanderung auf entlegenen Pfaden kommt man dem unberechenbaren Ätna nahe.

Foto-Serie mit 8 Bildern

"Furchtbar und fruchtbar, wie die sizilianischen Frauen", so beschreibt Reiseführerin Lara Mansfeld, die seit 25 Jahren hier lebt, das Wahrzeichen Siziliens. Obwohl Vulkanologen mit empfindlichen Seismometern jedes Grummeln und Räuspern des Berges messen, bleibt der Ätna unberechenbar.

Rauchender Riese

Im östlichen Teil der Insel ist der Vulkan allgegenwärtig. Bereits beim Landeanflug nach Catania können die Passagiere einen Blick auf den rauchenden Riesen werfen. In Catania selbst führt die Hauptflaniermeile der Stadt, die Via Etnea, schnurstracks zum Vulkan, und im Griechischen Theater von Taormina bildet er eine atemberaubende Kulisse. Der Ätna gilt mit seinen rund 600.000 Jahren noch als junger Vulkan. Südlich von Sizilien verläuft die Plattengrenze zwischen Afrika und Europa. Dort taucht aufgrund der Kontinentaldrifts die nordafrikanische Platte unter die eurasische und verursacht neben den Vulkanausbrüchen auch die heftigen Erdbeben in dieser Region.

Der höchste Gipfel ragt derzeit etwa 3323 Meter empor, doch auch das kann sich jederzeit ändern. Aber jedes Beben und jeder Ausbruch ist auch nützlich für den Tourismus. "Je desaströser ein Ausbruch ist, umso mehr Besucher kommen", sagt Mansfeld.

Während auf der Südseite des Berges eine Seilbahn und Geländebusse täglich Tausende Besucher zu den Kratergipfeln transportieren, ruht die touristisch deutlich weniger erschlossene Nordseite noch in einem Dornröschenschlaf. Dort stapfen wir mit Lara Mansfeld und ihrem Mann Franco Emmi, einem erfahrenen Bergführer, auf fast 2000 Meter Höhe durch die bizarre, schwarze Vulkanwüste. Die erstarrten Lavasteine knirschen unter unseren Sohlen.

Schneebedeckter Gipfel Unweit von Taormina sind wir inmitten eines duftenden Orangen- und Zitronengartens in dünnen T-Shirts

aufgebrochen. Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat, umhüllen jetzt, am Morgen, dichte Nebelschwaden die schneebedeckten Ätnagipfel, und es ist beißend kalt.

Jacken, Handschuhe und Mützen werden eilig angezogen. "Während einer Ätnawanderung durchqueren wir alle Breitengrade Europas, von Sizilien bis Spitzbergen", erklärt Mansfeld. Gespenstisch ragen weiße Birkenstämme aus den pechschwarzen Lavasteinen. Nur am Ätna wachsen drei bis vier Bäume aus einer einzigen Birkenwurzel. Zum Beweis, dass der Berg auch an scheinbar harmlosen Flanken jederzeit aufbrechen kann, führt uns Emmi zu einem neun Meter tiefen erloschenen Lavaschlund.

Der Berg ändert ständig sein Aussehen, nur vereinzelt sehen wir Wegweiser oder Markierungen. Wo vor ein paar Jahren noch ein dichter Wald war, starrt man jetzt auf die Gerippe abgestorbener Bäume. An anderen Stellen schieben zarte Ginsterbüsche und Kiefern bereits wieder grüne Zweige zwischen den Basaltbrocken hindurch. "Der Vulkan nimmt und gibt", sagt Mansfeld, der vulkanische Boden ist ungemein fruchtbar, alles gedeiht zur Freude der sizilianischen Bauern üppig und reichlich. Als der kräftige Wind endlich die letzten Wolkenfetzen davonjagt, glitzern die schneebedeckten Vulkangipfel grell in der Sonne. Bis in den Mai hinein reicht dort oben in manchen Jahren die Skisaison. Die 2002 von der Lava zerstörten Skianlagen auf dem Piano Provenzana sind - allen Warnungen zum Trotz - längst wieder aufgebaut. "Wo sonst kann man auf einem aktiven Vulkan mit Meerblick Skifahren?", fragt Mansfeld.

Landschaft erinnert an "Star Wars"-Film

Die Hochebene erinnert an futuristische Mondlandschaften der "Star Wars"-Filme. Doch statt Darth Vader treffen wir Santo, einen knorrigen Sizilianer, der seine beiden Eseldamen Gina und Stella im weichen sizilianischen Dialekt beständig antreibt. Die Vierbeiner tragen in Körben die Zutaten für unser Picknick bis zum entlegenen Refugio Monte Baracca. Dort knistert schon das Kaminfeuer. An grob gezimmerten Tischen genießen wir ein einfaches, aber gutes Mahl aus Oliven, Pistaziensalami, Käse, Artischocken, Obstsalat, natürlich den Ätna-Rotwein von sonnenverwöhnten Reben, und lassen uns von Santo mit Bruschetta-Broten verwöhnen.

Doch wenn der Berg poltert und sich heiße Lava in die Täler bis zu den Dörfern wälzt, dann hilft nur noch hoffen und beten. Zum Glück hat jedes Dorf seinen Schutzheiligen. Der wird in der Not aus der Kirche geholt und in einer Prozession zum Berg getragen. "Direkt vor den Zehenspitzen des heiligen Egidio kam der Lavafluss nach dem Ausbruch 2002 zum Stehen", berichtet Mansfeld. Bei unserer Wanderung kommen wir ohne Egidio sicher zum Ziel - der kapriziöse Vulkan ist an diesem Tag milde gestimmt.

Weitere Informationen:

Beste Reisezeit: April bis Anfang Juni sowie Oktober und November sind die beste Zeit, um auf Sizilien Urlaub zu machen und um dem Ätna einen Besuch abzustatten. Wanderungen am Ätna mit Bergführer auf Naturlehrpfaden: Halbtages-Wanderung mit Picknick und Eselbegleitung ab 60 Euro pro Person. Etnatrekking, Piazza Santo Calì 4, 95015 Linguaglossa, info@etnatrekking.com, www.etnatrekking.com; Tipps für Ätnawanderung: Ausbrüche am Ätna sind jederzeit möglich, dazu kommt das unberechenbare Wetter mit plötzlichem Nebel und Temperaturstürzen. Auch bei geführten Touren benötigt man feste Schuhe, lange Hosen, Regenjacke und warme Kleidung sowie Sonnenbrille und Sonnenschutz. Den Bereich der Gipfelkrater sollte man nur mit einem Bergführer erkunden. Anreise: Flüge nach Catania von zahlreichen deutschen Flughäfen, Preisbeispiel: von Frankfurt nach Catania mit Air Berlin ab 200 Euro; Übernachtung: Auf der halben Strecke von Taormina über Francavilla di Sicilia nach Linguaglossa (gesamte Fahrzeit etwa eine Stunde) liegt das Landhotel Casale Romano Resort & Relax. Sechs Übernachtungen im DZ mit Halbpension, Flug und Mietwagen kosten ab 805 Euro pro Person, buchbar im Reisebüro mit Jahn-Reisen-Programm und auf www.jahnreisen.de;

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