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Ich bin dann mal kurz weg: Städtereisen für Spontane

Wochenendtrips  

Ich bin mal kurz weg: Städtereisen für Spontane

06.04.2017, 15:52 Uhr | Oliver Kauer-Berk, dpa

Ich bin dann mal kurz weg: Städtereisen für Spontane. Die Elbphilharmonie im Hafen von Hamburg (Quelle: imago images/Christian Ohde)

Haben Sie die Elbphilharmonie schon in natura gesehen? Hamburg zählt zu den beliebtesten Reisezielen in Deutschland (Quelle: Christian Ohde/imago images)

Rom, London, Paris – oder vielleicht doch Porto oder Breslau? Kurzurlauber zieht es häufig in die Metropolen Europas. Und das klappt immer spontaner und flexibler, dank Billigflügen und Hotelportalen.

Auf der Rambla shoppen, an der Seine Café au lait trinken oder auf dem Mauerpark-Flohmarkt nach Trödel stöbern: Die Städtereise boomt. Sie wird zunehmend online gebucht, und das immer spontaner.

Panoramablick auf die Altstadt von Breslau vom Turm des Doms (Quelle: imago images/BE&W)Panoramablick auf die Altstadt von Breslau vom Turm des Doms (Quelle: BE&W/imago images)

Während Metropolen wie Barcelona, Paris oder Berlin zu den Klassikern gehören, steigt die Nachfrage nach kleineren Städten wie Lissabon oder Tallinn. Günstige Flüge, Spezialpakete der Reiseveranstalter und Unterkünfte, die über Hotelportale einfach buchbar sind, befördern den Trend zum Spontanurlaub in den Städten Europas.

Schnell erreichen und viel erleben

Städte bedienen den "Kurz-und-spontan-weg"-Trend, erläutert Sarah Mempel vom Deutschen Tourismusverband. "Sie verfügen über eine hohe Erlebnisdichte und sind in der Regel gut erreichbar."

Beliebtes Baltikum: Die Alexander-Newski-Kathedrale im estnischen Tallinn (Quelle: imago images/Rainer Weisflog)Beliebtes Baltikum: Die Alexander-Newski-Kathedrale im estnischen Tallinn (Quelle: Rainer Weisflog/imago images)

Kurzum: Auf kleinem Raum gibt es viel zu sehen. Die Angebote der Billigflieger sorgen für gute Erreichbarkeit. Außerdem kommt es beim Urlaub in der Stadt nicht so sehr auf die Saison an. Flanieren über Alleen und Plätze, ein Besuch im Museum, Restaurants und Bars: All das bereitet auch ohne acht Stunden Sonne am Tag Freude.

Das sind die beliebtesten Reiseziele

Große Städte sind weiter beliebt bei den Reisenden. Doch in London und Rom waren viele schon. Deswegen steigt die Nachfrage nach Trips in kleinere Städte, wo Neues entdeckt werden kann.

Blick auf den Skanderbegplatz in Tirana (Quelle: imago images/imagebroker/strigi)Sie waren noch nie in Albanien? Die Hauptstadt Tirana ist eine Reise wert (Quelle: imagebroker/strigi/imago images)

Potenzial haben beispielsweise Porto, Breslau, San Sebastian, Liverpool und Dublin, zählt Nicole Sohnrey auf. Sie ist Städteexpertin bei Tui, dem nach eigenen Angaben größten Veranstalter für Städtereisen in Europa. "Auch die skandinavischen Städte erfreuen sich wachsender Beliebtheit."

Blick auf die Bucht de la Concha in San Sebastian vom Monte Igueldo aus (Quelle: imago images/imagebroker)Blick auf die Bucht de la Concha in San Sebastian vom Monte Igueldo aus (Quelle: imagebroker/imago images)

Insider-Tipps statt Reiseführer

Ein guter Indikator für Trend-Destinationen ist das Reiseportal Spotted by Locals. Der Niederländer Bart van Poll und seine Ehefrau Sanne haben es 2008 aus Begeisterung für das Städtereisen gegründet. Heute vermitteln sie per App Insider-Tipps von Einheimischen aus 67 Städten in Europa und Nordamerika. Nach den Nutzerzahlen liegen momentan Athen, Belgrad, Hamburg, Thessaloniki, Tirana und Warschau voll im Trend, zählt Bart van Poll auf.

Wochenendreisen: Millionenstädte im Trend

In Deutschland sind bei FTI laut Manager Olaf Kistenmacher die Ziele Hamburg, München und Berlin gefragt. Im Ausland favorisierten Kurzentschlossene London, Amsterdam und Paris. "Die Metropolen sind an ein weites Flug-, Bahn- und Busstreckennetz angeschlossen."

Blick auf den Fluss Douro in Porto (Quelle: imago images/CTK photo)Blick auf den Fluss Douro in Porto im Norden Portugals (Quelle: CTK photo/imago images)

Und sie verfügen über reichlich Unterkünfte. Das kommt Buchungen mit wenig zeitlichem Vorlauf entgegen. Kistenmachers Erfahrung: Bei spontanen Städtetrips werden Ziele bevorzugt, die einfach und bequem mit dem eigenen Auto oder der Bahn zu erreichen sind.

Die Skyline von Lettlands Hauptstadt Riga mit Blick auf die Kathedrale, das Schloss und die Vansu-Brücke (Quelle: imago images/Westend61)Die Skyline von Lettlands Hauptstadt Riga mit Blick auf die Kathedrale, das Schloss und die Vansu-Brücke (Quelle: Westend61/imago images)

Messen meiden, Nebensaison nutzen

Die meisten Reisenden kommen um die Tage Samstag und Sonntag nicht herum. "Spontane Buchungen werden vorrangig für Wochenendreisen, also von Freitag bis Sonntag, getätigt", bestätigt Kistenmacher.

Wer unter der Woche frei hat, fährt sicherlich günstiger. Auch bei Reisen über die gesetzlichen Feiertage empfiehlt der Experte eine vorausschauende Buchung – Brücken bauen wollen alle.

Hauptplatz mit Maximiliansbrunnen in der Altstadt von Bratislava in der Slowakei (Quelle: imago images/Westend61)Blick auf den Maximiliansbrunnen in der Altstadt von Bratislava in der Slowakei (Quelle: Westend61/imago images)

Bart van Poll weist darauf hin, Zeiten von regelmäßig stattfindenden Messen und Großevents zu meiden wegen steigender Übernachtungspreise und geringerer Hotelkapazitäten. Er nutzt dafür Kalenderdienste und die Internetseiten der Fremdenverkehrsämter.

Schnäppchen: Metropolen im Winter

Seine Empfehlung: auf die Nebensaison ausweichen. "Klar, der Frühling ist sehr schön, aber in einer Stadt ist das Wetter nicht so entscheidend. Es ist in Barcelona oder Athen großartig im Dezember oder Januar. Keine Touristen und ziemlich gutes Wetter." Von Citytrips in Europa zur Hauptreisezeit im August rät er generell ab.

Im Sommer zieht es viele Besucher in das Touristenviertel in Athen (Quelle: imago images/UPI photo)Lieber in der Nebensaison reisen: Touristen in der Athener Altstadt im Sommer (Quelle: UPI photo/imago images)

Viele Stadthotels bieten im Winter Schnäppchenpreise. Und die Städte hätten dann oft ein besonders breites kulturelles Angebot, sagt Sohnrey. Für 50 Prozent der Tui-Städtekunden sei ein besonderes Event das Reisemotiv, beispielsweise ein Musical. Bart van Poll erinnert daran, dass durch das wachsende Netz der Billigflieger Events wie Konzerte auch für Menschen von weither attraktiv werden.

Storno-Optionen und hilfreiche Apps

Die meisten entschieden sich spontan für eine Städtereise, weil sie ein genussvolles Wochenende mit dem Partner oder Freunden verbringen oder einfach mal etwas Neues erleben möchten, weiß Kistenmacher.

Der Ban-Jelačić-Platz in Kroatiens Hauptstadt Zagreb (Quelle: imago images/imagebroker/bergsteiger)Der Ban-Jelačić-Platz mit Reiterdenkmal in Kroatiens Hauptstadt Zagreb (Quelle: imagebroker/bergsteiger/imago images)

Trotz der kurzen Vorlaufzeit empfiehlt er, sich vorab über die Reiserücktrittsbedingungen und Stornokosten zu informieren. Immer mehr Hotels bieten allerdings kostenfreie Stornierungen bis zum Anreisetag an. Die großen Buchungsportale wie Booking oder HRS weisen sichtbar auf diese Option hin. Das ist komfortabel für Urlauber.

Kleine Helfer: Newsletter und Apps

Bart van Poll hat die Newsletter aller größeren Fluggesellschaften abonniert und hält dort nach Schnäppchenpreisen Ausschau. Außerdem nutzt er die App Hopper. Mit ihrer Hilfe kann er kalkulieren, wann die Flüge am preiswertesten sind. Neue Technik hilft auch beim Finden des günstigsten Hotels. Automatisch tauscht beispielsweise der Anbieter Dream Cheaper stornierbare Hotelbuchungen aus, wenn irgendwo ein günstigeres Zimmer vorhanden ist.

Blick auf die Wexford Street in Dublin (Quelle: imago images/ZUMA press)Einkaufsbummel auf der grünen Insel: Blick auf die Wexford Street in Dublin (Quelle: ZUMA press/imago images)

Sicherheit bleibt ein Thema

Durch die Vielzahl von Anschlägen etwa in Istanbul, Paris, Nizza und Brüssel hat das Image von Städtereisen zuletzt etwas gelitten. Wer sich über die Lage in einem Land informieren will, liest am besten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.

Ratsam ist es, wenn möglich größere Menschenansammlungen zu meiden – was in einer Großstadt aber natürlich schwierig ist. Fakt ist: Fast überall kann etwas passieren. Doch das Risiko ist weiterhin minimal.

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