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Großsegler: Kreuzfahrten mit Seefahrer-Feeling

Großsegler statt Megaliner  

Auf dieser Kreuzfahrt fühlen Sie sich wie ein Seefahrer

11.03.2019, 10:41 Uhr | Simone F. Lucas, SRT

Großsegler: Kreuzfahrten mit Seefahrer-Feeling. Star Clipper: An Board des Großseglers kümmern sich 77 Besatzungsmitglieder um nicht mal hundert Passagiere.  (Quelle: Simone F. Lucas/SRT)

Star Clipper: An Board des Großseglers kümmern sich 77 Besatzungsmitglieder um nicht mal hundert Passagiere. (Quelle: Simone F. Lucas/SRT)

Wer mit einem Großsegler unterwegs ist, erlebt eine andere Art von Kreuzfahrt – ohne Casino und Theater an Bord, dafür voller Seefahrerromantik. Ein Erlebnisbericht.

Nein, selber segeln musste ich auf der Star Clipper nicht. Das hätte Kapitän Jury Slastenin höchstwahrscheinlich auch nicht gefallen. Schließlich bin ich, was Segeln angeht, ein Greenhorn. Aber die besondere Atmosphäre eines Großseglers, die hat auch mich gleich in ihren Bann gezogen.

77 Besatzungsmitglieder für nicht mal 100 Passagiere

"Vergessen Sie Ihre Handys, genießen Sie jede Sekunde an Bord", hatte der Kapitän aus der Ukraine gleich zur Begrüßung gesagt, nachdem wir uns zur Sicherheitsübung eingefunden hatten – 98 Passagiere und 77 Besatzungsmitglieder.

In meiner Kabine fühle ich mich von Anfang an wohl – und Jojo, mein Kabinen-Steward, ist ein ebenso unauffälliger wie aufmerksamer Helfer. Aus elf Nationen kommen die Crew-Mitglieder, die meisten aus Indonesien und von den Philippinen. Aber gleich zwei Bayern sind mit dabei, der Kreuzfahrtdirektor Peter Krissner, das Allround-Talent aus dem Allgäu, und die Hotelmanagerin Anita Rollin. Da fühle ich mich doch fast wie zu Hause.

Ganz anders als Megaliner

In den nächsten Tagen lerne ich so einiges über unser schwimmendes Hotel, das so ganz anders ist als die gigantischen Megaliner. 16 Segel kann der Viermaster hissen mit einer Gesamtsegelfläche von 3.300 Quadratmetern. Bis zu 17 Knoten schnell ist die Star Clipper bei besten Wetterbedingungen. "Dann hat man das Gefühl zu fliegen", sagt Kissner. Das haben wir nicht erlebt. Aber wir durften "unser" Schiff in (fast) voller Pracht fotografieren. Alle Segel konnte die Mannschaft nicht aufziehen, weil es zu windig war. Zu windig? Peter klärt auf: "Wenn ein Schiff unter vollen Segeln fährt, bedeutet das nur eines: Flaute."

Der Mann aus den Allgäuer Bergen fährt nun schon seit über 30 Jahren zur See – und er kann nicht genug kriegen davon. Auch wenn er sein Haus in Oberstdorf "niemals aufgeben" würde. Er braucht beides, das Meer und die Berge. Wenn er mit dem Zodiac durch die Inselwelt des Ko Hong Nationalparks rast – immer auf der Suche nach der schönsten Perspektive für den Star Clipper – dann ist das für ihn pures Glück. Ganz ähnlich wie wenn er auf Skiern vom Nebelhorn zu Tal rast.

James-Bond-Kulissen besuchen

In der samtigen Wärme Thailands will ich aber gar nicht an den deutschen Winter denken, ich genieße die Sonne am Strand, die lauen Abende an Deck, die emotionale Aufbruchsstimmung, wenn des Star Clipper am Abend Segel setzt, die blaue Stunde an Bord, den Sonnenaufgang über dem Meer. Die Landschaft der kleinen Inseln ist traumhaft schön, der Strand schneeweiß, das Meer changiert zwischen tintenblau und helltürkis.

Im Koh Hong Nationalpark, da wo auch James-Bond-Island liegt, jene Insel, die Kulisse war für den Film "Der Mann mit dem Goldenen Colt", sind die Felsformationen so bizarr, dass beim Betrachten lauter Fantasiegestalten auftauchen, menschliche und tierische. Manche zum Gruseln, andere zum Lachen. 1974 hat Roger Moore hier den James Bond gegeben. Als er vor ein paar Jahren als alter Mann Gast der Star Clipper war und auf "seiner", der James Bond Insel, vorbeischaute, hat ihn zu seiner Enttäuschung niemand erkannt, erzählt Krissner.

Star Clipper darf im Nationalpark kreuzen

In dieser Inselwelt sind wir nicht allein. Die chinesischen Urlauber haben das Paradies in der Andamanensee entdeckt und kommen in Scharen. Vor den Höhlen stauen sich die gelben und orangen Kanus, im Wasser ragt ein Schnorchel neben dem anderen in die Luft wie lauter kleine Kamine, und am Strand werden eifrig Selfies geschossen.

Wir suchen uns andere Strände, die etwas abseits liegen und wo wir uns noch als Entdecker fühlen können. Auch das ist ein Vorteil der Star Clipper, die nach expliziter königlicher Erlaubnis im Nationalpark kreuzen darf. Die Schwester des verstorbenen Königs Bhumibol Adulyadej hat sich, so erzählt es Krissner, höchstpersönlich davon überzeugt, dass der Viermaster im Meeres-Nationalpark keinen Schaden anrichtet: "Sie war für uns der Türöffner."

Single auf See, verheiratet auf dem Land

Wir sind auf der südlichen Route unterwegs von Thailands größter Insel Phuket über die Bucht Phang Nga nach Penang/Malaysia und zurück nach Phuket.

Ein Segelschiff muss sich nach dem Wind richten. Vor Ko Similan können wir nicht ankern. Der Kapitän, an dem ein Alleinunterhalter verloren gegangen ist, erklärt die Umroutung den Gästen und nutzt die Gelegenheit, um über das Leben an Bord zu erzählen und die Crew zu loben. Selbst die Frage, ob er verheiratet sei, bringt ihn nicht aus der Fassung. "Ich bin auf hoher See", sagt Yurig Slatenin mit breitem Lächeln, "da bin ich Single. An Land bin ich verheiratet."

Gemeinschaft an Bord

Auch die Passagiere kommen einander während dieser Woche auf der Star Clipper näher. Amerikaner, Engländer, Deutsche, Schweizer, Österreicher, Australier. Eltern mit erwachsenen Kindern, Paare, Einzelreisende. Sie alle fühlen sich an Bord wie in einer großen Gemeinschaft. Bei den abendlichen Spielchen, ob Quiz, Karaoke, Talentshow oder Froschrennen, werden aus gestandenen Unternehmern kleine Jungs und aus eleganten Managerinnen ehrgeizige Mädchen, die unbedingt gewinnen wollen. Für Unterhaltung ist dank Krissner, dem Hans Dampf in allen Gassen, stets gesorgt.

Wir erleben auf dieser Reise nicht nur pure Natur, die Star Clipper ankert auch vor Penang in Malaysia. Ein willkommener Stopp, um das alte Georgetown zu erkunden und womöglich auch Lim Jetty, das Fischerdorf auf Stelzen, das wie ganz Georgetown Unesco-Welterbe ist. Wir bummeln durch die Straßen der Altstadt, bewundern die indischen und chinesischen Tempel und die Kapitan-Kling-Moschee, die größte Moschee der Hafenstadt.

Streetart und Fischersiedlungen

Penang ist ein Schmelztiegel der Kulturen, und es gilt als Zentrum der asiatischen Streetart. An vielen Hauswänden prangen Wandmalereien. Einige Motive findet man auf T-Shirts oder Taschen, die an Ständen und in Shops verkauft werden. Sie stammen von dem in Litauen geborenen Künstler Ernest Zacharevic, der sie – oft dreidimensional – 2012 für das George-Town-Festival geschaffen hat. Inzwischen ist eine ganze Freiluftgalerie entstanden.

Und dann ist da auch noch die Fischersiedlung Lim Jetty. Der Gegensatz zwischen den bunten Häuschen und den Wolkenkratzern im Hintergrund könnte nicht größer sein. Die Hälfte von Lim Jetty wirkt wie aus der Zeit gefallen, kaum Touristen verirren sich hierher, wo man auf Holzplanken durch die Hinterhöfe wandert und fast hinein in die Wohnzimmer. Der andere Teil ist voll durchorganisiert mit Garküchen und Souvenirständen.

Reichhaltige Verpflegung an Bord

Auch wenn wir an Bord hervorragend essen, bei der Auswahl von Schlemmereien kann kaum jemand widerstehen. Beim Dinner an Bord muss ich dann allerdings passen – sehr zur Enttäuschung unseres freundlichen Kellners aus Java. Auch sonst kann ich kaum all das genießen, was der philippinische Koch vier Mal am Tag auf den Tisch bringt. Zu viel sind die Snacks zwischen Lunchbuffet und Sechs-Gänge-Dinner, die Mitternachtssuppe, das Obst und das Barbecue am Strand.



Statt vor einer der Similan-Inseln ankern wir schließlich vor dem Sirun Nationalpark. Das Meer wogt in allen Blauschattierungen, um graue Granitfelsen wimmeln bunte Fische, und hinter dem weißen Strand wachsen gigantische, von Sukkulenten besiedelte Bäume. Ein paar Häuser verstecken sich dazwischen. Hier könnte man es auch aushalten – für ein paar Tage weit weg von allem. Aber es ist unser letzter Tag. Wehmut kommt auf. Während wir nach einem opulenten Dinner und ein paar Abschiedsdrinks an der Bar in unseren Betten schlummern, nimmt die Star Clipper Kurs auf Patong. Und ich träume schon von der nächsten Reise auf einem Großsegler.  

Verwendete Quellen:
  • Reiseredaktion SRT

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