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"Code-Sharing" bei Flugreisen: Wenn Airlines ihre Passagiere tauschen

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Legaler Etikettenschwindel  

"Code-Sharing": Luftige Mogelpackungen

27.08.2008, 12:03 Uhr | srt

"Code-Sharing": Eine Airline gebucht - mit einer anderen geflogen (Foto: Imago)"Code-Sharing": Eine Airline gebucht - mit einer anderen geflogen (Foto: Imago)Der Flugzeugabsturz von Madrid hat Millionen Fluggäste vorsichtig gemacht. Viele achten peinlich genau darauf, bei welcher Linie sie gebucht sind. Doch am Flugsteig ist manchmal die Überraschung groß, wenn Passagiere in eine Maschine einer Airline einsteigen sollen, die sie gar nicht gebucht haben. Wir erklären das Phänomen "Code-Sharing" und geben Tipps, wie Sie die "Mogelpackungen" erkennen.


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Fliegen mit "Air Unbekannt"

Lufthansa gebucht - Air Unbekannt geflogen: Immer häufiger steht eine ganz andere Gesellschaft auf dem Ticket als auf dem Rollfeld. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Versehen, das Wechselspiel hat Methode. Die Fluglinien besitzen sogar einen Fachbegriff dafür: "Code-Sharing" nennen sie es, wenn eine Gesellschaft fremde Maschinen unter eigener Flugnummer vermarktet. Dieses Versteckspiel kommt immer mehr in Mode. Lufthansa zum Beispiel teilt heute gegenseitig Jets mit Branchengrößen wie United Airlines, SAS Scandinavia und Thai International, aber auch mit der kroatischen Adria Airways, Air India und der brasilianischen TAM. Oder wie in Madrid mit der Spanair.


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Air France gebucht - mit Tschechen geflogen

Bei der Konkurrenz ist es nicht anders: Wer Air France gebucht hat, kann auf die tschechische CSA oder die russische Aeroflot treffen; statt der erwarteten British Airways heißt es bisweilen bei der ungarischen Malèv oder bei Royal Jordanian einsteigen; die holländische KLM lässt bei Air Aruba und Ukraine International Airlines fliegen; und Singapore-Airlines-Kunden finden sich bisweilen auf Egyptair-Stühlen wieder. Fast jede internationale Airline hat heute Partner-Linien, mit denen sie sich Maschinen und Strecken teilt. Vorteil: Sie kann Strecken und Flugzeiten anbieten, ohne mit einem eigenen Flugzeug ins Risiko zu gehen; die Kosten sinken, der Gewinn steigt. Klar, dass da die Vorstände ins Schwärmen kommen.


Airline des Vertrauens gebucht

Der Fluggast ist dagegen der Dumme. Schließlich hat er die Airlines seines Vertrauens gebucht, häufig mehr dafür bezahlt als für ein Ticket der Wettbewerber, weil er sich einen bestimmten Service und Flugzeugstandard erwartet hat. Und dann muss er doch plötzlich mit der Konkurrenz fliegen und deren Service testen. Noch zu den kleineren Ärgernissen gehört es dann, wenn zum Frühstück das gewohnte Schwarzbrot fehlt und auch keine heimische Zeitung an Bord ist. Oft verstehen die Stewardessen auch schlecht deutsch. Mehr noch: Gern werden via Code-Sharing ärgerliche Umsteigeverbindungen verheimlicht.


Vorgegaukelter Direktflug

So gaukelt der Air-France-Flugplan dem Leser einen Direktflug von Frankfurt nach New York vor. In Wirklichkeit endet der Flug der Franzosen in Paris, ab dort geht es weiter mit der Partnergesellschaft Delta. Bei 12:55 Stunden Gesamtreisezeit hat der Passagier viel Zeit festzustellen, dass der direkte Flug mit Delta Air Lines vier Stunden schneller gewesen wäre. Rechtlich ist gegen die Code-Sharing-Praktiken nicht anzukommen. Denn was der Fluggast als Mogelpackung empfindet, ist juristisch völlig legal. Das Warschauer Abkommen von 1929, das den internationalen Flugverkehr regelt, verpflichtet den "Luftfrachtführer" nur, den Käufer eines Tickets zu befördern. Mit was für einem Flugzeug und mit welcher Besatzung, ist seine Sache.


Tipps zur Enttarnung

So bleibt dem Verbraucher nur, das Spiel zu durchschauen. Hier sind einige Tipps, wie sich bereits anhand des Flugplans die meisten luftigen Mogelpackungen enttarnen lassen: Misstrauisch machen den Kenner ungewöhnliche Flugnummern. So stehen bei Lufthansa hohe Nummern ab 5000 meist für Kooperationsflüge. Ein eindeutiges Zeichen für Codes-Sharing ist die sogenannte Double-Designation. "JPLH" im Flugplan bedeutet: gemeinsamer Flug von Adria Airways (JP) und Lufthansa (LH), geflogen von Adria Airways (erstes Kürzel).


Vorsicht bei Fußnoten

Sternchen und Fußnoten lassen nichts Gutes ahnen: Meist stehen sie für Flugzeugwechsel oder Maschinen anderer Gesellschaften. Die Erklärung steht auf den ersten Seiten des Flugplans, bei Lufthansa auf Seite 2: Dort erfährt man, dass ein schwarzer Stern für Durchführung des Flugs mit einer Partnerairline steht, ein weißer bedeutet zusätzlich mindestens einmal umsteigen. Flüge zwischen Drittländern sind fast immer suspekt. Wenn Swiss angeblich zwischen Buenos Aires und Santiago fliegt, British Airways von München nach Paris, dann stimmt meistens etwas nicht. Bei der Buchung langer Flüge lohnt es sich, stets gezielt nach der exakten Streckenführung mit allen Zwischenstopps, dem jeweiligen Flugzeugtyp und den beteiligten Gesellschaften zu fragen. Viele Buchungswebseiten beantworten diese Fragen sehr genau, wenn man weiß, wo nachzuschauen ist. Bei Lufthansa muss man einfach auf die Flugnummer klicken, schon öffnet sich ein neues Fenster mit den gewünschten Informationen.

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