In Kenia herrscht seit Monaten Dürre. Millionen von Menschen im Nordosten des Landes haben kaum Nahrung und Trinkwasser. Ein Foto zeigt das große Ausmaß des Leids – für Mensch und Natur.
Die Folgen der Klimakrise sind nicht fotogen: brennende Wälder, vertrocknete Felder, überschwemmte Dörfer, verzweifelte Menschen. Und oft fügen sich in diese Aufzählung des Schreckens auch noch ausgezehrte oder tote Tiere ein. So wie aktuell im Nordosten Kenias.
Ein Foto aus dem Naturschutzpark Sabuli Wildlife Conservancy in Wajir zeigt die Folgen der anhaltenden Dürre für Wildtiere. Eine Gruppe von sechs verendeten Giraffen liegt auf dem Boden. Ihre Körper sind bereits halb verwest.
Sie sollen auf der Suche nach Wasser im Matsch eines nahezu vertrockneten Wasserreservoirs stecken geblieben sein. Entkräftet und unfähig, ihre langen Beine zu befreien, seien die Giraffen verhungert und verdurstet, schreibt der Fotojournalist Ed Ram auf Twitter.
Die kleine Herde starb in einem nahezu vertrockneten Wasserreservoir: Bei den Tieren dürfte es sich um Giraffenweibchen handeln. Im Gegensatz zu den männlichen Tieren leben diese nicht gerne alleine. (Quelle: Ed Ram/Getty Images)
Damit der letzte Rest des Wassers im Reservoir nicht durch den Verwesungsprozess verunreinigt wird, seien die Kadaver geborgen worden, so Ram. Dabei habe eines der toten Tiere ein Bein verloren. Die Bilder des Fotografen zeigen die Giraffen nach der Bergung.
Zwei Männer aus dem Dorf Eyrib begutachten das vertrocknete Reservoir: Die verendeten Giraffen wurden ganz in der Nähe ihres Dorfes gefunden. (Quelle: Ed Ram/Getty Images)
Seit September hat sich die Dürresituation in Kenia immer weiter verschärft. In den vergangenen drei Monaten fiel im Nordosten des Landes weniger als ein Drittel der normalen Regenmenge. Das gefährdet besonders die Menschen aus den Bauern- und Hirtendörfern der Gegend: Der Regenmangel bedroht nicht nur ihre finanzielle Lebensgrundlage, sondern auch ihr eigenes Überleben.
Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms sind rund 2,4 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht; dreimal so viele wie im vergangenen Jahr. "Die vergangenen Dürren waren weitgehend vorhersehbar", sagte Maurice Onyango von der Nichtregierungsorganisation Plan International der Nachrichtenagentur Reuters.
- Wahl zum "Goldenen Windbeutel": Das ist die dreisteste Werbelüge 2021
- WWF-Ökonomin: ''Dann ist die Katastrophe programmiert''
- Forscher zeigen sich besorgt: So gefährlich sind Masken für die Umwelt
"Wir hatten längere Zyklen von 5 bis 10 Jahren [dazwischen]. Das hieß, dass sich das Weideland und die Gewässer schnell regenerieren konnten. Jetzt erleben wir Dürren alle zwei Jahre, manchmal sogar jedes Jahr."
- Twitter-Konto des Fotojournalisten Ed Ram
- Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters