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Guttenberg-Auftritt sorgt für Spott: "Den Bock zum Gärtner gemacht"

Guttenbergs neuer Job: "Den Bock zum Gärtner gemacht"

13.12.2011, 09:25 Uhr | dapd, dpa

Guttenberg-Auftritt sorgt für Spott: "Den Bock zum Gärtner gemacht". Schon wieder im Zentrum der Kritik: Karl-Theodor zu Guttenberg (Quelle: dapd)

Schon wieder im Zentrum der Kritik: Karl-Theodor zu Guttenberg (Quelle: dapd)

Netzaktivisten sind empört über Karl-Theodor zu Guttenbergs neuen Job als Berater für Internetfreiheit und verspotten den CSU-Politiker. Er solle so ein wichtiges Thema nicht für sein politisches Comeback benutzen, erklärte die internationale Gruppe Telecomix. "Ich persönlich kann nicht glauben, dass Sie dieses Thema ernst nehmen", sagte der Aktivist Stephan Urbach, der auch der Piratenpartei angehört.

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Wie heute auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurde unterstützt der frühere Verteidigungsminister EU-Kommissarin Neelie Kroes in Zukunft als Berater in Fragen der Internetfreiheit in autoritären Regimen.

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Während Netzaktivisten im Arabischen Frühling für ein unzensiertes Web gekämpft hätten, habe sich zu Guttenberg in Deutschland für Netzsperren eingesetzt, kritisierte Urbach - das sei ein Widerspruch. Telecomix versucht, Nutzern in diktatorisch regierten Ländern einen freien Internetzugang zu ermöglichen und Zensur zu umgehen.

"Diesem Mann ist das Internet bislang egal gewesen"

Der Initiator des GuttenPlag-Wikis, das maßgeblich zur Aufdeckung der Plagiate in Guttenbergs Doktorarbeit beigetragen hatte, sprach dem Politiker die Kompetenz für die Aufgabe ab. "Diesem Mann ist das Internet bislang egal gewesen", sagte der Doktorand. Zu Freiheitsrechten habe sich der Ex-Minister bisher praktisch gar nicht geäußert. Der Initiator, der anonym bleiben möchte, sieht zudem ein Problem darin, dass Guttenberg nach wie vor für die amerikanische Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) arbeitet: "Das wirft die Frage auf: Wessen Interessen vertritt er da tatsächlich?"

Zu Guttenbergs Verweis, er habe persönlich Erfahrungen mit der Macht des Internets gemacht, sagte der GuttenPlag-Initiator: "Wenn ich mich mitten auf die Straße stelle und vom Auto angefahren werde, heißt das nicht, dass ich Automechaniker bin."

"Den Bock zum Gärtner gemacht"

Auch früheren Kollegen in der Politik stieß Guttenberg mit seinem neuen Engagement auf wenig Gegenliebe. So warf der CDU-Europapolitiker Werner Langen dem CSU-Politiker in der Onlineausgabe der "Mitteldeutschen Zeitung" vor, mit Gewalt in die Medien kommen zu wollen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach von politischem Gnadenbrot für Guttenberg und sieht, wie auch der bayerische SPD-Chef Florian Pronold, den "Bock zum Gärtner" gemacht.

Auch die Piratenpartei sieht das neue Engagement mit großer Skepsis. An sich sei jedweder Einsatz für die Internetfreiheit zu begrüßen, sagte Parteisprecher Christopher Lang. "Die Frage ist aber, aus welchem Hintergrund so ein Engagement entsteht", fügte er hinzu. "Und der derzeitige Hintergrund, der sich hier zu ergeben scheint, ist mehr als fragwürdig."

Etliche Twitter-Nutzer begleiteten die Diskussion mit den Schlagworten "Lügenbaron" und "fraudster", deutsch: Betrüger. Mathias Schindler, im Hauptberuf Projektmanager bei Wikimedia Deutschland, kommentierte sarkastisch, Guttenberg führe "als Qualifikation für Netzsperrenkampf seinen Kampf für Netzsperren an". Und der Verein Digitale Gesellschaft, verriet, wie er sich Hilfe für "echte Netzaktivisten" vorstellt: in Form einer Spende.

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