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Joschka Fischer zur Euro-Krise: "Das europäische Haus steht in Flammen"

"Das europäische Haus steht in Flammen"

04.06.2012, 14:16 Uhr | Martina Engesser, t-online.de

Joschka Fischer zur Euro-Krise: "Das europäische Haus steht in Flammen". Nur Deutschland kann die Euro-Zone retten, glaubt Joschka Fischer (Quelle: dpa)

Nur Deutschland kann die Euro-Zone retten, glaubt Joschka Fischer (Quelle: dpa)

In einem dramatischen Appell ruft Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) Deutschland dazu auf, die Euro-Zone zu retten. "Europa steht heute am Abgrund und wird in den kommenden Monaten hineinfallen", schreibt Fischer in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Nur wenn Berlin und Paris sich zur Fiskalunion bekennen, könne das Ruder herumgerissen werden.

"Die Zeiten sind ernst, sehr ernst", warnt der ehemalige Vize-Kanzler die aktuelle schwarz-gelbe Regierung. Wenn sogar der konservative britische Regierungschef David Cameron eine gemeinsame Politik der Euro-Gruppe fordere, sei es höchste Zeit. "Das europäische Haus steht in Flammen", schreibt Fischer. Überall herrscht die Euro-Krise. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel lösche nicht mit Wasser, sondern mit Kerosin: Der Brand werde mit ihrer Sparpolitik beschleunigt.

Harter Sparkurs hilft nicht

Merkels Spar-Strategie verschärfe die große Finanzkrise bis hin zur Depression, mahnt Fischer und verweist auf die Weltwirtschaftskrise 1929, als ein harter Sparkurs auch nicht geholfen habe.

Sollte Griechenland demnächst im Chaos versinken, werde ein "Sturm auf die Banken in Spanien, Italien und Frankreich eine Lawine auslösen, die Europa unter sich begraben wird". Mit dem Zerfall des Euro werde sich Europa von der Weltbühne verabschieden.

Fischer für Euro-Bonds

Mit Fiskalunion meint Fischer den uneingeschränkten Kauf der Staatsanleihen der Krisenländer durch die Europäische Zentralbank (EZB) und Vergemeinschaftung der Schulden durch Euro-Bonds. "Nur Deutschland kann das Überleben der Euro-Zone garantieren", so Fischer. Mit seiner Wirtschaftskraft müsse Deutschland Wachstumsprogramme in der Euro-Zone finanzieren. Es sei in Ordnung, dafür neue Schulden zu machen.

Selten sei Deutschland so isoliert, niemand verstehe Merkels "dogmatische Sparpolitik", schreibt der Grünen-Politiker. "Man hält uns für ziemlich neben der und - einem Geisterfahrer gleich - gegen die Spur fahrend", gibt Fischer seinen Eindruck vom Bild der Deutschen in der EU wider.

Deutschland darf Europa nicht erneut zerstören

Deutschland müsse sich seiner Verantwortung bewusst werden und dürfe die europäische Ordnung nach zwei Weltkriegen nicht ein drittes Mal zugrunde richten, fordert Fischer.

Weitere Nachrichten und Links

Genau diese Argumentation, also dass Deutschland wegen des Weltkriegs für den Euro verantwortlich sei, kritisiert Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch "Europa braucht den Euro nicht" heftig. Seiner Meinung nach kann Europa und insbesondere Deutschland auf die gemeinsame Währung verzichten.

Der Ex-Finanzsenator von Berlin setzt in seinem Buch den Holocaust und die europäische Währung in Zusammenhang. Den Befürwortern von gemeinsamen europäischen Staatsanleihen wirft Sarrazin vor, sie seien "getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben".

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