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Gauck verteidigt Merkel gegen Schmidt-Attacken

Gauck verteidigt Merkel gegen neuerliche Schmidt-Attacken

28.09.2012, 07:18 Uhr | dapd

Gauck verteidigt Merkel gegen Schmidt-Attacken. Altkanzler Schmidt und Bundespräsident Gauck diskutieren über Merkel und die Euro-Krise (Quelle: dapd)

Altkanzler Schmidt und Bundespräsident Gauck diskutieren über Merkel und die Euro-Krise (Quelle: dapd)

Altkanzler Helmut Schmidt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Politik in der Euro-Krise erneut scharf angegriffen. Es sei "zum Teil ihre eigene Schuld", dass es in einigen europäischen Ländern Bilder gebe, die Merkel "mit einer Hakenkreuzbinde zeigen", sagte Schmidt in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Bundespräsident Joachim Gauck verteidigte die Kanzlerin.

Die Kanzlerin habe eine "zu starke Zentralisierung auf ihre Person vorgenommen", so Schmidt. Einige Nachbarländer hätten "das Gefühl, dass Deutschland ein neues Zentrum sein sollte", kritisierte der Sozialdemokrat.

Gauck springt Merkel zur Seite

Gauck nahm die Kanzlerin in der Sendung in Schutz. "Wir stehen heute nicht vor dem Problem, dass eine geschichtsvergessene Regierungschefin sagt: am deutschen Wesen soll die Welt genesen", sagte der Bundespräsident. Merkel kämpfe auch "stellvertretend für andere benachbarte Nationen" für einen stabilen Euro.

Es sei falsch, wenn der Eindruck erzeugt werde, dass die Kanzlerin "gegen den Rest Europas steht", sagte Gauck. Er sei überzeugt von Merkels "hoher Rationalität und ihrem Handlungswillen". In der Eurokrise sei es selbst für Wissenschaftler "außerordentlich schwer zu wissen, welcher Schritt der richtige ist".

"Eine gewisse Risikobereitschaft auch im monetären Bereich gehört mit zu einer guten Politik", fügte der Bundespräsident hinzu. Vor allem dürfe man aber in der Eurokrise nicht die Geduld verlieren, "nicht durchdrehen und nicht hysterisch werden".

"Bislang kein Penny für Griechenland"

Gauck sagte, es könne schon sein, dass es in der EU einmal eine "Wohlstandsdelle" gebe. Europa sei aber "auch im Falle einer gewissen Begrenzung der Freude am Leben ein lebenswerter Raum, wegen der Freiheit und wegen der Demokratie." Er traue hier der deutschen Bevölkerung eine ganz Menge zu. Auch beim Ausbruch der Finanzkrise 2008 seien die Deutschen ruhig geblieben. Rechtsextremisten hätten in der Bundesrepublik politisch keine Chance.

Schmidt sagte: "Ich möchte wünschen, dass der Bundespräsident recht bekommt." Der Altkanzler bemängelte aber: "Wir reden nur von Opfern, die in Zukunft möglicherweise auf uns zukommen." Tatsächlich sei bis heute "aus dem deutschen Bundeshaushalt kein Penny nach Griechenland überwiesen worden". Zugleich lobte Schmidt die Europäische Zentralbank. Diese habe "ihre Aufgabe in fabelhafter Weise erfüllt" und bislang keine Inflation zugelassen.

"Die Deutschen müssen den Eindruck vermeiden, als ob sie das Zentrum sein wollen", mahnte der Altkanzler. Zugleich seien sie stärker verantwortlich für Europa als anderen Völker, "weil wir sechs Millionen jüdische Mitbürger fabrikmäßig umgebracht haben."

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