Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Europäische Union >

Varoufakis bereit zur Verschiebung von Wahlversprechen

Gerüchte um Varoufakis  

Griechenland bereit zur Verschiebung von Wahlversprechen

15.03.2015, 09:56 Uhr | dpa, AFP

Varoufakis bereit zur Verschiebung von Wahlversprechen. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis umwirbt die potenziellen Geldgeber. (Quelle: Reuters)

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis umwirbt die potenziellen Geldgeber. (Quelle: Reuters)

Kommt Griechenland der Eurogruppe im Schuldenstreit einen Schritt entgegen? "Wir sind bereit, die Umsetzung einiger Wahlversprechen aufzuschieben, wenn dies notwendig ist, um bei unseren Partnern Vertrauen zu schaffen", sagte Finanzminister Gianis Varoufakis nach einem Bericht der italienischen Zeitung "Corriere della Sera".

Da sich Varoufakis wegen einer Konferenz in Italien aufhielt und nicht an einer Sitzung in Athen teilnahm, gab es Gerüchte, er sei entmachtet worden. Dies wurde aus griechischen Regierungskreisen jedoch dementiert.

Bei der Veranstaltung im norditalienischen Cernobbio schloss Varoufakis dem Bericht zufolge aus, dass sich Athen von Moskau oder Peking aus der Schuldenkrise helfen lassen könnte, um die Bedingungen der Euro-Länder zu umschiffen. "Es gibt keine alternative Lösung, wir fordern keine Hilfe von außerhalb (der Eurozone)", zitierte die Zeitung den Minister. "Wir pflegen gute Beziehungen mit Russland, China und anderen Ländern. Aber unser Problem ist ein europäisches, das wir innerhalb unserer europäischen Familie lösen werden."

Er bekundete den Willen Athens, seine Schulden vollständig zu begleichen, forderte aber zugleich mehr Hilfe zur Belebung der Wirtschaft. Er warb erneut für seinen Vorschlag, die Rückzahlung der Kredite an ein Wirtschaftswachstum zu koppeln. "Je mehr sich Griechenland erholt, je mehr ist es in der Lage, die Darlehen zurückzuzahlen."

Die Bemühungen der Eurogruppe um eine Rettung des pleitebedrohten Staates stocken. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte daher vor zwei Tagen nicht ausgeschlossen, dass das Land ungeordnet aus dem Euro ausscheiden könnte. Reparationsforderungen an Berlin sowie die Drohung Athens, illegal eingereiste Flüchtlinge nach Deutschland weiterzuschicken, haben den Streit weiter angeheizt.

"Athen sitzt auf dem Pulverfass"

Aus Sicht von Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wächst derweil die Gefahr eines unbeabsichtigten Austritts Griechenlands ("Graccident") aus der Eurozone. "Sie ist hoch und wird mit jedem Tag ohne eine klare Strategie für Griechenland größer", sagte er.

"Athen sitzt mit einem brennenden Feuerzeug auf dem Pulverfass", sagte Fratzscher. "Jede Fehlentscheidung kann in den kommenden Wochen die Lage in Griechenland zur Explosion bringen. Die Regierung hat jeglichen Vertrauensvorschuss verspielt."

Das Kunstwort "Graccident" besteht aus Greece (Griechenland) und dem englischen Wort für "Unfall" (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für "Zufall" stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, wenn Athen das Geld ausgeht.

Im Gegensatz zu einem "Graccident" hält Fratzscher die Gefahr eines "Grexit", also eines Ausstiegs oder Rauswurfs Griechenlands aus der Eurozone, für gering. "Denn niemand kann die griechische Regierung aus dem Euro zwingen, und für Griechenland wäre ein Grexit der sichere Weg in die wirtschaftliche und soziale Katastrophe."

Schulz: Tsipras soll Rechtspopulisten rauswerfen

Der europäische Druck auf die Athener Regierung hielt unterdessen an. Nach neuen verbalen Ausfällen gegen Berlin legte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz dem Athener Regierungschef Alexis Tsipras den Rauswurf seines rechtspopulistischen Koalitionspartners nahe. Anel-Parteichef Panos Kammenos, der zugleich Verteidigungsminister ist, hatte zuvor in der "Bild"-Zeitung Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) attackiert und in die Nähe von Korruption gerückt.

Schulz sagte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich halte die jetzige Koalition der Linkspartei mit diesen Rechtspopulisten für einen Fehler." Dies habe er auch Syriza-Parteichef Tsipras bei ihrem Treffen am Freitag in Brüssel deutlich gemacht. Über Kammenos fällte der SPD-Politiker Schulz folgendes Urteil: "Der Elefant im Porzellanladen erscheint mir verglichen mit Herrn Kammenos wie ein feinziselierter Diplomat."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Dschungel-Look: exotisches Flair für Ihre 4 Wände
jetzt auf otto.de
Anzeige
Was Ihr Partner für die Bau- finanzierung können muss
Kostenlose Beratung bei Interhyp
myToysbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal