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Varoufakis und der "Stinkefinger": "Ich habe das nie gemacht"

Minister greift Jauch-Redaktion an  

"Stinkefinger" wird für Varoufakis zum Glaubwürdigkeitstest

16.03.2015, 19:34 Uhr | t-online.de, dpa, AFP

Varoufakis und der "Stinkefinger": "Ich habe das nie gemacht". Der Mittelfinger von Gianis Varoufakis erhitzt die Gemüter. (Quelle: Screenshot: SkriptaTV/Youtube)

Der Mittelfinger von Gianis Varoufakis erhitzt die Gemüter. (Quelle: Screenshot: SkriptaTV/Youtube)

Ein "Stinkefinger" als Glaubwürdigkeitstest: Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis ist auch am Montag bei seinem Vorwurf geblieben, das in der Talkshow "Günther Jauch" gezeigte Video mit einer obszönen Geste von ihm gegen Deutschland sei eine Fälschung. Während Jauchs Team keinen Zweifel an der Echtheit des Films hat, wirft der streitbare Minister der Redaktion böse Absichten vor.

Der aus Athen live zugeschaltete Varoufakis war Sonntagabend bei Jauch zum ersten Mal Gast in einer deutschen Talkshow. 5,22 Millionen Menschen in Deutschland schauten laut ARD dabei zu. Ein Einspielfilm über Varoufakis' Werdegang und Positionen (ARD-Mediathek ab Minute 24) zeigte eine nach Angaben von Moderator Jauch im Jahr 2013 entstandene Aufnahme des Mannes, der im Januar 2015 Finanzminister wurde, auf einer Konferenz in Zagreb. Dabei sagte er damals, Griechenland solle Deutschland den Finger zeigen und sagen, "ihr könnt das Problem selbst lösen" - allerdings in einem anderen Zusammenhang. Bei diesen Worten ist Varoufakis mit der obszönen Geste des ausgestreckten Mittelfingers zu sehen.

Noch in der live ausgestrahlten Jauch-Sendung sagte Varoufakis dazu, der Finger sei in das Video montiert worden, "ich habe so etwas nie gemacht". Dagegen bekräftigte Jauchs' Produktionsfirma nach ersten Prüfungen am Montag, sie halte den Beitrag für echt. Es gebe bisher "keinerlei Anzeichen", dass das in der Sendung gezeigte Video mit der obszönen Geste wie von Varoufakis behauptet eine Fälschung sei. Mehrere Internetexperten prüften aber weiterhin die Echtheit des Videos. Wann mit einem abschließenden Ergebnis zu rechnen ist, ließ das Team Jauchs offen.

Varoufakis macht Jauch-Redaktion Vorwürfe

In einem Gespräch mit "Spiegel Online" erneuerte Varoufakis den Fälschungsvorwurf. "Das Video wurde ohne jeden Zweifel gefälscht." Dabei unterstellte er der Jauch-Sendung böse Absicht. "Es ist der beklagenswerte Versuch, eine TV-Show zu torpedieren, in der ich versucht habe, dem deutschen Publikum eine Hand der Freundschaft anzubieten." Außerdem warf der Minister Jauch vor, mit Absicht auf gefälschte Bilder zugegriffen zu haben. "Es ist unvorstellbar, dass sie nicht wussten, dass das Video gefälscht wurde."

Varoufakis' Äußerungen in dem Video bezogen sich allerdings auf die Vergangenheit und nicht auf die aktuelle Entwicklung. Auf Englisch hatte Varoufakis, der damals noch nicht Minister war, in Zagreb gesagt, Griechenland hätte schon im Januar 2010 nach dem Vorbild Argentiniens seine Zahlungsunfähigkeit erklären, "Deutschland den Finger zeigen und sagen sollen: "Jetzt könnt ihr dieses Problem alleine lösen"". Dabei zeigte Varoufakis seinen Finger.

"Wie passt das zusammen?"

In dem Einspieler mit den Varoufakis-Zitaten hieß es: "Varoufakis will den Griechen neues Selbstvertrauen geben und steht für klare Botschaften, besonders an Deutschland." Danach hatte Moderator Jauch gesagt: "Der Stinkefinger für Deutschland, Herr Minister. Die Deutschen zahlen am meisten und werden dafür mit Abstand am stärksten kritisiert. Wie passt das zusammen?".

Der Minister, der aus Athen zugeschaltet war, reagierte empört auf Jauchs Vorhalt: Das Video sei eine Fälschung, der ausgestreckte Mittelfinger hineinmontiert. Er könne das auch beweisen. Er warf der Sendung vor, "Dynamit" in die deutsch-griechischen Beziehungen zu streuen.

Dagegen wies auch Kameramann Alessandro Del Prete, der einen sechsminütigen Beitrag mit der strittigen Szene bei Youtube veröffentlicht hatte, den Fälschungsvorwurf über den Kurznachrichtendienst Twitter zurück. Es sei absolut keine Fälschung. Er habe aus 57 Minuten Material einen sechsminütigen Beitrag geschnitten. Termin der Äußerungen sei der 15. Mai 2013 gewesen, schrieb Del Prete.

"Offensichtlich die Unwahrheit gesagt"

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), der zu den Teilnehmern der Talkrunde gehörte, sagte der Online-Ausgabe des "Handelsblatt", er vertraue der Recherche der Redaktion von Jauch. "Das würde bedeuten, dass Herr Varoufakis offensichtlich im deutschen Fernsehen die Unwahrheit gesagt hat." Dies wäre ein Problem der Glaubwürdigkeit für die gesamte griechische Regierung. "Es wird jeden Tag schwieriger, Herrn Varoufakis noch als seriösen Verhandlungspartner zu akzeptieren."

Varoufakis hatte in der Sendung außerdem die Finanznöte seines Landes als "unbedeutende kleine Liquiditätsprobleme" bezeichnet und dafür geworben, den zuletzt scharfen Umgangston in der Schuldenkrise wieder zu entspannen. "Europa ist unser Haus", sagte er mehrfach.

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