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Griechenland-Krise: Im Sumpf der Emotionen - ein Kommentar

Griechenland-Krise  

Im Sumpf der Emotionen

19.06.2015, 15:26 Uhr

Griechenland-Krise: Im Sumpf der Emotionen - ein Kommentar. Frustriert: EZB-Chef Mario Draghi (links) und EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici beim Treffen der Finanzminister der Eurozone am Donnerstag. (Quelle: Reuters)

Frustriert: EZB-Chef Mario Draghi (links) und EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici beim Treffen der Finanzminister der Eurozone am Donnerstag. (Quelle: Reuters)

Ein Kommentar von Christian Kreutzer

Griechenland nervt. Die Gier der mächtigen Familien-Clans, das korrupte Gemauschel in allen öffentlichen Bereichen, der Mangel an Unrechtsempfinden, die verachtenswerte Schonung der Super-Reichen, das dummdreiste Auftreten der Regierung Tsipras - all das geht uns Mitteleuropäern gewaltig auf den Geist.

"Schmeißt die Griechen endlich aus dem Euro raus", fordert eine Mehrheit der Deutschen: Athens Regierung ist zu feige, das patriarchalisch geprägte Land zu reformieren; lieber verwandeln sie die Euro-Zone in ein Reich der Anarchie, in dem die Frechheit siegt und der pure Egoismus die Spielregeln bestimmt.

Kommt Griechenland damit durch, so die Befürchtung, würde der Rest der Euro-Zone ebenfalls die Lust verlieren, Regeln einzuhalten, setzten Spanien und Italien ebenfalls auf großmäulige Populisten statt weiter zu sparen. Das Friedensreich Europa glitte in eine neue Phase des Nationalismus ab. Egoismus löst eben Egoismus aus.

Die Kompromisslosigkeit Athens wühlt Europa auf

Auf der anderen Seite steht das kleine Griechenland - eine Volkswirtschaft von der Größe Hessens. Dort rutschen immer mehr Menschen in Armut und Not ab. "Die sparen uns kaputt", lautet der Tenor. Und es stimmt: Bei all dem Streit ums Sparen haben die Gläubiger ganz vergessen, für Wachstum zu sorgen - obwohl das die Voraussetzung ist, um alle anderen Voraussetzungen zu erfüllen.

Hier wie dort herrschen Emotionen: Die Kompromisslosigkeit Athens wühlt Europa auf, die Kompromisslosigkeit der Troika macht die Griechen fertig. Europa versinkt in einem Sumpf negativer Gefühle. Darin liegt die wahre Gefahr.

Denn die Stimmung ist manchmal wichtiger als die Fakten. Dafür muss man hin und wieder beide Augen zudrücken. Zur Erinnerung: Als Deutschland und Frankreich um die Jahrhundertwende wieder und wieder die selbst gesetzten Stabilitätskriterien verletzten, kam auch niemand auf die Idee, schwere Konsequenzen zu fordern.

Beim derzeitigen Streit um das Sparvolumen liegen die Parteien um rund zwei Milliarden Euro pro Jahr auseinander. Angesichts der mehreren hundert Milliarden, die Griechenland seinen Gläubigern schuldet, ist das kein großer Betrag.

Und jetzt mal Emotionen beiseite: Wir sprechen über die Europäische Union, die größte, glorreichste Friedensorganisation der Menschheitsgeschichte. Und die soll wegen ein paar Milliarden Euro und ein bisschen Stunk auseinanderbrechen?

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