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Hart aber fair: Bosbach und Brok geraten aneinander

Streit bei Plasberg  

"Das ist doch unterste Schublade, Elmar"

23.06.2015, 09:23 Uhr | Christian Chur, t-online.de

Hart aber fair: Bosbach und Brok geraten aneinander. Wolfgang Bosbach und Elmar Brok (beide CDU). (Quelle: ARD)

"Ich stehe zu meiner Meinung, die eine andere ist": Wolfgang Bosbach und Elmar Brok (beide CDU). (Quelle: ARD)

Weiter so oder Rausschmiss? Die Griechenland-Krise polarisiert offenbar auch Parteifreunde. So rasseln beim ARD-Talk "Hart aber fair“ Wolfgang Bosbach und Elmar Brok heftig aneinander, beide "seit vielen vielen Jahren befreundet", wie der Europaabgeordnete Brok zu Beginn der Sendung betont. Dennoch kann Moderator Frank Plasberg nicht verhindern, dass die Sendung über weite Strecken eine lahme Veranstaltung wird.

Griechenland, die 28.: Selbst Frank Plasberg scheint die Debatte um den Verbleib des Landes in der Eurozone aus den Ohren rauszukommen. Dennoch unternimmt er keinen Versuch, sich schwelenden Konflikten im Land wie Post-, Lufthansa- oder Kita-Streik zuzuwenden, sondern fragt einmal mehr: Der Griechen-Gipfel: Rausschmiss oder weiter so?

"Ich werde weiteren Milliardenzahlungen nicht zustimmen"

Bosbach hat es bei er Frage derzeit nicht leicht, der Bundestagsabgeordnete fühlt sich als Griechenland-Skeptiker auch innerhalb der CDU-Fraktion diskreditiert und in die Ecke des rechten Populisten gestellt: "Ich kenne überhaupt keinen Griechen, gegen den ich was haben könnte", sagt er der Verzweiflung nahe.

Dennoch werde er bei der gegenwärtigen Lage – "die griechische Regierung tanzt uns auf der Nase herum“ – im Bundestag nicht die Hand heben, wenn es darum geht, einem weiterem Hilfspaket zuzustimmen.

Sein Duz-Freund Elmar Brok muss sich als Europaabgeordneter wohl kompromissbereiter geben, fordert für frisches Geld aber eindringlich, dass Athen strukturelle Reformen umsetzen muss, damit ein Grexit abgewendet werden kann.

"Ich stimme ihm (Bosbach) überhaupt nicht inhaltlich zu, aber ich achte seine Meinung," sagt Brok. "Ich finde es gut, dass er dazu steht, und ich stehe zu meiner Meinung, die eine andere ist."

"Das ist doch unterste Schublade"

Bei "Hart aber fair“ herrscht zunächst Freundlichkeit und Verständnis: Es wird gedutzt, vertrauensvoll zugenickt und auf den Arm des anderen Gastes getätschelt. "Wer möchte zuerst antworten", fragt Plasberg im letzten Drittel der Sendung. "Elmar?" fragt Bosbach. "Bitte, Wolfgang", lässt Brok seinem Freund den Vortritt.

Doch dann geht es zur Sache. Bosbach führt aus, dass durch den Wegfall der Grenzkontrolle das Thema innere Sicherheit "schwieriger" geworden sei. "Dass das zu einem Verlust von Sicherheit geführt hat, das kann man doch nicht ernsthaft bestreiten," so der CDU-Politiker. Darauf Brok: "Ich lade dich dazu ein, dass wir heute um zehn Uhr die Stadttore hochziehen, dann wird es noch sicherer."

Bosbach reagiert verärgert: "Da haben wir es schon! Das ist genau das Niveau, das ich nicht mehr möchte, das ist genau das Niveau." Brok bleibt zunächst besonnen: "Wolfgang, wenn du etwas kritisierst, dann darf ich es mit ähnlichen Worten auch machen." Der Versuch, Ruhe in die Debatte zu bringen, scheitert. Bosbach schimpft: "Aber das ist doch unterste Schublade, Elmar." Der kontert: "Nein, was du gesagt hast, ist teilweise unterste Schublade." Man wolle sich aber darüber nicht streiten.

Ein Grexit zum Gähnen

Doch auch bei Plasbergs ARD-Kollege Günther Jauch am Abend zuvor hatten sich die Gäste bereits Wortgefechte geliefert: Das Bollwerk des linken Parteiflügels der Linken, Sahra Wagenknecht, diskutierte empört mit dem zuweilen polternden Ex-Finanzminister Theo Waigel von der CSU. Offenbar liegen bei dem Thema inzwischen die Nerven blank. Und ein Rezept im Gepäck, wie die Dauerkise zu meistern ist, war auch hier nicht geliefert worden.

In Plasbergs Runde nun bringt "Bild.de"-Chefredakteur Julian Reichelt einen Gedanken ins Rollen, der der Diskussion wahrlich nicht bekommt: Er schweift vom Thema ab. So gibt er zu bedenken, dass die Glaubwürdigkeit des Parlaments – also des deutschen Bundestags – auf dem Spiel stehe, wenn die Deutschen "schon wieder“ einem Hilfspaket zustimmen.

Die Publizistin und Wissenschaftlerin Ulrike Guérot:wird davon regelrecht befeuert und wähnt bereits im Jahr 1992 fatale Konstruktionsfehler der Währungsunion. Leider rattern ihre Worte wie die Platzpatronen eines G36-Gewehrs durch den Saal, ohne bei den anderen Talk-Gästen anzukommen – oder wenigstens eine emotionale Regung zu provozieren. Mit ihrer Fachsimpelei – was soll bitte ein OMT sein? - treibt sie sich ins Abseits der Talk-Runde. Selbst Moderator Plasberg kann da nur schmunzelnd den Kopf schütteln.

"Ich bin ein Produkt der europäischen Einigung"

Der Quoten-Grieche (genauer gesagt Deutsch-Grieche) und Journalist Michalis Pantelouris übernimmt am Montagabend die Rolle des Empathischen, der auf die prekären Lebensumstände verweist, mit denen mittlerweile viele Griechen zu kämpfen hätten. "Die schlemmen nicht, die stehen in Suppenküchen an", weist er den Vorwurf zurück, die Griechen würden auf Kosten der anderen Euroländer leben.

Zudem appelliert er in die Runde, die griechische Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras und Finanzminister Gianis Varoufakis endlich ihre Wahlversprechen einlösen zu lassen – und ihr mehr zuzutrauen. Für Pantelouris wäre ein Austritt Griechenlands fatal, denn es würde das beschämen, wofür in seinen Augen die Idee Europas steht: Für einen friedlichen Verbund europäischer Länder. Er selbst sei als Deutsch-Grieche ein "Produkt der europäischen Einigung".

Brüssel-Korrespondent Rolf-Dieter Krause fristet die meiste Zeit der Sendung über ein stummes Dasein am zugeschalteten Monitor und kann als "live" vom Krisengipfel zugeschalteter Journalist nicht mehr berichten als: "Die essen noch, Entscheidungen werden heute wohl nicht mehr getroffen." Auch Krause - so fundiert seine Meinung auch sein mag – trägt seinen Teil dazu bei, dass die Diskussion sich immer weiter von der Griechenland-Frage entfernt.

Ob Ungarn und Großbritannien langfristig in der Europäischen Union bleiben werden, sollte an anderer Stelle diskutiert werden. Er schließt sich insofern den Skeptikern in der Runde an, dass er einen Austritt Athens aus der Währungsunion nicht als Katastrophe bewerten würde. Zudem habe die Geschichte bisher gelehrt: "Eine Unumkehrbarkeit von Prozessen gibt es nicht". Soll wohl heißen: Die Griechen sollten sich nicht in Sicherheit wähnen, auf jeden Fall Euro-Mitglied zu bleiben.

"Sternstunde des Erklärjournalismus"

"Bild.de"-Chefredakteur Reichelt kommt Plasberg gegen Ende der Sendung zuvor und resümiert, dass "wir keine Antworten auf die zentralen Fragen gehört haben" - aber zumindest - und damit meint er die Ausführungen des zugeschalteten Krause – eine "Sternstunde des Erklärjournalismus" erlebt haben.

Dem will Plasberg nicht ernsthaft widersprechen, der zuweilen Probleme hatte, seiner Sendung mehr Profil zu geben. Bei der Frage der Verantwortung - wer trägt die Schuld an der Misere Griechenlands - kann er immerhin eine Anekdote zum besten geben: "Ich versuche schon meinem Sohn beibringen, nicht alles auf den Kumpel aus dem Kindergarten zu schieben."

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