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Stoiber-Express war bei "Günther Jauch" nicht zu stoppen

Jauch-Talk zur Griechen-Krise  

Edmund Stoiber redet sich in Rage

29.06.2015, 10:52 Uhr | von Julian Moering, t-online.de

Stoiber-Express war bei "Günther Jauch" nicht zu stoppen. Showdown Griechenland - Thema bei Jauch (Quelle: dpa)

Showdown Griechenland - Thema bei Jauch (Quelle: dpa)

Mit den Talksendungen zum Thema Griechenland verhält es sich in etwa so wie mit den Verhandlungen in der Schuldenkrise. Es gibt jede Menge davon und sie liefern keine Ergebnisse. Günther Jauch bildete da mit seiner allsonntäglichen Gesprächsrunde erneut keine Ausnahme. Bereits zum fünften Mal in diesem Jahr ließ der hausbackene Talker seine Gäste über die Griechen-Krise debattieren.

Tatsächlich spielte das turbulente Wochenende mit dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Athen und den Geldgebern und dem faktischen Staatsbankrott Griechenlands Jauch in die Karten und nicht umsonst fragte er auch: "Was wird aus Griechenland?"

Doch statt Antworten auf die Fragen rund um die Staatspleite, das Schließen der griechischen Banken und das anstehende Referendum, wurden altbekannte Positionen in wiedergekäuter Form vorgetragen.

Dennoch hatte die Sendung einen großen Unterhaltungswert, was vor allem den beiden Gästen Theodoros Paraskevopoulos und Edmund Stoiber zu verdanken war. Auf der einen Seite der Berater des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, ein ultralinker Dampfplauderer, der durch sein vorlautes Auftreten, seinen Duktus und seinen Hang zu Verschwörungstheorien erahnen ließ, wie es den Geldgebern in den Verhandlungen ergangen sein muss – und auf der anderen Seite der ehemalige bayrische Ministerpräsident und Ex-Kanzlerkandidat der CSU. Auch er ein Dampfplauderer vor dem Herrn, aber ein erzkonservativer, der sich, wohl angestachelt durch die pure Anwesenheit linker Kräfte, von Minute zu Minute mehr in Rage redete - und sich für keine Stammtischphrase zu schade war.

Ein Kreuzfeuer der Redelust, dem Jauch, der zusehends die Kontrolle über seine Sendung verlor, nicht gewachsen war.

Gesträubte Nackenhaare

Man merkte richtig: Wann immer einer der beiden Streithähne etwas hervorbrachte, sträubten sich beim Gegenüber augenblicklich die Nackenhaare. Spätestens als Paraskevopoulos die knackige Zeile ins Berliner Gasometer warf, die Geldgeber seien Griechenland "in keinem einzigen Punkt entgegengekommen", war der Stoiber-Express nicht mehr zu stoppen. Hier einmal die griffigsten Stoiber-Phrasen des Abends in loser Reihenfolge:

  • "Es gibt nun einmal Regeln!"
  • "Griechenland ginge es gut, wenn es so wäre wie Deutschland"
  • "Griechenland sollte sich selbst aus dem Euro hinausbegleiten"
  • "Auch wir in Deutschland haben eine Demokratie, nicht nur Griechenland"
  • "Was ist passiert? Nichts ist passiert!"
  • "Letzten Endes zahlen alle Steuerzahler in der Europäischen Union"
  • "Wenn jedes Land so wäre wie Griechenland, wäre die Eurozone längst über die Wupper"

Für jeden dieser Sätze, deren Silben er einzeln und mit ansteigender Lautstärke betonte, bekam Stoiber Applaus, den er sichtlich genoss. Wahrscheinlich hat der Politik-Veteran sogar Recht, wenn er in seiner sehr einfachen, oft unglücklichen und meist unfreiwillig komischen Art versucht zu erklären, was an Deutschlands Stammtischen seit Monaten beschlossene Sache ist: Wenn man etwas verspricht, muss man es auch halten. Das gilt auch für Griechenland.

Eurogruppe "geballte Inkompetenz"

Paraskevopoulos, der in Deutschland studiert hat und fließend Deutsch spricht, versuchte, mit Parolen ebenfalls knapp über Stammtischniveau dagegenzuhalten. Griechenland sei ein Vorkämpfer "für alle armen Länder Europas", die Eurogruppe ein Haufen "geballter Inkompetenz mit ideologischen Scheuklappen" und die Geldgeber wollten ja nur "die griechische Wirtschaft gezielt kaputt machen". Alles nicht neu, inhaltlich zudem fragwürdig  - aber höchst unterhaltsam vorgetragen. Der Punktsieg im Wettstreit der Dampfplauderer ging aber eindeutig an Stoiber.

Nur Nebenrollen im bayrisch-griechischen Theaterstadl spielten die beiden anderen Gäste: Anja Kohl, ARD-Börsenexpertin, und Klaus Regling, geschäftsführender Direktor des Euro-Rettungsschirms ESM. Dabei hatten sie durchaus interessante Dialoge. So war Kohl die einzige aus der Runde, die einen klugen und sachlichen Blick in die Zukunft warf.

Ihr Szenario: Der Internationale Währungsfond (IWF) wird am Dienstag eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands feststellen. Dann wird er eine Frist von üblicherweise vier Wochen für die Zahlung der ausstehende Rate von 1,6 Milliarden Euro einräumen, in der es noch zu Einigung kommen kann.

Für Tsipras gelte es, wie auch immer die Zeit zum Referendum am Sonntag zu überbrücken, wo das griechische Volk über die Forderungen der Geldgeber abstimmen kann. Dabei sei den Griechen laut Kohl durchaus bewusst, dass es hier um viel mehr geht, nämlich um eine Abstimmung über den Verbleib in der Eurozone. Folgen die Griechen dem Vorschlag der Regierung nicht, die Forderungen der Geldgeber abzulehnen, ist für Kohl klar: "Dann ist die Tsipras-Regierung gescheitert und es wird wohl Neuwahlen geben."

Referendum von zentraler Bedeutung?

Auch Regling misst dem Referendum eine zentrale Bedeutung zu, auch wenn er es sich zu einem deutlich früheren Zeitpunkt gewünscht hätte. Der studierte Volkswirt glaubt jedoch nicht, dass die Regierung Tsipras im Falle eines Scheiterns des Referendums mit "Energie und Tatkraft das Sparprogramm umsetzt". Da sei er doch "sehr skeptisch".

So oder so wird die Griechen-Krise die Gemüter hierzulande und anderswo in Europa noch eine ganze Weile erhitzen und es würde auch nicht verwundern, wenn Jauch, Plasberg und Co. Auch nächste Woche wieder fragen: "Athen nach dem Referendum  - Was wird aus Griechenland?" Vielleicht sollten sie es aber auch einfach mit Stoiber halten: "Schluss jetzt, sie haben lange genug geredet."

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