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Presse zu Griechenland: "Merkels Euro-Politik ist gescheitert"

Presseschau zu Griechenland  

"Merkels Euro-Politik ist gescheitert"

29.06.2015, 08:58 Uhr | dpa

Presse zu Griechenland: "Merkels Euro-Politik ist gescheitert". Pressestimmen zur Griechenlandkrise (Quelle: imago images)

Pressestimmen zur Griechenlandkrise (Quelle: imago images)

Das erneute Scheitern der Gespräche Griechenlands mit den Geldgebern und die damit verbundene weitere Verschärfung der Krise in dem hochverschuldeten Land sind natürlich Thema in den nationalen und internationalen Medien. T-online.de hat einige Pressestimmen zusammengetragen.

Die "Mitteldeutsche Zeitung" kommentiert die Schuldenkrise so:

"Die Verantwortung für die Eskalation trägt Tsipras selbst. Gescheitert ist aber auch die Euro-Politik von Angela Merkel. Ihr Bemühen, die Euro-Krise mit einer Mischung aus Spardruck und Entgegenkommen an die strauchelnden Länder zu entschärfen, hat die Währungsunion geschwächt und nicht stabilisiert. In Spanien oder Portugal mag es noch einigermaßen funktioniert haben, auch wenn die Menschen dort einen brutalen Preis dafür zahlen mussten und müssen.

In Griechenland haben fünf Jahre Rettungsversuche, zwei milliardenschwere Hilfsprogramme, ein Schuldenschnitte und enorm teure Nothilfen der Europäischen Zentralbank nichts bewirkt, außer dass alles immer schlimmer wurde.

Die Wirtschaft des Landes brach um ein Viertel ein, die Arbeitslosigkeit kletterte auf Rekordwerte, der Schuldenstand liegt höher denn je. Und dafür müssen die Steuerzahler in der Slowakei, in Deutschland und Frankreich höhere Lasten tragen als jemals für ein anderes Land. Billiger wird es jedenfalls nicht durch eine Staatspleite. Gescheitert ist die Politik des Durchwurstelns, das zu Merkels Markenzeichen wurde."

Die konservative britische "Times"

"Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone nehmen jetzt zu. Die Regierungen der Eurozonen-Länder werden diese Entwicklung kaum verhindern und ansonsten beobachten, wie (die Regierungspartei) Syriza die griechische Bevölkerung weiter verarmen lässt. Da es unmöglich ist, die Drachme wiedereinzuführen, dürfte ein negatives Votum bei der Volksabstimmung Griechenland zu einer Art Montenegro werden lassen: Kein Mitglied der EU oder der Eurozone, doch ohne eigene Währung und mit dem Euro als Währung. Trostlose Aussichten für ein stolzes und unabhängiges Land, das eine ideologisch gesteuerte und völlig wertlose Regierung in knapp sechs Monaten zu Boden gebracht hat."

"Neue Zürcher Zeitung":

"Ungeachtet der nun zu erwartenden Turbulenzen: Langfristig kann die Zäsur eine reinigende Kraft entfalten für den Euro-Raum. Endlich nimmt Brüssel etwas Abstand vom schleichend umgesetzten Konzept einer Haftungsunion. Dass daher Zweifel an der Irreversibilität des Währungsverbundes aufkommen, muss nicht schlecht sein. Den Euro-Staaten wird in Erinnerung gerufen, dass man sich die Mitgliedschaft in der Währungsunion stetig verdienen muss, mit solider Finanzpolitik. Vielerorts hat man diese Lektion gelernt, etwa in Irland, Spanien und Portugal. Es ist zu hoffen, dass die Botschaft endlich auch in den Schlüsselstaaten Frankreich und Italien ankommt. Die Euro-Zone würde dann gestärkt aus dem derzeitigen Drama hervorgehen."

"Saarbrücker Zeitung":

"Es spricht Bände, dass bei den jüngsten Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs kein einziges EU-Land mehr für das Verhalten Athens Verständnis hegte. Beim Machtantritt der Tsipras-Regierung vor einem halben Jahr sah das noch ganz anders aus. 'Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.' Dieser Satz gehört ebenfalls zum sprachlichen Fundus der Kanzlerin in der Griechenland-Krise. Merkel muss den Willen aufbringen für einen Weg, um das Ruder doch noch herumzureißen. Denn ein Grexit wäre nicht nur für Griechenland eine Katastrophe, sondern womöglich für ganz Europa."

"Stuttgarter Nachrichten":

"Glücklicherweise sind die Bürger meist klüger als die Politik annimmt. Jeder Euro, den die Griechen in diesen Tagen abheben, ist ein Misstrauensvotum gegen die Regierung Tsipras; und eine neue Umfrage zeigt, dass inzwischen weit mehr Griechen für eine Einigung mit der EU sind als dagegen. Nichts erscheint in diesen Tagen mehr ausgeschlossen - nicht einmal ein Verbleib der Griechen im Euro."

Die linksliberale Pariser Zeitung "Libération":

"Ein Austritt aus der Eurozone würde die Lage in Griechenland verschlimmern, besonders für sozial Schwache. Dies ist den Griechen klar. (Die Regierungspartei) Syriza bleibt zwar ohne Zweifel populär, doch die Bevölkerung ist mit großer Mehrheit für den Euro und würde nach ersten Umfragen den Schuldenplan der Europäer akzeptieren. Die Regeln der Eurozone wurden von Regierungen festgelegt, die genauso demokratisch gewählt wurden wie die Regierung in Athen."

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