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Ungarn: Stacheldraht an Grenze zu Serbien hält Flüchtlinge nicht auf

Trotz Stacheldraht und Sperranlagen  

Flüchtlingsansturm an ungarischer Grenze hält an

30.08.2015, 16:00 Uhr | dpa, AFP

Ungarn: Stacheldraht an Grenze zu Serbien hält Flüchtlinge nicht auf. Der Zaun, den Ungarn entlang der Grenze zu Serbien gebaut hat, scheint jeden Weg in die EU zu versperren. (Quelle: dpa)

Der Zaun, den Ungarn entlang der Grenze zu Serbien gebaut hat, scheint jeden Weg in die EU zu versperren. (Quelle: dpa)

Ungarn hat seine Grenze dicht gemacht. Aber der meterhohe Stacheldraht, Sperranlagen und Polizeikontrollen schrecken die Flüchtlinge nicht ab. Die hilfesuchenden Menschen fürchten nichts, weil alles, was sie hier im Westen erwartet, besser ist als das, was ihnen in ihren Heimatländern widerfährt. Weiterhin kommen Tausende über Serbien an.

"Wir haben weder Angst vor der ungarischen Polizei noch vor dem Zaun", ruft eine 29-jährige Syrerin, nachdem sie den Grenzübertritt von Serbien in die EU geschafft hat. "Das ist nichts im Vergleich zu dem, was wir in Syrien durchgemacht haben." Nach Deutschland will die junge Frau weiterreisen oder nach Schweden, so wie die vielen Tausend, die derzeit täglich über die Grenze kommen.

"Ich habe Geld, ich nehme ein Taxi"

Völlig unbeeindruckt von dem messerscharfen Stacheldraht zeigt sich auch ein 25-jähriger Computerexperte aus dem Irak. "Zäune oder Polizei sind mir egal. Ich habe Geld, ich finde ein Taxi", sagt der junge Mann in der Nähe des ungarischen Grenzorts Röszke. Er will zu Verwandten nach Belgien.

Alleine am Samstag seien es 2700 gewesen, sagt die ungarische Grenzpolizei. Der Rekord sei am vergangenen Mittwoch mit 3200 Flüchtlingen an einem Tag erreicht worden, darunter 700 Kinder.

Grenzer geben Menschen Tipps

Viele Flüchtlinge schlüpfen unter der untersten der drei Stacheldraht-Rollen durch - was weit weniger gefährlich ist, als zu versuchen, den Draht zu durchschneiden. Zum Anheben des Stacheldrahts nutzen sie lange Stangen, die ungarische Soldaten dort nach dem Errichten der Grenzbarriere haben liegen lassen - es scheint fast, als ob sie dies absichtlich getan hätten.

Auf serbischer Seite geben Polizisten den Flüchtlingen Tipps, wo sie am besten ohne Verletzungen über die Grenze kommen.

Warten auf Ausreise nach Deutschland

Wer es durch den Grenzzaun geschafft hat, reist weiter ins Landesinnere. In der Hauptstadt Budapest campieren derzeit mehrere hundert Flüchtlinge - überwiegend Syrer - am Bahnhof Keleti. Keiner will in Ungarn bleiben. Sie warten dort darauf, nach Deutschland ausreisen zu können. "Wir wollen weg!" oder "Deutschland!" stand auf mehreren Schildern, die Flüchtlinge hochhielten. Der 35-jährige Kasim, Mathematik-Lehrer aus dem Irak, sagt: "Ich will nach Deutschland gehen. Dort kann man Arbeit finden, und das Gesundheitssystem ist gut."

Die ungarischen Behörden wollen sie aber nur in Züge Richtung der Flüchtlingscamps von Debrecen oder Bicske im Grenzgebiet steigen lassen.

Weiterer meterhoher Zaun in Bau

Die ungarische Regierung hat am Wochenende die Fertigstellung einer vorläufigen Stacheldrahtbarriere an der Grenze zu Serbien gemeldet. Die aus Zaun und Stacheldrahtrollen bestehende Sperranlage verläuft vollständig entlang der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien. An einem weiteren, vier Meter hohen festen Zaun wird noch gebaut, wie das ungarische Verteidigungsministerium mitteilte.

Seit Jahresbeginn hat Ungarn rund 140.000 Flüchtlinge abgefangen. Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak, Afghanistan, Syrien, dem Kosovo und afrikanischen Staaten.

Es gibt auch scharfe Kritik am Stacheldraht. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte der "Le Monde", der Zaun verletze "die gemeinsamen europäischen Werte". Die Barriere müsse wieder abgebaut werden. Fabius warf Ungarn und anderen osteuropäischen Länder zudem eine "skandalöse" Haltung vor, weil sie nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen.

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