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Tschechien markiert Flüchtlinge mit Nummern auf der Haut

Menschenrechtler empört  

Tschechien markiert Flüchtlinge mit Nummern auf der Haut

02.09.2015, 22:54 Uhr | AFP

Tschechien markiert Flüchtlinge mit Nummern auf der Haut. Eine Polizistin beschriftet am tschechischen Bahnhof Breclav die Hand einer Geflüchteten. (Quelle: AP/dpa)

Eine Polizistin beschriftet am tschechischen Bahnhof Breclav die Hand einer Geflüchteten. (Quelle: AP/dpa)

Die Praxis von Tschechien, Flüchtlingen Nummern auf die Haut zu schreiben, hat für Empörung gesorgt. Kein Gesetz erlaube es, die Migranten auf diese Weise zu behandeln, sagte die Anwältin Zuzana Candigliota von der tschechischen Liga für Menschenrechte.

Kritiker fühlen sich an die Häftlingsnummern für KZ-Gefangene erinnert. Die Sicherheitsbehörden haben ihr Vorgehen dagegen verteidigt. Die Prozedur solle verhindern, dass Familien getrennt werden.

Am Montag und Dienstag hatten Polizisten den meist aus Syrien stammenden Flüchtlingen Nummern auf die Hände geschrieben. Sie waren in Zügen aus Österreich und Ungarn an die tschechische Grenze gekommen. Das Innenministerium in Prag erklärte, so solle sichergestellt werden, "dass keine Kinder verloren gehen".

Auch Polizeisprecherin Katerina Rendlova betonte, dass die Markierungen der Identifizierung von Familien dienten. Zudem werde die Zugnummer notiert, "damit wir wissen, in welches Land wir sie gegebenenfalls zurückschicken müssen". Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten beharrte die Regierung in Prag bisher auf den Regeln des Dublin-Verfahrens, wonach die Flüchtlinge in die jeweiligen Ankunftsländer in der EU zurückgeschickt werden müssen.

Zettel-Methode funktioniert angeblich nicht

Zuvor seien den Flüchtlingen in Tschechien Zettel mit Nummern ausgehändigt worden, diese seien aber oftmals weggeworfen worden, sagte Polizeisprecherin Rendlova. "Sie haben die Markierungen akzeptiert, sie haben kein Problem damit, weil sie wissen, dass es in ihrem Interesse ist."

Menschenrechtsanwältin Candigliota zweifelte diese Angaben jedoch an: "Ich denke, sie haben es akzeptiert, weil sie glauben, die Polizei habe das Recht dazu." Auch der Prager Jurist Marek Dufek kritisierte das Vorgehen der Behörden. "Ich weiß, dass die Lage schwierig ist, weil die Flüchtlinge keine Ausweise haben, aber aus rechtlicher Sicht ist das nicht in Ordnung."

Tschechien ändert Verfahren für Flüchtlinge

Inzwischen will Tschechien syrische Flüchtlinge rascher nach Deutschland weiterreisen lassen. Nach dem neuen Verfahren werden die Flüchtlinge, die in Ungarn Asyl beantragt haben, aber von dort schon weiter nach Tschechien gelangt sind, innerhalb von sieben Tagen zu einem Bahnhof gebracht und dürfen ihre Reise nach Deutschland fortsetzen. Das bestätigte die Sprecherin des Innenministeriums, Hana Mala.

Das bisherige Verfahren, nach dem syrische Flüchtlinge bis zu 42 Tage festgenommen und dann nach Ungarn zurückgebracht wurden, "ergibt keinen Sinn", da Budapest die syrischen Asylsuchenden nicht wolle und Deutschland zu ihrer Aufnahme bereit sei, fügte sie hinzu.

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