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Tausende Flüchtlinge aus Ungarn erreichen Deutschland

Endstation Sehnsucht  

Tausende Flüchtlinge aus Ungarn erreichen Deutschland

05.09.2015, 21:21 Uhr | dpa

Tausende Flüchtlinge aus Ungarn erreichen Deutschland. Er hat es mit einem der Flüchtlingszüge geschafft, und niemand kann ahnen, was er durchgemacht hat: Ein kleiner Junge am Münchner Hauptbahnhof. (Quelle: AP/dpa)

Er hat es mit einem der Flüchtlingszüge geschafft, und niemand kann ahnen, was er durchgemacht hat: Ein kleiner Junge am Münchner Hauptbahnhof. (Quelle: AP/dpa)

Sie liefen von Ungarn nach Österreich. Von dort ging es weiter in Bussen und mit der Bahn nach Deutschland. Tausende Flüchtlinge sind in Berlin, München und Frankfurt angekommen, wo die Hilfsbereitschaft der Menschen groß ist. Während die Hilfesuchenden versorgt und unterbracht werden, machen sich weitere tausende Menschen auf den Weg.

Mit der Einreisegenehmigung hat Deutschland den Hilfesuchenden das Tor zum Westen geöffnet. Ermöglicht hatte dies eine Vereinbarung zwischen Berlin, Wien und Budapest, die in Ungarn festsitzenden Menschen ausnahmsweise ohne bürokratische Hürden und Kontrollen einreisen zu lassen. Die Deutsche Bahn setzte hierfür Sonderzüge ein und stockte ihr Personal auf.

Zur ersten Anlaufstelle wurde im Tagesverlauf München. Nach einem Sonderzug am Samstagmittag trafen dort im Stundentakt weitere Züge mit jeweils mehreren hundert Flüchtlingen vor allem aus Syrien ein.

Am Sonntag erneut Flüchtlingsströme denkbar

Offizielle schließen nicht aus, dass auch am Sonntag tausende Flüchtlinge in München ankommen. "Es wird womöglich in dem Takt wie heute weitergehen", sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, am Samstagabend. Am Samstag seien allein zwischen 8 und 20 Uhr 6000 Menschen über den Hauptbahnhof München geleitet worden. In der Nacht werde noch ein Zug mit 1000 Flüchtlingen erwartet.

Weitere 1300 Migranten werden in Baden-Württemberg erwartet. Darüber hinaus rollten Züge vor allem nach Frankfurt am Main und ins thüringische Saalfeld, wo am Abend circa 600 Flüchtlinge ankamen.

Verteilung auf Bundesländer

Alle zuständigen Stellen von Bund und Ländern bemühten sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums um die Verteilung von bis zu 7000 Flüchtlingen. Die Migranten sollen laut Innenministerium noch am Wochenende mit Zügen und Bussen auf die Bundesländer verteilt werden.

Zur Verteilung ziehen die Behörden den sogenannten "Königsteiner Schlüssel" heran, den es seit 1949 gibt und damals im hessischen Königstein von den Ministerpräsidenten der neuen Bundesländer beschlossen wurde. Der Schlüssel dient seither eigentlich zur Finanzierung von Forschungseinrichtungen außerhalb der Universitäten. Das Instrument wird inzwischen aber auch für andere Fragen rund um die Lastenverteilung unter den Ländern genutzt. Seit Anfang 2005 dient der Schlüssel als Basis für die Verteilung von Asylbewerbern.

Der Schlüssel basiert auf den Steuereinnahmen (zählt zwei Drittel) und Einwohnerzahlen (zählt ein Drittel) der Länder und wird jedes Jahr neu ermittelt.

 (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)

Bei der Unterbringung und Integration dauerhaft in Deutschland bleibender Menschen müsse "jede Ebene - Länder, Kommunen und auch der Bund - ihren fairen Anteil tragen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Video-Botschaft.

CSU nennt Entscheidung für Flüchtlingsaufnahme falsch

Die Entscheidung von Kanzlerin Merkel für eine Aufnahme der Flüchtlinge stößt auf scharfe Kritik der Schwesterpartei CSU. Das berichtet die "Bild am Sonntag".

Das Parteipräsidium habe am Samstagabend in einer eigens einberufenen Telefonkonferenz die Einreiseerlaubnis einstimmig als "falsche Entscheidung des Bundes" gerügt, berichtet die "BamS". Beim Koalitionsausschuss von Union und SPD am Sonntagabend wolle die CSU deshalb die Aufnahmefähigkeit Deutschlands thematisieren und Maßnahmen zur Begrenzung des Flüchtlingsandrangs verlangen.

"Die Präsidiumsschalte war zurecht sehr deutlich", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. "Der massenhafte Zustrom von Flüchtlingen nur nach Deutschland muss gestoppt werden."

Weitere Menschen auf dem Weg

Obwohl Berlin von einer Ausnahme spricht, versuchten Hunderte in Budapest und mehreren ungarischen Aufnahmelagern festsitzende Flüchtlinge, ebenfalls ihre Ausreise über Österreich zu erzwingen.

Im Ostbahnhof der ungarischen Hauptstadt strömten wieder mindestens 1000 neu angereiste Flüchtlinge zusammen. Vor dem Haupteingang des Gebäudes organisierten Syrer am Nachmittag einen Sitzstreik mit ungefähr 300 Menschen, um erneut Busse zur österreichischen Grenze einzufordern. Einige seien bereits zu Fuß aufgebrochen

Wie geht die EU mit Flüchtlingsstrom um?

Beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg betonte Frank-Walter Steinmeier: "Die Hilfe in der gestrigen Notlage war verbunden mit der dringenden Mahnung dafür, daraus gerade keine Praxis für die nächsten Tage zu machen."

Offen ist daher, wie Deutschland und die EU-Partner mit dem weiteren Flüchtlingszustrom grundsätzlich umgehen und diesen gerechter verteilen wollen. Eine Quote hierfür werde von einigen Ländern zwar weiter abgelehnt, sagte Steinmeier. Zugleich scheine es aber die Bereitschaft Großbritanniens und anderer EU-Staaten zu geben, "sich stärker (...) an einer europäischen Gesamtverantwortung zu beteiligen".

Steinmeier forderte einen Flüchtlingsgipfel der EU-Staaten Anfang Oktober. Grundsätzlich müsse es aber dabei bleiben, dass derjenige Mitgliedstaat für ein Asylverfahren verantwortlich ist, in dem ein Asylbewerber erstmals europäischen Boden betritt.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban will in der kommenden Woche mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann zusammenkommen, um über die Flüchtlingskrise zu beraten. "Es gibt eine offensichtliche Meinungsverschiedenheit zwischen uns", sagte Orban laut der staatlichen ungarischen Nachrichtenagentur MTI.

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