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"Das neue Russland": Michail Gorbatschow enttäuscht von Europa

Enttäuscht von Europa  

Gorbatschow zieht bittere Bilanz

10.09.2015, 12:25 Uhr | dpa

"Das neue Russland": Michail Gorbatschow enttäuscht von Europa. Michail Gorbatschow war einer der mächtigsten Politiker der Welt - jetzt blickt er enttäuscht auf Europa und die Nato. (Quelle: imago/ITAR TASS )

Michail Gorbatschow war einer der mächtigsten Politiker der Welt - jetzt blickt er enttäuscht auf Europa und die Nato. (Quelle: imago/ITAR TASS )

Enttäuschter Blick auf Europa: Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow (84) ist alles andere als glücklich, was das aktuelle Verhältnis zwischen Berlin und Moskau anbelangt. Das Erbe des Kalten Krieges sei auch 25 Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten noch nicht überwunden.

In seinem autobiographischen Buch "Das neue Russland" fordert der Friedensnobelpreisträger gemeinsame Initiativen von Russland und Deutschland beim Aufbau eines "vereinten Europas". Doch die Zeichen dafür stünden zumindest derzeit nicht gut, so Gorbatschow.

"Anstatt sich zum Vorreiter der Veränderungen in der globalen Welt zu entwickeln, ist Europa zum Schauplatz von politischen Unruhen, Konkurrenz um Einflusszonen und einer militärischen Auseinandersetzung geworden", schreibt der Politiker mit Blick auf den Konflikt in der Ukraine.

Europa habe in der Weltpolitik seine "eigene Stimme" verloren, sei geschwächt und ziellos.

Auf Kremlkurs eingeschwenkt

Gorbatschow gilt als einer der "Väter der Deutschen Einheit". 25 Jahre nach dem Mauerfall liegt er nun eher auf Kremllinie und gibt dem Westen die Schuld an den neuen geopolitischen Spannungen. "Die Erweiterung der Nato erschütterte die Grundlagen der europäischen Ordnung", lautet eine seiner Thesen. Länder Zentral- und Osteuropas seien als neue Mitglieder aufgenommen worden, ohne Bedrohungslage. Es gebe einen neuen Konfrontationskurs. Dagegen gehe von Russland keine Gefahr aus, beteuert er.

"Die Nato eignete sich die Funktion einer europäischen Polizei an, ja, sogar einer Weltpolizei. Angefangen hatte das bereits in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre, als sich die Nato in den Konflikt im zerfallenden Jugoslawien einmischte", schreibt Gorbatschow. Die USA seien noch immer einer Politik verhaftet, "einem Land die Demokratie mit Panzern und Bomben aufzudrängen".

"Druck auf Russland bringt Schaden"

Es ist ein altgewordener und von Krankheiten geschwächter Gorbatschow, der versucht, seinen Frieden mit seiner russischen Heimat zu machen. "Es ist höchste Zeit, dass der Westen versteht: Jeder Druck auf Russland bringt nichts außer Schaden", schreibt er.

Präsident Putin bescheinigt er einmal mehr zwar autoritäre Tendenzen, lobt aber auch dessen "Willenskraft, Geist, Selbstdisziplin, die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Gegenschläge durchzustehen".

Westen habe seinen Nachfolger "bedingungslos" gepusht

Gorbatschow hadert wohl immer noch ein wenig mit seinem eigenen Machtverlust - gut zwei Jahrzehnte nach seiner Ablösung im Kreml. So äußert er seine Verärgerung darüber, dass der Westen den russischen Präsidenten Boris Jelzin (1931 bis 2007) "gefährlich und bedingungslos" unterstützt habe, jenen Mann, der jäh die Reformen von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) beendet habe.

Jelzin sei es auch gewesen, so Gorbatschow, der die Weichen gestellt habe für neue autoritäre Tendenzen in Russland - einen Kurs, den Kremlchef Wladimir Putin nach ihm fortgesetzt habe.

Eine verbitterte Abrechnung

In seinem Buch "Posslje Kremlja" zeichnet der Politiker dieses eigene schmerzhafte Scheitern und den Zerfall der Sowjetunion nach. Er zieht vor allem kritische Bilanz zur Lage in Russland und in der Welt. Es ist auch eine verbitterte Abrechnung eines Politikers, der lange Zeit in der Wahrnehmung vieler Russen als eine Art "Agent" des Westens galt und vor allem in Abrüstungsfragen auf die USA zuging, am Ende aber enttäuscht zurückbleibt.

Sein Buch ist aber auch ein Plädoyer für eine neue Reformpolitik in Russland - und die Warnung vor einer jahrelangen Stagnation unter Putin.

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