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Helmut Kohl: Flüchtlingskrise wird nicht in Europa gelöst

"Es geht um unsere Existenz"  

Kohl: Flüchtlingskrise nicht in Europa zu lösen

17.04.2016, 08:35 Uhr | AFP

Helmut Kohl: Flüchtlingskrise wird nicht in Europa gelöst. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bei einem Festakt in Berlin in 2013. (Quelle: dpa)

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bei einem Festakt in Berlin in 2013. (Quelle: dpa)

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) hat die Grenzöffnung für Flüchtlinge vom September vergangenen Jahres erneut kritisiert. Im Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buchs "Aus Sorge um Europa" schrieb er: "Die Lösung liegt in den betroffenen Regionen. Sie liegt nicht in Europa. Europa kann nicht zur neuen Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden." Das berichtet der "Tagesspiegel am Sonntag".

Vor seinem Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban am Dienstag stellte der Ehrenbürger Europas die Entscheidung von Kanzlerin Angela Merkel in Frage, Flüchtlinge aus Ungarn zur Weiterreise nach Deutschland einzuladen. 

Ohne Merkel beim Namen zu nennen, schrieb er in dem Vorwort: "Einsame Entscheidungen, so begründet sie dem einzelnen erscheinen mögen, und nationale Alleingänge müssen der Vergangenheit angehören". Merkel hatte den Entschluss damals nicht mit den EU-Partnern abgesprochen.

"Einig mit meinem Freund Orban"

Zudem betonte Kohl seine Freundschaft mit dem ungarischen Regierungschef, den schärfsten Widersacher Merkels in der EU. In Europa-Fragen "weiß ich mich mit meinem Freund Viktor Orban einig", schrieb er demnach. Kohl will Orban bei sich zu Hause empfangen.

Die Europäische Union sieht Kohl wegen der Flüchtlingskrise in einer "Zerreißprobe". Durch den "Rückfall in altes, nationalstaatliches Denken" würden "unser Frieden und unsere Freiheit existenziell gefährdet". Neben den humanitären Aspekten müsse Europa zugleich "wohlbegründete kulturelle und sicherheitspolitische Interessen berücksichtigen".

Unterschiedliche Kulturkreise führten zu Verunsicherung

Viele Flüchtlinge kämen "aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Sie folgen oft auch einem anderen als dem jüdisch-christlichen Glauben, der zu den Grundlagen unserer Werte- und Gesellschaftsordnung gehört". Das führe zu Diskussionen sowie zu Verunsicherungen bei den Menschen. "Es geht um unsere Existenz", schrieb Kohl dem Bericht zufolge.

Den Regierungen der EU-Staaten empfahl er "mehr Miteinander statt Gegeneinander, mehr Vertrauen als Misstrauen, mehr Verlässlichkeit und Berechenbarkeit im Umgang miteinander". Er sei heute "zugleich voller Zuversicht wie voller Sorge". Europa müsse "wieder verstärkt an einem Strang ziehen. Ungarn darf dabei nicht fehlen", schloss Kohl dem Bericht zufolge sein Vorwort.

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