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Brexit-Umfrage: Befürworter liegen zu sieben Prozent vorn

Aufschwung in Umfragen  

Brexit-Befürworter erstmals deutlich vorn

15.06.2016, 12:46 Uhr | dpa, rtr

Brexit-Umfrage: Befürworter liegen zu sieben Prozent vorn. Die Zeichen stehen auf Brexit: Die EU-Gegner in Großbritannien sind im Aufwind. (Quelle: dpa)

Die Zeichen stehen auf Brexit: Die EU-Gegner in Großbritannien sind im Aufwind. (Quelle: dpa)

Neun Tage vor dem EU-Referendum in Großbritannien liegen nach zwei neuen Umfragen die Befürworter eines Brexits mit bis zu sieben Prozentpunkten vorn. In den vergangenen Wochen hatten sich beide Lager noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.

In einer Meinungsumfrage des Instituts YouGov für die Zeitung "The Times" sprachen sich 46 Prozent der Befragten für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union aus. Die Brexit-Gegner des "Remain"-Lagers ("Bleiben") kamen demnach auf 39 Prozent, 11 Prozent der Befragten seien noch unentschlossen. Ende Mai hatte YouGov beide Lager noch gleichauf gesehen.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Bei einer Befragung für den "Daily Telegraph" fiel das Ergebnis knapper als bei YouGov aus - mit einem Prozentpunkt Vorsprung für das Brexit-Lager. Eine andere Umfrage des Instituts ICM im Auftrag der Zeitung "The Guardian" kam zu dem Ergebnis, dass die "Leave"-Kampagne ("Rausgehen") mit 53 zu 47 Prozent führe. Das Lager der unentschlossenen Befragten wurde dabei nicht berücksichtigt.

Auch Buchmacher glauben an Brexit

Bei Buchmachern wurde die Wahrscheinlichkeit für den Brexit am Dienstag auf 45 Prozent geschätzt und damit so hoch wie nie zuvor. "Es sieht ganz danach aus, als wäre es unvermeidlich, dass die Brexit-Befürworter am Wochenende in der Mehrheit sind", sagte ein Sprecher des Buchmachers William Hill. 

Beim Online-Wettanbieter Betfair lag die Brexit-Wahrscheinlichkeit bei 45 Prozent. Am Montag waren es noch 36 Prozent. Bereits damit war sie so hoch wie noch nie seit Ankündigung der Volksabstimmung vor rund vier Monaten. Allein seit Donnerstag ist die Quote um 23 Punkte gestiegen. Buchmacher können ihre Quote praktisch in Echtzeit anpassen, nicht zuletzt dank der Online-Wettbörsen. Sie sind dadurch schneller als die Meinungsforscher, die für ihre Prognosen Tausende Wähler anrufen müssen.

"Sun" will sich vom "Diktat Brüssels" befreien

Zugleich erhielt die "Leave"-Kampagne für einen Austritt prominente Unterstützung: Die Redaktion der beliebten Boulevardzeitung "The Sun" sprach sich in einem Kommentar auf der Titelseite für einen EU-Austritt aus. Die Briten sollten sich "vom diktatorischen Brüssel befreien", hieß es. Die Zeitung hat eine tägliche Auflage von rund 1,7 Millionen Exemplaren.

Das Referendum findet am 23. Juni statt. Der Chef der Oppositionspartei Labour, Jeremy Corbyn, will sich stärker in den Wahlkampf einschalten. Er wird dabei argumentieren, dass die EU Arbeitsplätze sichert, wie aus vorab veröffentlichten Rede-Auszügen hervorgeht. Corbyn wurde zuletzt immer wieder vorgeworfen, zu wenig Engagement zu zeigen. Die Regierungspartei von Premierminister David Cameron ist entgegen der Pro-EU-Partei Labour tief gespalten bei der Frage, ob Großbritannien außerhalb oder innerhalb der EU besser aufgehoben ist. Cameron selbst wirbt allerdings für einen Verbleib.

Bundesregierung spielt Szenarien durch

Das britische Referendum sorgt weltweit für Unruhe. Die Bundesregierung spielt verschiedene Szenarien durch, ohne jedoch Details zu nennen. Es werde ausprobiert, was getan werden müsste oder eben nicht, sagte Finanzstaatssekretär Jens Spahn in der ARD. Bezüglich möglicher Handelsabkommen mit Großbritannien bei einem Brexit sagte er: "Eins ist klar, es muss einen Unterschied machen, ob man Teil der Familie ist oder ob man nur Nachbar ist."

Zugleich sprach sich Spahn für Veränderungen in der EU aus: "Europa wird so oder so in beiden Fällen nicht einfach so weitermachen können." Ähnlich äußerte sich auch der Chef des Euro-Rettungschirms, Klaus Regling. Seiner Meinung nach sollte es den 28 Mitgliedsstaaten künftig möglich sein, sich unterschiedlich schnell in die Gemeinschaft zu integrieren.

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