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Brexit-Kommentar: Weitere Volksabstimmungen wären eine Katastrophe!

Europa nach dem Brexit  

Weitere Volksabstimmungen wären verhängnisvoll

24.06.2016, 11:18 Uhr | Daniel Reviol, t-online.de

Brexit-Kommentar: Weitere Volksabstimmungen wären eine Katastrophe!. Londoner Brexit-Gegner reagieren enttäuscht auf die Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse. (Quelle: dpa)

Londoner Brexit-Gegner reagieren enttäuscht auf die Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse. (Quelle: dpa)

Ein Kommentar von Daniel Reviol

Entgegen aller sachlichen Argumente hat sich Großbritannien für den Brexit ausgesprochen - ein letzter großer Beweis für die tiefe Krise, in der die Europäische Union steckt. Weitermachen wie bisher ist unmöglich, Europas Politiker müssen sich hinterfragen. Aber: Noch mehr Volksabstimmungen wären eine Katastrophe.

Die Entscheidung der Briten ist eine Niederlage der Vernunft: Der Brexit wird der Wirtschaft von Großbritannien schaden - selten waren sich die Ökonomen so einig. Es stellt sich die Frage: War das Referendum wirklich notwendig? Hätte David Cameron den Gegenwind aus der europafeindlichen UKIP-Partei und aus der eigenen konservativen Partei nicht einfach aushalten können, statt die Verantwortung an die Bevölkerung weiterzureichen?

Sicher ist: Die Gefahren, die das Referendum mit sich brachte, müssen anderen EU-Staaten als Abschreckung dienen. Denn die Abstimmungen schaden der europäischen Gesellschaft.

Großbritannien den Populisten zum Fraß vorgeworfen

Als Premier Cameron die Volksabstimmung ankündigte, machte er sein Land zum Schlachtfeld der Populisten. Eine komplexe Debatte reduziert auf ein schlichtes "Leave" oder "Remain": der Traum aller Lautsprecher und Stammtisch-Rabauken. In der Folge hetzten "Mr. Brexit" Nigel Farage (UKIP), aber auch Camerons partei-interner Gegner Boris Johnson in Dauerschleife gegen die EU. Während der eine (Farage) EU-Funktionäre und Angela Merkel schon mal als "gewöhnliche Kriminelle" und "gefährliche Fanatiker" beleidigte, packte der andere (Johnson) den obligatorischen Hitler-Vergleich aus.

Viele Bürger reagieren immun auf das Geschrei der Populisten. Aber gerade in Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit gibt es auch die anderen: Menschen, deren politische Haltung - verständlicherweise - von Enttäuschung und Frust geprägt ist. Menschen, die sich in einer schnelllebigen, modernen und komplizierten Welt nach alten Werten und einfachen Lösungen sehnen.

Die Farages und Johnsons dieser Welt wissen das - und es gibt sie inzwischen zuhauf in Europa. Sie schaffen Feindbilder, auf die andere ihre Wut projizieren können; in diesem Fall musste die Europäische Union herhalten. Mit nationalstaatlichen Parolen ("Make Britain great again") suggerieren sie Vorstellungen von einer geordneten, besseren Welt, wie sie früher angeblich einmal war. Als ob sich das Rad der Zeit zurückdrehen ließe.

Also mehr Demokratie und mehr politisches Bewusstsein durch Volksabstimmung? Im Gegenteil: Sie bringen mehr Stimmung, mehr Spaltung, noch mehr Wut.

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