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EU-Politiker: "David Cameron ist schuld am Brexit"

Europa-Politiker einig  

"Cameron ist der Schuldige"

24.06.2016, 12:48 Uhr | ckr , t-online.de

EU-Politiker: "David Cameron ist schuld am Brexit". Gespielt und verloren: Zukünftiger Ex-Premier David Cameron. (Quelle: dpa)

Gespielt und verloren: Zukünftiger Ex-Premier David Cameron. (Quelle: dpa)

"Ich hab' nur zwei Minuten", sagt Elmar Brok. Es ist 5:50 Uhr am Freitagmorgen. Die Briten haben für den Brexit gestimmt (hier zum Live Blog). Der CDU-Politiker bricht gerade zu seinem TV-Auftritt im Morgenmagazin von ARD und ZDF auf. 

Brok sagt am Telefon, was er heute noch oft sagen wird: "Wenn man der eigenen Bevölkerung zehn Jahre lang erzählt, wie schlecht die EU ist, kann man nicht in sechs Wochen erklären, warum man drin bleiben muss." Das solle anderen Regierungen eine Warnung sein.

"Er hätte das Referendum nie ansetzen dürfen" 

Mit "man" ist Großbritanniens Premierminister David Cameron gemeint, der kurz darauf seinen Rücktritt ankündigt. Er ist der, auf den sich die Wut deutscher Europa-Politiker heute morgen richtet.

Broks SPD-Mitstreiter Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, stößt ins gleiche Horn: "David Cameron hat große Verantwortung auf sich geladen. Wir respektieren Ergebnis", twittert er in Kurzform. 

Grünen-Politiker Jürgen Trittin meldet sich per Mail bei t-online.de. Sein Statement: "Es ist vor allem das Versagen von David Cameron." Der Zauberlehrling Cameron habe den europafeindlichen Besen Boris Johnson nicht mehr gebändigt bekommen. 

"Cameron ist der Schuldige", sagt auch SPD-Europaexperte Axel Schäfer. Er ruft t-online.de kurz nach der frühmorgendlichen Telefonschalte mit dem SPD-Vorstand an. "Er hätte das Referendum nie ansetzen dürfen. Er hat sein Land gespalten", sagt Schäfer. 

Fakt ist: Cameron hatte im Januar 2013 angekündigt, das Referendum für spätestens 2017 anzusetzen, falls er zu diesem Zeitpunkt noch Premierminister sei. Im Mai 2015 wurde er wiedergewählt - seine Konservativen erreichten sogar knapp die absolute Mehrheit, vermutlich als Folge seines Versprechens. Jetzt zahlt Cameron, der zuletzt wieder für den Verbleib in der EU war, den Preis dafür. 

"Wenn es regnet, war es Brüssel..."

Den Europaabgeordneten Michael Gahler (CDU) erbittert vor allem, dass Politiker wie Cameron immer nach dem Motto handelten: "Wenn es regnet, war es Brüssel, wenn die Sonne scheint, war ich es." Gahler bleibt aber Optimist: "Immerhin haben sich im EU-skeptischsten Land Europas fast 50 Prozent der Wähler für die EU entschieden." 

Und jetzt? Alfa-Politiker und AfD-Gründer Bernd Lucke wirbelt heute morgen von Interview zu Interview. Atemlos gibt er am Telefon zu Protokoll, dass auch er enttäuscht sei und dass er die EU "im Kern" für gut halte. Jetzt, so der Euro-Gegner, müsse man aber Ernst machen, mit den EU-Reformen. Das bedeutet für Lucke vor allem: Kompetenzen an die Mitgliedsländer zurückzugeben.

"Cameron verdammen? Bringt nix" 

Da widerspricht ihm an diesem Morgen niemand: "Der Vorwurf lautet: Europa liefert nicht mehr. Jetzt muss es liefern", gibt Brok zu. 

Nachdenklicher als andere ist der Grüne Berliner Außenpolitiker Omid Nouripour: "Cameron verdammen? Bringt nix", sagt Nouripour. "Die Frage lautet: Wie halten wir Großbritannien so nah wie möglich an Europa? Und wie halten wir den Rest des Ladens zusammen?" Nouripour empfiehlt: "Luft holen, nachdenken, nicht das Erste, was man sowieso immer von sich gibt, nochmal sagen." Das sollten alle zusammen tun.  

Im Rhein-Main-Gebiet hat Frank Sportolari gerade gefrühstückt. Der Deutschland-Chef vom Paketdienst UPS stammt aus Chicago und findet die Entscheidung der Briten "unverständlich". Berührt hat ihn, dass die jungen Briten mehrheitlich in der EU bleiben wollten, aber jetzt die Entscheidung der Alten ausbaden müssten.

Als Amerikaner sorgt sich Sportolari, dass die Entscheidung der Briten auch dem US-Populisten Trump Aufwind geben wird. Handelsnachteile erwartet er vorerst nicht: "Wir werden unsere britischen Kundern weiter unterstützen." 

"Die Briten werden sich wundern" 

Viel Mitleid hat niemand mit den Briten - die Ankündigungen klingen trotz aller Akzeptanz der demokratischen Entscheidung eher grimmig: "Der Austritt beginnt heute" - diese Feststellung hat Schäfer aus der Besprechung des SPD-Vorstands mitgebracht. Das bedeutet: Keine Binnenmarkt-Vorteile, keine Mätzchen mehr, draußen ist draußen. 

Und CDU-Mann Gahler prophezeit den Briten: "Sie werden sich wundern. Es gibt kein Empire mehr als backup."

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