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Brexit-Talk bei Maybrit Illner: "Werden ein Little England haben"

Entscheidung in Großbritannien  

Brexit-Talk: "Statt Great Britain werden wir Little England haben"

24.06.2016, 12:58 Uhr | Nico Damm, t-online.de

Brexit-Talk bei Maybrit Illner: "Werden ein Little England haben". Brexit-Talk bei "Maybrit Illner": Die EU kam erstaunlich milde davon. (Quelle: imago)

Brexit-Talk bei "Maybrit Illner": Die EU kam erstaunlich milde davon. (Quelle: imago)

In der Talk-Runde bei Maybrit Illner am Tag der "Brexit"-Abstimmung bekam die britische Politik ihr Fett weg. Die EU kam erstaunlich milde davon. 

Es war ein besonderer Talkshow-Abend am Tag der "Brexit"-Abstimmung. Ganze Länder in Europa und darüber hinaus zitterten, wie die Briten wohl abstimmen mögen. Da noch keine Ergebnisse vorlagen, ging es Maybrit Illner vor allem darum, herauszufinden, wie es soweit kommen konnte und welche Folgen das Referendum haben könnte.

Fremdenfeindlichkeit in der Brexit-Kampagne

"Der Tiger wird seinen Reiter irgendwann auffressen." Dieses Bild bemühte der deutsch-britische Journalist Philip Oltermann, die Politik der "Brexit"-Befürworter zu beschreiben. Denn die ritten einen Tiger namens Fremdenfeindlichkeit.

Mit den Ängsten der Menschen zu spielen, warf auch die Journalistin Susanne Schmidt, Tochter von Helmut Schmidt, der Politik vor- nicht nur der britischen. Die Volksparteien hätten versucht, die neuen Rechtsaußen-Parteien wie Ukip in Großbritannien rechts zu überholen und sie damit nur stärker gemacht. "Da hat David Cameron die gleichen Fehler gemacht wie die Mainstream-Parteien zum Beispiel in Deutschland."

"Unkontrollierte Zuwanderung" 

Richard Tice, Mit-Initiator der Kampagne "Leave.EU", zeigte per Live-Schalte gleich mal, wie sich die neuen Töne von rechts anhören: Man habe ja nichts gegen Einwanderer, aber "unkontrollierte Zuwanderung" führe zu immer weiter sinkenden Löhnen. "Darüber ist die Arbeiterklasse verärgert."

Oettinger: "Der Irak-Krieg war britisch"

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) widersprach entschieden: Wer mit Flüchtlingen argumentiere, sei ein Populist. Vielmehr wusch er den Briten den Kopf. Die Mehrheit der Flüchtlinge sei nicht in Großbritannien, sondern in Schweden, Dänemark, Österreich und Deutschland aufgenommen worden. Zudem seien die Briten mit ihren willkürlichen Grenzziehungen nach Ende der Kolonialzeit mitverantwortlich für die instabile Situation in vielen Nahost-Ländern und damit für die Flucht vieler Menschen. Und: "Ich weiß nicht, ob der Irakkrieg so klug war, aber er war britisch." 

Zwei Drittel der Gelder fließen auf die Insel zurück

Das hielt Tice freilich nicht davon ab, weiter auf Europa einzudreschen. 10 Milliarden Pfund pro Jahr zahle man an die "korrupte" EU. Dass nahezu zwei Drittel dieser Zahlungen schon seit Jahrzehnten durch den so genannten "Briten-Rabatt" auf die Insel zurückfließen, verschwieg der Aktivist. Glücklicherweise erinnerte ein Einspieler an die vor Jahrzehnten ausgehandelte Extrawurst.

Dass viele Briten dennoch wütend sind, fand Susanne Schmidt berechtigt: "Die Finanzkrise hat Menschen viel stärker getroffen als in Deutschland." Vor allem, weil der Finanzsektor ungefähr 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmache. Genau da sah Oettinger das Problem: "Die Briten haben Fehler gemacht – sie haben die Industrie abgeschafft."

Da Schottland sicher in der EU bleiben wolle, könnte nach einem Austritt "Great Britain" zu "Little England" werden, warnte er. Anton Börner, Präsident Außenhandelsverband BGA, schätzte: "Es kann sein, dass das Pfund direkt 20 Prozent verliert. Das heißt, deutsche Autos werden dort 20 Prozent teurer." Das sei schlecht für die Käufer der Autos, aber auch für die deutsche Industrie.

Panikmache der "Brexit"-Befürworter 

Die "Brexit"-Befürworter verbreiteten Lügen und machten Panik, darin waren sich die Talk-Gäste – bis freilich auf den zugeschalteten Tice – sehr einig. Ebenfalls darüber, dass ein "Brexit" beiden Seiten schade.

Aber auch ein knappes Ergebnis sei "katastrophal", sagte Journalist Oltermann: Dann werde es bei jeder kleinen Entscheidung aus Brüssel "großes Geheul geben". Deshalb sei es wichtig, endlich eine bessere Geschichte zu erzählen, sprich: den Menschen besser zu erklären, was ihnen Europa bringe. 

Dennoch kam die Europäische Union in dieser zahmen Talk-Runde insgesamt erstaunlich gut weg. Die Wirtschaftskrise hält seit acht Jahren an, die Finanzmärkte sind kaum reguliert, die nächste geplatzte Blase nach Ansicht einiger Experten bereits vor der Tür. Nationalistische Umtriebe, wohin man blickt und eine eklatant zunehmende soziale und materielle Ungleichheit – alles kein Thema. Ebenso wenig wie TTIP, ein Paradebeispiel dafür, warum Europäer empfinden könnten, es werde über ihre Köpfe hinweg regiert. Vielleicht hatte Susanne Schmidt das umstrittene Freihandelsabkommen im Sinn, als sie zur großen Abrechnung mit Brüssel ausholte: "Die Populisten haben leider Recht. Europa ist eine elitäre Veranstaltung geworden."

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