Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Europäische Union >

Maischberger-Talk zum Brexit: "EU ist ein Gewinnerprojekt"

Maischberger-Talk über Brexit  

"Die EU ist ein Gewinnprojekt"

30.06.2016, 13:00 Uhr | David Heisig

Maischberger-Talk zum Brexit: "EU ist ein Gewinnerprojekt". Die Talkrunde bei Maischberger. (Quelle: imago images)

Die Talkrunde bei Maischberger. (Quelle: imago images)

Jubelschreie, tiefe Bestürzung, politisches Beben: Großbritanniens Entscheidung für den Brexit lässt die einen himmelhoch jauchzen, die anderen zu Tode betrübt sein. Sandra Maischberger beschäftigt sich in ihrem aktuellen Talk mit den Gemütslagen.

  • Das Thema: Rote Karte für Brüssel: Besiegen Populisten Europa?
  • Die Gäste: Viviane Reding (Ex-EU-Kommissarin), Heinz-Christian Strache (FPÖ-Chef), Jürgen Trittin (Ex-Bundesminister, B'90/Grüne), Richard Tice (Britischer Investor, pro Brexit), Dirk Schümer (Journalist), Albrecht von Lucke (Politikwissenschaftler)

Maischberger wirftt die provokante Frage auf: "Besiegen Populisten Europa?" Einer dieser Populisten ist Gast Heinz-Christian Strache, Chef der FPÖ in Österreich. Gescheiterte Willkommenskultur, Souveränität der Briten, Wirtschaftsunion: das sind die Schlagworte, mit denen er spielt. Ein Referendum sei auch für Österreich vorstellbar. Auch wenn man nicht den Eindruck bekommt, er strebe das wirklich an.

Allerdings ist er schnell dabei, dem Souverän das Heft des Handelns aufzudrücken. "Die Bürger haben sich entschieden", sagt er in der Sendung. Nicht die Populisten hätten der "politischen Elite die rote Karte" gezeigt.

"Es ist nicht die EU, die im Chaos versinkt"

Podiumsgegnerin von Strache ist Viviane Reding, luxemburgische EU-Abgeordnete. Nach dem Austritt bleibe die EU weiter ein Friedensprojekt, bei dem alle Verantwortung übernehmen müssten. Vielleicht mit den Schotten und Nordiren, sollten die sich der EU anschließen. Es sei "nicht die EU die im Chaos versinkt", sondern Großbritannien.

Maischberger fragt direkt nach, in einer Schalte zum britischen Unternehmer Richard Tice, einem vehementen Befürworter des Brexit. Er spricht von Demokratie als Privileg, von einer Chance für alle Briten und dass sich seine Landsleute "auf die Sonne freuen" sollten. Strache nickt, Reding schüttelt den Kopf.

Tice betont, es gehe in Großbritannien wirtschaftlich bergauf. Es sei richtig, "die undemokratische EU zu verlassen“, sagt Tice in Richtung Reding. Diese reagiert perplex: "Ich glaube der Herr da ist nicht gewählt", betont sie ihre eigene Legitimation. Ihr zur Seite springt Ex-Bundesminister Jürgen Trittin (B‘90/Die Grünen). Europa werde schwächer, die Herausforderungen größer.

Parteienforscher sieht EU als "Gewinnerprojekt"

Der Parteienforscher Albrecht von Lucke sieht es ähnlich. Man merkt ihm die Erregung an, wenn er fast angeekelt Straches Aussage, der Brexit sei ein "Fest für Demokratie", zurückweist. Auf der Insel sei man im Schockzustand. Die Folgen des Brexit seien noch nicht abzuschätzen.

Es kristallisiert sich schnell heraus, dass sein Konterpart der Journalist Dirk Schümer (Welt) wird. Der bezeichnet sich selbst als überzeugten Europäer. Dennoch schaffe sich Europa die eigene Zustimmung ab: durch Wirtschaftskrisen und unkontrollierte Zuwanderung. Von Lucke kontert: Nicht die EU sei der schwarze Peter. Sie sei "ein Gewinnerprojekt".

Einfach haben es beide nicht. Lucke kann Trittin und Reding nur begrenzt zur Seite springen. Wenn die sich als EU-Politiker selbst über den richtigen demokratischen Umgang der EU mit dem CETA-Abkommen mit Kanada streiten, wird es schwierig. Schümer indes muss kontinuierlich aufpassen, dass er nicht den Stempel "Strache-Fan" aufgedrückt bekommt.

Strache lässt sich nicht festnageln

Maischberger lässt laufen, muss nur selten dazwischen gehen. Etwa wenn die Runde über die Sicherung der EU-Außengrenzen oder den Deal mit der Türkei in der Flüchtlingskrise streitet. 

Schwieriger wird es beim Umgang mit Strache. Sie fragt, ob Österreich aus der EU aussteigen will oder Angela Merkels Willkommenskultur gescheitert sei. Er soll mit Ja oder Nein antworten. Das könne man so verkürzt nicht sagen, meint er. So wird aus einer klaren Antwort schnell ein "Jein" und "vielleicht" mit vielen "aber". "Da muss man differenzieren", sagt er. "Ich hab’s geahnt" kontert Maischberger.

Am Ende kommt man wieder auf die Ausgangsfrage. Das Licht fällt auf Geert Wilders und die niederländische Volksbefragung zum Assoziierungsabkommen mit der Ukraine. Es müsse in entscheidenden Fragen Volksabstimmungen aller Europäer, nicht in einzelnen Staaten geben, wünscht sich Trittin.

Zurück zur uneingeschränkten Nationalstaatlichkeit wäre für Reding ein Alptraum. Eine Antwort, ob die Populisten Europa besiegen, gibt die Sendung indes nicht. Allerdings kann man sich nach 75 Minuten Talk eines Eindrucks nicht erwehren: "Business as usual" wird kein Rezept für eine EU-Zukunft sein.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Der Sommer zieht ein: shoppe Outdoor-Möbel u.v.m.
jetzt auf otto.de
Anzeige
Jetzt bei der Telekom: Surfen mit bis zu 50 MBit/s!
z. B. mit MagentaZuhause M
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal