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Brexit-Folgen: Wer wird Großbritanniens neue eiserne Lady?

Der Brexit und die Folgen  

Wer wird Großbritanniens neue eiserne Lady?

03.07.2016, 19:54 Uhr | ckr, t-online.de

Brexit-Folgen: Wer wird Großbritanniens neue eiserne Lady?. Theresa May (links) und Andrea Leadsom: Eine der beiden könnte die nächste britische Premierministerin werden. (Quelle: Reuters)

Theresa May (links) und Andrea Leadsom: Eine der beiden könnte die nächste britische Premierministerin werden. (Quelle: Reuters)

Das Rennen um die Nachfolge des britischen Premierministers David Cameron nimmt Fahrt auf. Fünf Konservative sind noch Rennen - doch nur zweien werden echte Chancen eingeräumt: Innenministerin Theresa May und Energieministerin Andrea Leadsom. 

Cameron hatte am vorvergangenen Freitag seine Absicht bekannt gegeben, er werde im Herbst zurücktreten. Grund ist der Ausgang des Brexit-Referendums. Dabei stimmten rund 52 Prozent der Wähler für den Austritt Großbritanniens aus der EU

Bald darauf trat May auf den Plan. Wen immer man derzeit auf der Insel fragt: Es gilt als ausgemacht, dass die 59-Jährige die chancenreichste Kandidatin ist. Vielleicht könnte sie sogar Brexit- und Remain-Lager versöhnen: May selbst hatte für den Verbleib in der EU geworben. Gleichzeitig wollte sie deren Einfluss beschneiden. So trat sie für den Austritt aus der EU-Menschenrechtskonvention ein.

"Andrea ist die die wahre Stimme des Brexit" 

Seit dem Referendum vertritt May aber den Standpunkt, dass der Brexit nach der Volksabstimmung auch durchgeführt werden muss, obwohl sie selbst dagegen ist. Das brachte ihr den Respekt der Gegenseite. Für die Brexit-Gegner andererseits ist sie eine, die deren Sorgen wegen des Austritts nachvollziehen kann. 

Jetzt ist May die eigentliche Favoritin: Über 100 von insgesamt 300 konservativen Abgeordneten unterstützen bereits offen ihre Kandidatur.

Doch ihre Konkurrentin Andrea Leadsom (53) scheint aufzuholen, wie der britische "Guardian" am Sonntag schreibt: Offiziell haben sich zwar nur knapp 30 Abgeordnete auf ihre Seite geschlagen. Inoffiziell heißt es, die Zahl der Unterstützer betrage bereits 50.

Im Gegensatz zu May hat Leadsom offiziell für den Austritt aus der EU geworben und dürfte damit auch die "Brexiteers" unter den Wählern und Abgeordneten klar überzeugen: "Andrea ist die wahre Stimme des Brexit", wird beispielsweise Euroskeptiker William Cash zitiert. "Sie ist kompetent, erfahren, kennt sich mit dem EU-Problem aus und sie wird liefern."

Vergleich mit der "eisernen Lady" 

Der Wermutstropfen: Viele konservative Abgeordnete sind strikt gegen den Brexit und hegen einigen Groll gegen die, die ihn vorangetrieben haben. Das könnte Leadsom aus dem Rennen katapultieren. 

Beide Damen gelten als absolute Politik-Profis. Beide werden mit der "eisernen Lady" Margaret Thatcher verglichen. May hauptsächlich deshalb, weil sie die zweite weibliche Regierungschefin wäre. Leadsom zusätzlich noch wegen ihrer Feindschaft gegenüber der EU. Ehemalige Thatcher-Mitstreiter wie der Lord und frühere Minister Norman Tebbit machen offen Werbung für die frühere Bankerin. 

Schlechte Karten für die Herren 

Und die drei Herren, die ebenfalls noch im Rennen sind? Als chancenloser Außenseiter gilt Ex-Verteidigungsminister Liam Fox. Schwach steht auch Arbeitsminister Stephen Crabb da. Beide haben nur wenig Unterstützer sammeln können - bei Liam Fox sind es noch nicht einmal zehn Abgeordnete. 

Und dann ist da noch Justizminister Michael Gove - ein ganz besonderer Fall: Gove hatte immer versichert, er wolle nie Premier werden, bringe gar nicht die Voraussetzungen dafür mit.

Statt dessen unterstützte er in den vergangenen Monaten enthusiastisch den Mann, der als das Gesicht der Brexit-Kampagne gilt: den Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson. Gove soll den EU-Befürworter bei einer Dinnerparty im Februar selbst ins Brexit-Lager gezogen haben.

Am Ende soll die Parteibasis entscheiden 

Die Idylle zwischen den beiden endete allerdings am vergangenen Donnerstag: Kurz bevor Johnson seine Kandidatur ankündigen wollte, erklärte ihn Gove für unfähig, das hohe Amt auszuüben. Stattdessen trat er doch selbst an. Johnson dagegen gab auf und erklärte seinen Rückzug (hier die Geschichte um die Intrige gegen den einstigen Star-Politiker). 

In Großbritannien wird der Vorgang als skrupelloser Verrat des Justizministers gewertet. Beliebt war er auch vorher nicht. Jetzt gilt er als ein Mann auf dem absteigenden Ast - es sei denn, er käme mit einer neuen fintenreichen Intrige um die Ecke, die seine Widersacherinnen aus dem Rennen wirft. 

Die Entscheidung dürfte bald fallen. Bis Ende kommender Woche wollen die Tory-Abgeordneten sich für zwei der möglichen Kandidaten entscheiden. Die werden dann den rund 150.000 Parteimitgliedern vorgelegt. Bei ihnen liegt dann die Entscheidung, wer künftig die britische Regierung führt. 

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