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Kommentar: Nigel Farages Rücktritt ist moralisch schäbig

Kommentar zu Brexit-Vorkämpfer  

Farage-Rücktritt ist moralisch schäbig

05.07.2016, 12:57 Uhr | Ein Kommentar von Bernhard Vetter, t-online.de

Kommentar: Nigel Farages Rücktritt ist moralisch schäbig. Der Anti-Europäer Farage hat sein Ziel angeblich erreicht. (Quelle: imago)

Der Anti-Europäer Farage hat sein Ziel angeblich erreicht. (Quelle: imago)

Was geht denn da ab in Großbritannien? Ukip-Chef Nigel Farage, einer der schärfsten EU-Kritiker, gibt den Parteivorsitz auf. Damit geht der Brexit-Kampagne nach Londons Ex-OB Boris Johnson ein weiteres bekanntes Gesicht verloren. Farage und Johnson wollen offenbar ihren eigenen Gesichtsverlust verhindern.

Farage ist um große Worte nie verlegen: Die Ukip, die Unabhängigkeitspartei Großbritanniens, habe ihr Ziel erreicht, das Land aus der Europäischen Union zu lösen, sagt er. Wirklich? Großbritannien wurde aus der EU gelöst? Nichts dergleichen! Das Land hat noch nicht einmal den nötigen Parlamentsbeschluss gefasst, um den entsprechenden Antrag überhaupt stellen zu können.

Was hat sich denn seit dem Brexit-Votum geändert? Formal rein gar nichts! Großbritannien ist weiterhin Mitglied der EU und wird es nach dem Stand der Dinge auch für die nächsten mindestens zwei Jahre bleiben. Wie der Status hinterher aussehen wird, weiß im Moment niemand. Von welchem Ziel, das er angeblich erreicht haben will, spricht Farage also?

Brexit-Votum = Politik-Chaos

Geändert hat sich dennoch einiges: Großbritannien versinkt politisch im Chaos - und droht das auch wirtschaftlich zu tun. Und darin sehe ich den Grund für die überraschenden Rückzieher von Nigel Farage und Boris Johnson, der nun nicht mehr nächster britischer Premierminister werden will: Die Brexiteers, die Austrittswilligen, kneifen vor den möglichen Folgen der Unruhe, die sie mit ihren Lügen und falschen Versprechen angerichtet haben.

Finanzminister George Osborne kündigte zuerst Steuererhöhungen und Abgabenkürzungen an, nun will er die Steuern für Unternehmen senken und Großbritannien zu einer Steueroase machen. Was wie ein Widerspruch klingt, sind die zwei Seiten der gleichen Medaille: Einnahmeverluste des Staates an der einen Stelle müssen an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Brexit-Anführer lassen Briten im Regen stehen

Den Briten stehen harte Zeiten bevor - ob sie nun für oder gegen den Brexit gestimmt haben, und sie müssen sich zunehmend betrogen vorkommen. Es droht gar ein Zerfall des Vereinigten Königreichs.

Farage und Johnson wissen, dass Großbritannien nach einem Brexit nicht besser dastehen wird als vorher - ja, nicht besser dastehen kann. Die Verantwortung dafür wollen sie aber nicht tragen. Am Ende wollen sie nichts mit den Folgen zu tun haben, mit denen sich Bürger und Unternehmen werden herumschlagen müssen. Und deshalb versuchen sie nun rasch, sich aus dem Staub zu machen.

Das ist vielleicht menschlich verständlich, moralisch aber trotzdem schäbig.

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