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Brexit: Geheimer Artikel entlarvt gefährliches Spiel von Boris Johnson

Großbritannien  

Geheimer Artikel zeigt Boris Johnsons Brexit-Spiel

16.10.2016, 13:45 Uhr | yes, Spiegel Online

Brexit: Geheimer Artikel entlarvt gefährliches Spiel von Boris Johnson. Boris Johnson im Mai 2016: Damals warb der heutige Außenminister Großbritanniens für den Brexit - ob aus Überzeugung, ist fraglich. (Quelle: dpa)

Boris Johnson im Mai 2016: Damals warb der heutige Außenminister Großbritanniens für den Brexit - ob aus Überzeugung, ist fraglich. (Quelle: dpa)

Es ist ein entlarvendes Dokument des britischen Außenministers Boris Johnson: Der Kopf der Pro-Brexit-Kampagne listet in einem bisher geheimen Artikel Argumente für einen Verbleib in der EU auf - kurz bevor er die Seiten wechselte.

An der historischen Brexit-Entscheidung Großbritanniens am 23. Juni ändert der bisher geheime, am Samstagabend veröffentlichte Artikel aus der Feder von Boris Johnson nichts. Er ist dennoch ein Beleg für das kalkulierte politische Spiel des scheinbar glühenden Brexit-Anhängers Johnson.

Er fürchtete wohl einen wirtschaftlichen Schock

In der nun von der "Sunday Times" bekannt gemachten Kolumne Johnsons listet der Ex-Bürgermeister Londons starke Gründe für einen Verbleib in der EU auf. Ein Brexit könne zu einem wirtschaftlichen Schock, der Unabhängigkeit Schottlands und russischer Aggression führen, heißt es darin. All diese Punkte schrieb Johnson der Zeitung zufolge im Februar auf, kurz bevor er sich zu einem der Anführer der Brexit-Kampagne aufschwang.

Bemerkenswert in dem Text ist auch die Einlassung Johnsons zum finanziellen Beitrag Großbritanniens zur EU. Dieser sei gering im Vergleich zu dem Gewinn, den das Vereinigte Königreich durch den Zugang zum europäischen Binnenmarkt mit rund 500 Millionen Menschen erziele. "Warum sind wir so entschlossen, dem unseren Rücken zu kehren?", zitiert die Zeitung aus dem Artikel.

Zur Erinnerung: In den Wochen vor dem Referendum sagte Johnson Sätze wie diese hier: "Wir brauchen den europäischen Binnenmarkt nicht. Wir können endlich unseren Platz in der freien Welt einnehmen." Dazu tingelte er mit einem Bus durchs Land, auf dem zu lesen war, dass die 350 Millionen Pfund, die London wöchentlich nach Brüssel schicke doch besser im nationalen Gesundheitssystem aufgehoben seien (die Zahlen erwiesen sich - nebenbei gesagt - als falsch).

Johnson schweigt

Seitdem ist viel passiert. Die Brexit-Befürworter waren erfolgreich. Eine knappe Mehrheit der Wähler hat im Juni für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Brexit-Gegner David Cameron ist als Premier zurückgetreten, die ebenfalls konservative Theresa May ist ihm gefolgt - und hat Johnson zu ihrem Außenminister gemacht.

Ein Sprecher Johnsons wollte sich zu dem von der "Sunday Times" veröffentlichten Artikel nicht äußern. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Insider, der Johnsons Kolumne damit erklärt, dass dieser lediglich alle Argumente für und gegen einen Brexit für sich klären wollte, bevor er sich auf eine Seite schlug.

Plausibler ist die Analyse von SPIEGEL-Redakteur Thomas Hüetlin, der direkt nach dem Brexit-Votum schrieb, dass Johnson den Austritt "eigentlich für Quatsch hält. Es war nur ein Spiel, um sich für einen Machtwechsel bei den Tories später zu positionieren."

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