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Terrorprozess: In USA beginnt Prozess gegen Bin-Laden-Jünger

Zacarias Moussaoui  

In USA beginnt Prozess gegen Bin-Laden-Jünger

05.02.2006, 16:15 Uhr | dpa

Fast viereinhalb Jahre hat es gedauert, bis nun auch in den USA der erste Prozess zum 11. September 2001 stattfindet. Der Wirbel um das am Montag in Alexandria bei Washington beginnende Verfahren gegen Zacarias Moussaoui ist gewaltig - schließlich soll eine der größten nationalen Tragödien der US-Geschichte aufgearbeitet werden. Der marokkanischstämmige Franzose ist aber keiner der mächtigen Strippenzieher der islamistischen Terrorszene, sondern nur ein einfacher Fußsoldat des Dschihad.

Foto-Serie
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Nur Steuern, aber nicht Starten lernen
Moussaoui kam wenige Monate vor den Anschlägen vom 11. September in die USA. Dort besuchte er Pilotenschulen in den Staaten Oklahoma und Minnesota. An der zweiten Schule kam den Fluglehrern seltsam vor, dass der Franzose nur das Steuern lernen wollte, aber nicht das Starten und Landen. Sie alarmierten die Polizei, und Moussaoui wurde inhaftiert - weil sein Visum abgelaufen war.

Todesstrafe oder lebenslange Haft?
Im April vergangenen Jahres gab er dann zu, dass er eine Boeing 747 in das Weiße Haus lenken sollte. Dies habe allerdings nicht zeitgleich mit den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September geschehen sollen. Zusätzlich gestand er, von dem Komplott für "9/11" gewusst zu haben und bezeichnete sich selbst in Briefen als den "20. Luftpiraten". In dem Verfahren gegen den bekennenden Jünger von Osama bin Laden wird die Jury also nicht über Schuld oder Unschuld zu entscheiden haben. Es geht allein um die Entscheidung zwischen Todesstrafe und lebenslanger Haft.

Zu dem Komplott geschwiegen
Für die Staatsanwaltschaft dürfte es eher nachrangig sein, ob der Franzose die ganze Wahrheit gesagt hat oder ob ihm nicht doch ursprünglich eine Rolle bereits am 11. September zugewiesen war. Die Anklagevertreter werden sich stark darauf konzentrieren, dass der Franzose nach seiner Festnahme am 16. August 2001 sein Wissen über das "9/11-Komplott" verschwiegen hatte: Moussaoui habe "gelogen", damit seine Komplizen "die Operation fortsetzen konnten", betonen sie.

Schuldfähigkeit in Frage gestellt
Die Verteidigung will dagegen nachweisen, dass ihr Mandant nicht zurechnungsfähig sei. Eine Psychiaterin soll im Zeugenstand darlegen, dass der Franzose unter einer "schweren Geisteskrankheit, am wahrscheinlichsten Schizophrenie" leide.

Schwierige Kindheit
Ausführlich werden die Verteidiger auch Moussaouis schwierige Kinderheit in einer Einwandererfamilie in Südwestfrankreich schildern - der Vater war nach ihrer Darstellung ein Alkoholiker, der die Mutter oft schwer misshandelte. Nach der Trennung seiner Eltern soll Moussaoui die ersten fünf Lebensjahre großteils in Heimen verbracht haben. Nachdem er dann mit 22 Jahren zum Studium nach London gezogen war, geriet Moussaoui im Einwandererviertel Brixton in das Milieu der radikalen Islamisten. 1998 besuchte er ein Al-Kaida-Lager in Afghanistan.

"Ich erwarte keine Nachsicht"
In dem Verfahren müssen nun zuerst in einer komplizierten Prozedur aus 500 Kandidaten die zwölf Geschworenen ausgewählt werden. Am 6. März soll dann die eigentliche Verhandlung beginnen. Moussaoui selbst aber hatte bereits bei seinem Geständnis klargestellt, dass alles andere als die Todesstrafe für ihn eine Überraschung wäre: "Ich erwarte von den Amerikanern keine Nachsicht."

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