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EU-Lateinamerika-Gipfel: Chávez umgarnt Merkel in Lima

Chávez umgarnt Merkel in Lima  

Angebliche Einladung nach Deutschland verwundert

19.05.2008, 11:10 Uhr | Von Ulrich Scharlack und Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Beim Gipfel in Lima bemühte sich Chávez stets um die Nähe der zuvor so arg gescholtenen Kanzlerin (Quelle: Reuters)Beim Gipfel in Lima bemühte sich Chávez stets um die Nähe der zuvor so arg gescholtenen Kanzlerin (Quelle: Reuters) Konkrete Ergebnisse des Gipfels von Lima ließen sich allenfalls nach intensivster Betrachtung erkennen. Dennoch erschien Bundeskanzlerin Angela Merkel bester Laune zu ihrem Fazit des Treffens der Repräsentanten in der peruanischen Hauptstadt. Die lange Reise habe sich durchaus gelohnt, sagte Merkel in der Nacht zum Samstag. Zwischen den Kontinenten gebe es Fortschritte.

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Chávez bemüht um Zusammenarbeit

Das kann aber vor allem für das Verhältnis von Merkel und Venezuelas Präsident Hugo Chávez gesagt werden. Beide saßen am Ende des Treffens in einer Arbeitsgruppe über die Energiepolitik. Dort verhielt sich der Venezolaner nach dem Eindruck der deutschen Delegation konstruktiv, nachdem er in der Vorwoche Merkel mehr oder weniger beleidigt hatte.

"Stunde des Esels"

Mit leichter Selbstironie soll er seinen Redebeitrag mit den Worten eingeleitet haben: "Das ist die Stunde des Esels." Das bedeutet in seinem Land ein zwangloses Plaudern nach dem Mittagessen - manch Beobachter könnte andere Gedanken gehabt haben.

Chávez fühlt sich eingeladen

Aber Chávez wäre nun nicht er selbst gewesen, wenn er nach seiner Entschuldigung bei Merkel nicht doch für neue Verwirrung gesorgt hätte. Nachdem er der Kanzlerin die Hand geschüttelt und ihr tief in die Augen geblickt hatte, fühlte er sich gleich nach Deutschland eingeladen. "Sie hat mich eingeladen und ich habe zugesagt", berichtete Chávez stolz in verschiedenen Interviews. Merkel wusste am Abend jedoch nichts von einer entsprechenden Offerte. Er habe nur auf seine früheren Deutschlandbesuche angespielt, berichtete die Kanzlerin. Darüber hinaus aber sei das Gespräch nicht gegangen.

Nur Mimik falsch gedeutet?

Nun könnte das Ganze aber tatsächlich auch in die Kategorie "Missverständnis" fallen. Eine peruanische Fernsehreporterin, die sich die Bilder von der Plauderei anschaute, berichtete, dass Chávez gesagt habe: "Wenn ich eingeladen werde, dann fahre ich." Merkel habe daraufhin gelächelt, aber nichts geantwortet, sagte die Journalistin Laura Portas des Senders Canal 4. Interpretation: Vielleicht hatte Chávez ohne Hintergedanken Merkels Mimik einfach falsch gedeutet.

Plaudern mit den linken Staatschefs

Aber auch ansonsten war Merkel auf diesem Gipfel ganz in Plauderlaune. Neben den Diskussionen in Arbeitsgruppen traf sie sich noch mit vier weiteren lateinamerikanischen Staatschefs zu separaten Runden. Drei von ihnen waren linksgerichtete Präsidenten, um deren Länder Merkel bei ihrer Reise einen Bogen gemacht hatte: Ecuadors Präsident Rafael Correa, Boliviens erster Indio-Präsident Evo Morales und der gewählte Staatschef Paraguays, der frühere Armenbischof Fernando Lugo. Mit der vierten im Bunde, der chilenischen Staatschefin Michelle Bachelet, die vor Pinochet ins Exil in die DDR floh und dort studierte, verbindet sie eine besonders enge Beziehung.

Wenig konkrete Aussagen

Das Gipfeldokument beschwor zwar gemeinsame Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit. Aber weder im Bereich der Assoziierungs- und Freihandelsabkommen zwischen beiden Seiten noch bei den Schwerpunktthemen - der Armutsbekämpfung und den Folgen des Klimawandels - konnten sich die Teilnehmer auf Konkretes einigen.

Armut beunruhigend - aber was tun?

"Tief beunruhigt" zeigten sich jedoch alle über die stark steigenden Lebensmittelpreise. Hier seien "Sofortmaßnahmen" dringend erforderlich, um die armen Bevölkerungsschichten zu unterstützen. Wie und in welchem Umfang dies geschehen könnte, sagte das Abschlussdokument jedoch nicht. Mittel- und langfristig müsse die landwirtschaftliche Produktion ausgeweitet werden.

Teilerfolg auf persönlicher Ebene

Letztlich wird es wieder auf die Initiative einzelner Staaten ankommen, ob die Ziele umgesetzt werden können. Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodíguez Zapatero betonte, die Bedeutung solcher Treffen bestehe darin, Vertrauen zu schaffen. Im Falle Merkel-Chávez lässt sich somit zumindest von einem Teilerfolg von Lima sprechen.

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