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Ingrid Betancourt: USA könnte Lösegeld an FARC gezahlt haben

Befreiung von Betancourt  

Schweizer Sender: USA zahlten Lösegeld

05.07.2008, 10:13 Uhr | AFP

Die USA zahlten angeblich 20 Millionen Dollar für Betancourt (Quelle: dpa)Die USA zahlten angeblich 20 Millionen Dollar für Betancourt (Quelle: dpa) Die spektakuläre Befreiung der Politikerin Ingrid Betancourt in Kolumbien soll nach Informationen eines Schweizer Radiosenders inszeniert gewesen sein: Anführer der kolumbianischen FARC-Rebellen hätten für die Freilassung von Betancourt und 14 weiteren Geiseln rund 12,6 Millionen Euro bekommen.

Dies berichtete der Schweizer Radiosender RSR am Freitag unter Berufung auf eine "glaubhafte" Quelle. Hinter dem Handel steckten die USA. Die befreite Ingrid Betancourt ist mittlerweile in Frankreich eingetroffen und wurde von Präsident Sarkozy in Empfang genommen.

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Drei US-Amerikaner unter den Befreiten

Zusammen mit Betancourt waren am Mittwoch auch drei amerikanische Bürger freigekommen, die mit dem US-Verteidigungsministerium zusammengearbeitet hatten und vor mehr als fünf Jahren von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) verschleppt worden waren. Nach Angaben der kolumbianischen Regierung gelang die Befreiung, weil ein Militärangehöriger die Rebellen unterwandert hatte.

Frau eines Wächters spielte Schlüsselrolle

Der Schweizer Radiosender RSR berichtete weiter, die Frau eines Wächters der Geiseln sei der Schlüssel zu der Aktion gewesen. Sie sei nach ihrer Festnahme durch die Armee wieder in die Reihen der FARC eingeschleust worden und habe ihren Mann überzeugt, die Seiten zu wechseln. Die "Inszenierung" der Befreiung erlaube es dem kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe "seinen Kurs zu halten, der jegliche Verhandlungen mit den Rebellen ausschließt, während die Geiseln nicht freigelassen sind", hieß es in dem Schweizer Radiobericht weiter." Dieses Bravourstück" stärke ihn vor den geplanten vorgezogenen Präsidentschaftswahlen.

USA sprechen nur von "technischer Unterstützung"

Die Schweiz hatte zusammen mit Spanien und Frankreich von Uribe den Auftrag für Vermittlungen mit der FARC erhalten. Die Vereinigten Staaten hatten am Donnerstag erklärt, sie seien "in der Vorbereitungsphase" über die Befreiungsaktion informiert gewesen. Kolumbien habe die Aktion aber selbst entwickelt und ausgeführt. Der amerikanische Botschafter in Bogota, William Brownfield, sprach allerdings von einer "unmittelbaren Zusammenarbeit". Die USA hätten Informationen und "technische Unterstützung" geliefert.

Betancourt selbst glaubt nicht an eine "Maskerade"

Betancourt reagierte skeptisch auf die Berichte. "Das, was ich miterlebt habe, kann keine Inszenierung gewesen sein", sagte sie. Die kolumbianischen Militärs, die unbewaffnet als Vertreter einer Hilfsorganisation auftraten, seien enorm angespannt gewesen. "Als der Hubschrauber abhob und der FARC-Kommandant überwältigt war, brach eine enorme Freude aus. Die war sicher nicht gespielt", sagte sie. Auch der kolumbianische Militärchef Freddy Padilla wies Berichte, Betancourt sei für 20 Millionen Dollar indirekt freigekauft worden, in einem Hörfunkinterview zurück. Sein Land habe "keinen Centavo" für die Befreiung gezahlt.

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Frankreich zahlte nicht

Frankreich hat nach eigenen Angaben kein Lösegeld gezahlt. Die Antwort auf diese Vermutung sei "Nein", sagte der Sprecher des Pariser Außenministeriums am Freitag in Paris. "Da wir an dieser Operation nicht beteiligt waren, haben wir uns auch nicht an ihren Finanzierungsmodalitäten beteiligt", falls es solche gegeben habe.

Betancourt ist in Frankreich gelandet

Ingrid Betancourt ist am Freitagnachmittag in Frankreich eingetroffen. Zur Begrüßung hielten sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla auf dem Militärflughafen bei Paris bereit. Die 46-Jährige wurde von ihren beiden Kindern Melanie und Lorenzo sowie vom französischen Außenminister Bernard Kouchner begleitet. Anschließend ist ein Empfang im Élysée-Palast geplant. "Ich habe fast sieben Jahre lang auf diesen Moment gewartet", sagte Betancourt mit belegter Stimme kurz nach ihrer Ankunft. "Ich habe so viel aus Schmerz und Erniedrigung geweint. Heute weine ich aus Freude."

"Ich würde kein Tier so behandeln"

Die 46-jährige Betancourt sagte vor ihrer Abreise in Bogota, sie habe in der mehr als sechs Jahre dauernden Gefangenschaft "grauenhafte" Gewalt erlitten. Die Rebellen hätten sie gefoltert und erniedrigt. Drei Jahre lang habe sie rund um die Uhr Ketten tragen müssen, sagte sie dem französischen Sender Europe 1. Sie habe "schwere Krisen" durchgemacht. "Es war so entsetzlich, dass es ihnen, glaube ich, selbst zuwider war." Dem Fernsehsender France 2 sagte sie: "Ich würde kein Tier so behandeln", wie sie behandelt worden sei. Was sie mit ihrer plötzlichen Freiheit nun tun werde, wisse sie noch nicht. Sie habe sich auf weitere Jahre in Gefangenschaft eingestellt gehabt und stehe noch "unter Schock".

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