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Chávez bietet Russen Basis für Streitkräfte

Streit um US-Raketenabwehr in Osteuropa  

Chávez bietet Russen Basis für Streitkräfte

23.07.2008, 12:22 Uhr | dpa, AFP

Venezuelas Präsident Hugo Chávez trifft bei seinem Russland-Besuch Premierminister Wladimir Putin. (Quelle: Reuters)Venezuelas Präsident Hugo Chávez trifft bei seinem Russland-Besuch Premierminister Wladimir Putin. (Quelle: Reuters) Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat sich in den russisch-amerikanischen Streit um die US-Pläne zur Raketenabwehr in Osteuropa eingemischt. Nachdem Moskau bereits erwägt, Langstreckenbomber auf Kuba zu stationieren, hat Chávez Russland angeboten, Stützpunkte in Venezuela errichten zu können.

Bei seinem Besuch in Moskau sagte Chávez: "Russland hat viele Möglichkeiten, sich in der Welt in Stellung zu bringen. Wenn die russischen Streitkräfte gern in Venezuela Basen errichten möchten, sind sie herzlich willkommen". Venezuela liegt aus russischer Sicht ähnlich günstig wie Kuba.

Waffen- und Energiegeschäfte

Moskau äußerte sich zunächst nicht zu dem Angebot von Chávez. Außerdem hat Chávez weitere Waffenkäufe angekündigt und mit Kremlchef Dmitri Medwedew eine Energie-Partnerschaft vereinbart. "Wir wollen Frieden, aber müssen auch die Verteidigungskraft unseres Landes stärken", sagte Chávez laut der Agentur Interfax.

US-Raketenschild Moskau will Bomber auf Kuba stationieren

Amerikanische Abwehrraketen in Mitteleuropa

Angesichts der umstrittenen amerikanischen Raketenabwehrpläne in Mitteleuropa hatte Moskau der Führung in Washington mit Gegenmaßnahmen gedroht. Russische Millitärs hatten Anfang der Woche unter anderem die Verlegung von schweren Langstreckenbombern nach Kuba ins Gespräch gebracht. Russland ist gegen die Stationierung von amerikanischen Abwehrraketen in Polen und einer Radaranlage in Tschechien, weil es sich dadurch von Washington in seiner Sicherheit bedroht sieht.

USA kritisiert Russlands Pläne

Eine militärische Zusammenarbeit zwischen Venezuela und Russland bei der Stationierung von Militär und mit einem Waffengeschäft in Milliardenhöhe ist auf schwere Kritik der USA gestoßen. Vor allem das geplante Waffengeschäft zwischen beiden Ländern würde die Verteidigungsbedürfnisse des lateinamerikanischen Staates klar überschreiten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington.

Chávez will sich mit Waffen schützen

Chávez kündigte an, in den kommenden Jahren über Kredite und Erdöl-Verkäufe Milliarden in den Kauf von Waffensystemen zu investieren, um die Armee des lateinamerikanischen Landes zu modernisieren. Die in russischen Medien genannten Investitionen von rund 19 Milliarden Euro für die kommenden vier Jahre nannte er allerdings "überzogen". Mit den Abwehrsystemen sollten vor allem Industrieanlagen und Armeestützpunkte vor Luftangriffen etwa aus den USA geschützt werden.

Gemeinsame Verbündete gegen Amerika

Die Zusammenarbeit mit Russland könne die Souveränität Venezuelas garantieren, die momentan von den USA bedroht werde, sagte Chávez. "Wir werden die Flaggen hissen, die Trommeln schlagen und Lieder singen, weil dann unsere Verbündeten hier sind, mit denen uns die gleiche Sichtweise auf die Welt verbindet", lobte Chávez bei einer Pressekonferenz die russische Führung.

Venezuelas Einkaufsliste

Venezuela gilt als größter und wichtigster Käufer russischer Rüstungsgüter in Lateinamerika mit einem Volumen von bisher vier Milliarden US-Dollar. Die geplanten neuen Verträge belaufen sich auf weitere zwei Milliarden Dollar, wie die Zeitung "Kommersant" berichtete. Dabei geht es unter anderem um 20 Abwehrsysteme für Kurzstreckenraketen und um zwölf schwere Flugzeuge für Militärtransporte vom Typ Iljuschin Il-76 und Il-78 sowie um 24 Kampfbomber des Herstellers Suchoi. Russland hatte nach Medienangaben seit 2005 unter anderem bereits 50 Hubschrauber, 24 Kampfjets vom Typ SU-30MK2 und 100.000 Kalaschnikow-Maschinenpistolen an das Land verkauft und Caracas eine Lizenz für die Produktion der Kalaschnikow AK-103 gewährt.

Kooperation bei Öl- und Gas

Russland und Venezuela wollen zudem im Energiesektor enger zusammenarbeiten. "Wir werden zusammenarbeiten, aber unsere Kooperation richtet sich nicht gegen Drittstaaten", versicherte Medwedew. Die Idee, ein Gaskartell nach dem Vorbild des Ölkartells OPEC zu gründen, sei noch immer aktuell, fügte der russische Staatschef hinzu. Diese Idee beunruhigt die von Gasimporten abhängigen Staaten, die einen Einfluss auf die Preise des Rohstoffes fürchten. Mehrere Kooperationsvereinbarungen zwischen den drei russischen Konzernen Gazprom, Lukoil und TNK-BP sowie dem venezolanischen Konzern PDVSA wurden unterzeichnet. Die Konzerne vereinbarten eine Zusammenarbeit bei der Ölförderung und der Untersuchung der Gasvorkommen in Venezuela.

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