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Karadzic ist stolz auf seine Taten

Serbien  

Karadzic ist stolz auf seine Taten

25.07.2008, 10:35 Uhr | dpa

Karadzic in seiner Verkleidung als Dr. Dragan Dabic (Quelle: dpa)Karadzic in seiner Verkleidung als Dr. Dragan Dabic (Quelle: dpa) Der in Belgrad verhaftete Kriegsverbrecher Radovan Karadzic bereut seine Taten in Bosnien während des Bürgerkrieges von 1992 bis 1995 nicht. "Karadzic wird in Den Haag erklären, dass er stolz auf alles ist, was er getan hat und dass er das serbische Volk in Bosnien-Herzegowina gerettet hat", zitierten die Belgrader Medien seinen Anwalt Svetozar Vujacic am Donnerstag.

Karadzic sei angeklagt, nur "weil er ein Serbe" ist, sagte der Anwalt. Der 63-Jährige soll am Wochenende, spätestens zu Beginn kommender Woche, an das UN-Tribunal in Den Haag überstellt werden. Während die Belgrader Behörden die Auslieferung an das Tribunal vorbereiten, herrschte weiterhin Unklarheit darüber, wer Karadzic seine neue Identität und die entsprechenden Dokumente gegeben haben könnte.

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Identität eines Toten angenommen?

Nach serbischen Medienberichten hatte Karadzic seit 1998 Originaldokumente eines fünf Jahre zuvor in Sarajevo gestorbenen Serben genutzt. Die Personalpapiere auf den Namen Dragan David Dabic seien von der Polizei in der Stadt Ruma - 50 Kilometer nordwestlich von Belgrad - ausgestellt worden. Dies dementierte das serbische Innenministerium am Donnerstag und gab an, Karadzic habe gefälschte Dokumente benutzt.


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Anzeige wegen Entführung

Anwalt Vujacic erstattete Anzeige wegen Entführung seines Klienten. Unbekannte hätten Karadzic am vergangenen Freitag aus einem Bus "entführt" und "gesetzwidrig" inhaftiert, sagte er in Belgrad. Er habe drei Augenzeugen der "Entführung" aus dem Bus der städtischen Linie 73, die vor Gericht aussagen wollen. Nach offiziellen Angaben war Karadzic erst am späten Montagabend festgenommen und innerhalb der vorgeschriebenen Zeitspanne von 24 Stunden dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden.



Flucht mit Staatsgeld finanziert

Karadzic soll seine langjährige Flucht auch durch Geld finanziert haben, das er aus der Nationalbank der bosnischen Serbenrepublik entwendet hatte. Dem früheren Präsidenten der Serbenrepublik sei 1997 erlaubt worden, aus den Banktresoren insgesamt 36 Millionen D-Mark mitzunehmen, berichtete die in Sarajevo erscheinende Zeitung "Dnevni avaz". Das Blatt zitierte aus einem vor drei Jahren geführten Interview mit dem heutigen Regierungschef der Serbenrepublik, Milorad Dodik. Die D-Mark war damals in allen ehemaligen jugoslawischen Staaten inoffizielles Zahlungsmittel.



"Süchtig nach Anerkennung"

Nach Ansicht von Psychologen veränderte sich Karadzic auch durch seine neue Identität als Alternativmediziner nicht, sondern ist seiner Persönlichkeit treu geblieben. Er sei als früherer Führer der bosnischen Serben und als späterer Dr. Dragan Dabic ein Narziss geblieben, der nach "Wahrnehmung, Anerkennung und Applaus" süchtig war, zitierten Zeitungen in Belgrad heimische Experten. "Dieser mächtige Wunsch nach öffentlichen Auftritten, obwohl sie seiner Existenz gefährlich werden konnten, ist surreal", sagte die Psychologin Tamara Stajner-Popovic der Zeitung "Blic".



Proteste in Belgrad

Unterdessen gehen die Proteste von Karadzic-Anhängern im Zentrum Belgrads weiter. Am Mittwochabend demonstrierten erneut mehrere hundert Menschen gegen die Festnahme des 63-Jährigen. In der Innenstadt zogen starke Polizeikräfte auf. Der Demonstrationszug, angeführt von Radovans Bruder Luka Karadzic, zog vor den Präsidentenpalast. Dort bewarfen Randalierer die Polizei mit Steinen, wie Medien berichteten. Am Protest beteiligten sich auch ranghohe Vertreter der oppositionellen extrem-nationalistischen Radikalen Partei, der stärksten Fraktion im serbischen Parlament.

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