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Indien: In keinem anderen Land ist Autofahren so gefährlich

Verkehrsinfarkt  

Indiens Straßen sind die gefährlichsten der Welt

31.10.2008, 12:30 Uhr | Von Phil Hazlewood, AFP

Fahrschule in Indien: "Gute Bremsen, eine gute Hupe und viel Glück!" (Foto: AFP)Fahrschule in Indien: "Gute Bremsen, eine gute Hupe und viel Glück!" (Foto: AFP) Sohail Kappadia macht seinen Schülern keine falschen Hoffnungen: "Viel Glück" hat der Inder seine Fahrschule genannt. Denn nicht durch Geschick am Steuer, sondern allein mit viel Glück könne man auf indischen Straßen überleben, ist der Fahrlehrer aus Bombay überzeugt. Die Statistik gibt Kappadia Recht: In keinem anderen Land der Welt ist Autofahren so gefährlich wie in Indien.

Selbst für Fahrlehrer: Ein Kollege Kappadias starb während des Unterrichts, als eine Schülerin einen Kleinlaster rammte. "Manchmal weißt du einfach nicht, ob der Typ vor dir bremsen wird", klagt der 33-jährige Fahrlehrer. "Du musst immer geistesgegenwärtig sein. Die meisten Unfälle passieren, weil die Leute unüberlegt reagieren."

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Trauriger Weltrekord

Indiens Straßen sind marode, sie stammen noch aus der britischen Kolonialzeit. Darauf drängeln sich mehr und mehr Autos, denn der Wohlstand der 1,1 Milliarden Inder steigt beständig. Auch die Zahl der Verkehrstoten wächst, dieses Jahr erreichte Indien einen traurigen Weltrekord: Zehn Prozent der weltweit 1,2 Millionen Toten im Straßenverkehr waren Inder, wie der Internationale Straßenverband in Genf errechnet hat. Nach Angaben der Weltbank gibt es in Indien 14 Verkehrstote je 10.000 Autos, siebenmal so viele wie in den Industrieländern. 2020 werden mehr Inder durch Verkehrsunfälle als durch Krankheiten sterben, befürchtet die Organisation. Die meisten Toten werden Fußgänger sein.

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Straßen permanent verstopft

Egal ob in Neu-Delhi, Bombay, Kalkutta oder Bangalore - das Bild ist in allen indischen Großstädten das gleiche: die Verkehrsadern sind permanent verstopft, es regiert das Chaos. Deutsche Luxus-Limousinen und japanische Geländewagen schieben sich auf löchrigem Asphalt an schwankenden Taxis vorbei, Fahrräder und Motorräder versuchen sich gegen knatternde Busse und Lastwagen zu behaupten. Dazwischen Bettler, Straßenhändler, heilige Kühe und streunende Hunde.


Verkehrsregeln zählen kaum

Die meisten Autofahrer haben ihre Seitenspiegel eingeklappt, der Sicherheitsgurt bleibt unbenutzt, Kinder tollen auf den Sitzen herum. Eine Hand liegt am Lenkrad, mit der anderen halten sich die Fahrer das Handy ans Ohr. An Kreuzungen und Kreisverkehren zählt die Straßenverkehrsordnung nicht, es gilt nur eine Regel: sich vordrängeln, koste es was es wolle. Hupen und Gebrüll helfen dabei.



"Anfangs ist es ein bisschen hart"

All das kann Shahik Arqam nicht schrecken. Der 24-jährige Architekt träumt davon, endlich seinen Führerschein zu machen. "Anfangs ist es sicher ein bisschen hart, aber ich habe verstanden, wie die anderen Fahrer das machen", sagt er, bevor seine Fahrstunde bei "Viel Glück" beginnt. Er setzt sich ans Steuer des Kleinwagens, der mit einem "L" für "Learner" als Fahrschulauto gekennzeichnet ist.


Beschimpfungen von allen Seiten

Kaum ist er losgefahren, wird Arqam auch schon von allen Seiten beschimpft - weil er zu langsam ist oder an der Ampel nicht schnell genug startet. Während der ganzen Fahrstunde wird ihm nicht ein einziges Mal die Vorfahrt gewährt. Im Vergleich zu Kalkutta oder Madras sei das Autofahren in Bombay aber sogar richtig einfach, versucht ihn sein Fahrlehrer zu beruhigen: "Wenn Du Dich an die Verkehrsregeln hältst, ist es ganz einfach."



"Gute Bremsen, eine gute Hupe und viel Glück!"

Tatsächlich bemüht sich die Polizei in der 18-Millionen-Metropole, zumindest gegen die größten Verkehrssünden anzugehen: Sie misst die Geschwindigkeit, macht Alkoholkontrollen und versucht die Gurt- und Helmpflicht durchzusetzen. Die Zahl der tödlichen Unfälle in der Wirtschaftshauptstadt des Landes ging innerhalb des vergangenen Jahres um die Hälfte zurück. Doch die Überlebensregel von Fahrschulinhaber Kappadia gilt noch immer: "Gute Bremsen, eine gute Hupe und viel Glück!"

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