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Journalistenmorde in Russland: Politkowskaja-Prozess findet öffentlich statt

Angeklagte setzen sich durch  

Politkowskaja-Prozess findet öffentlich statt

17.11.2008, 20:46 Uhr | dapd, dpa

Die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja (Foto: dpa)Die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja (Foto: dpa) Der Prozess um die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja wird öffentlich verhandelt. Das hat am Montag ein Gericht in Moskau in einer Anhörung entschieden. Kollegen der ermordeten Journalistin und die drei Angeklagten hatten sich für einen öffentlichen Prozess ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte versucht, die Öffentlichkeit mit der Begründung ausschließen, dass unter den Ermittlungsunterlagen geheime Dokumente seien.

Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 vor ihrem Apartmenthaus in Moskau erschossen worden. Sie hatte über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet und galt als Kreml-Kritikerin. Der mutmaßliche Schütze - der Tschetschene Rustam Machmudow - ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf der Flucht. Vor Gericht muss sich auch sein Bruder sowie ein ehemaliger Moskauer Polizist wegen Mordes verantworten.

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Fall vor einem Militärgericht

Alle drei Verdächtigen bestritten am Montag vor Reportern ihre Schuld. "Wir wissen nicht, was genau passiert ist", sagte einer der Angeklagten, Dschabrail M. "Wir hoffen auf ein faires Verfahren." Der Fall wird vor einem Militärgericht verhandelt, weil in ihn auch ein Mitarbeiter des Geheimdienstes verwickelt ist. Dieser steht wegen Amtsmissbrauchs und Erpressung vor Gericht. Er soll Politkowskajas Adresse weitergegeben haben. Er wurde jedoch nicht in Zusammenhang mit dem Mord an Politkowskaja angeklagt.

Namen von Verdächtigen veröffentlicht

Eine Anwältin der Familie Politkowskaja kritisierte während der Anhörung die Arbeit der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler hätten nicht herausgefunden, wer die Schüsse angeordnet habe und auch den Schützen nicht gefasst. Außerdem seien die Namen von Verdächtigen an die Medien gelangt, so dass sie fliehen konnten. Auch die Verteidigung kritisierte die Ermittlungen und erklärte, es seien keine Beweise für die Schuld der Angeklagten gefunden worden.

Gerüchte und Spekulationen

Bereits Mitte 2007 hatte die Generalstaatsanwaltschaft die "Aufklärung des Mordes" verkündet und Tschetschenen sowie "Staatsfeinde im Ausland" als Täter benannt. Einer der Ermittler behauptete, der im Londoner Exil lebende Oligarch Boris Beresowski habe Politkowskaja auf dem Gewissen. Zugleich halten sich bis heute in Russland Spekulationen, dass die Spuren bis in den Kreml führen. Menschenrechtler vermuten, dass eine Aufklärung des Falls nicht im Interesse der russischen Führung liege und deshalb verhindert werde.

Zahlreiche Journalisten ermordet

Politkowskaja war eine von mindestens 13 Journalisten, die während der achtjährigen Amtszeit von Präsident Wladimir Putin ermordet wurden. Nur wenige Verdächtige wurden strafrechtlich verfolgt. Die Ermordung Politkowskajas vor zwei Jahren hatte weltweit Bestürzung ausgelöst.


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