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Eklat beim Weltwirtschaftsforum: Erdogan reist empört ab

Eklat beim Weltwirtschaftsforum  

Erdogan geht nach Streit um Peres-Äußerung

30.01.2009, 13:16 Uhr

Eklat in Davos: Der türkische Ministerpräsident Erdogan verlässt wütend das Weltwirtschaftsforum (Foto: dpa)Eklat in Davos: Der türkische Ministerpräsident Erdogan verlässt wütend das Weltwirtschaftsforum (Foto: dpa)

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat wutentbrannt eine Podiumsdiskussion beim Weltwirtschaftsforum in Davos verlassen. Zuvor hatte der israelische Präsident Shimon Peres ein flammendes Plädoyer für den Krieg Israels im Gazastreifen gehalten. Als Erdogan antworten wollte, brach der Moderator das Gespräch aus Zeitgründen ab. Daraufhin verließ Erdogan mit den Worten "Ich komme nicht mehr nach Davos" den Saal. Jetzt bemühen sich die beiden Politiker um Schadensbegrenzung - Israel und die Türkei gelten im Nahen Osten als traditionelle Verbündete.

Erdogan wurde indes bei seiner Rückkehr nach Istanbul von rund 5000 Menschen begeistert gefeiert. Viele schwenkten türkische und palästinensische Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie "Willkommen zurück, Eroberer von Davos" oder "Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten". Auch anti-israelische Slogans wurden gerufen.

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Peres verteidigt israelischen Militäreinsatz

Kurz vor dem Eklat hatte Peres den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen mit mehr als 1300 Toten bei der Podiumsdiskussion teils lautstark verteidigt und den neben ihm sitzenden Erdogan dabei auch direkt angesprochen. Israel habe sich komplett aus dem Gazastreifen zurückgezogen, die Siedlungen aufgelöst, Wasser, Nahrungsmittel und Geld geliefert. "Dafür haben wir Raketen aus dem Iran bekommen", sagte Peres in Bezug auf den Raketenbeschuss der Hamas. "Warum kämpfen die gegen uns?", fragte Peres.

"Was hätten Sie denn getan?"

Das Problem seien die Ambitionen des Irans im Mittleren Osten. Teheran beliefere die radikal-islamischen Hamas und Hisbollah mit Waffen und Raketen. Israel habe sich lange zurückgehalten, sagte Peres: "Was hätten Sie denn getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären?", fragte der israelische Präsident den neben ihm sitzenden Erdogan.

Wort "aus Zeitgründen" entzogen

Als Erdogan antworten wollte, brach der Moderator das Gespräch aus Zeitgründen ab. Seine Aussage, er komme nicht mehr nach Davos, relativierte er später in einer Pressekonferenz mit dem Organisator des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab. Er habe sich nur auf den Moderator bezogen, sagte Erdogan, der sich beklagte, dass er nur zwölf, Peres aber 25 Minuten habe sprechen können.

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Erdogan wurde direkt angesprochen

Diese direkte Ansprache warf Erdogan seinem israelischen Gesprächspartner auf der Pressekonferenz vor. "Ich respektiere Peres, deswegen habe ich meine Stimme auch nicht erhoben. Was er sagte war nicht wahr, auch wir haben die Fakten", sagte Erdogan. Zuvor hatte er Peres ein schlechtes Gewissen unterstellt.

"Gewalt unverhältnismäßig eingesetzt"

Der türkische Ministerpräsident hatte sich vor dem Redebeitrag Peres' enttäuscht gezeigt, dass die Vermittlungsversuche seiner Regierung zwischen Israel und Syrien auch bezüglich der Hamas gescheitert seien. Es hätte nur noch wenig gefehlt und man hätte eine Einigung erzielt gehabt, sagte Erdogan. Doch anstatt auf die Vermittlungen zu antworten sei Israel am 26. Dezember in den Gazastreifen einmarschiert. "Hier wurde Gewalt unverhältnismäßig eingesetzt", sagte Erdogan. Der militärischen Macht Israels hätten die Palästinenser nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen gehabt.

Palästinensischer Botschafter zufrieden

Nebi Maruf, der palästinensische Botschafter in Ankara, begrüßte nach einer Meldung des Nachrichtensenders CNN-Türk das Verhalten Erdogans. Es sei "sehr richtig" gewesen, dass Erdogan die Diskussion verlassen habe. Einige türkische Zeitungen kommentierten, Erdogan sei durch die Rede von Peres provoziert worden.

Kritik an Erdogan auch in der Türkei

Doch es gab auch andere Stimmen: Der Oppositionspolitiker Onur Öymen sagte nach Zeitungsberichten, Erdogan habe ein gutes Anliegen sehr schlecht vertreten. Der Erdogan-kritische Kolumnist Oktay Eksi schrieb in der Zeitung "Hürriyet", die ganze Welt habe erlebt, dass die Türkei einen Ministerpräsidenten habe, "der sich nicht beherrschen kann".

Peres: "Tut mir sehr leid"

Weder Erdogan noch Peres scheinen allerdings daran interessiert zu sein, das traditionell partnerschaftliche Verhältnis der beiden Nahoststaaten ernsthaft zu gefährden. Noch in der Nacht zum Freitag rief Peres Erdogan an und sein Bedauern. Das Internetportal der israelischen Zeitung "Ha'aretz" berichtete, Peres habe Erdogan gesagt, dass ihm die Auseinandersetzung "sehr leid" tue. Freunde könnten sich manchmal streiten. "Ich habe stets großen Respekt für die Türkische Republik und für Sie als ihren Ministerpräsidenten empfunden", wurde Peres weiter zitiert. Er betrachte sich weiter als Freund der Türkei und ihres Regierungschefs, soll Israels Staatsoberhaupt betont haben. Erdogan erklärte seinerseits, er kritisierte ausschließlich die israelische Regierungspolitik, nicht aber das israelische Volk oder die Juden.

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