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Revolution in Saudi-Arabien: König beruft erste Frau in die Regierung

Saudi-Arabien  

König beruft erste Frau ins Kabinett

16.02.2009, 09:16 Uhr | Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa

Nura bin Abdullah al-Fayez ist die erste Frau in der Regierung von Saudi-Arabien (Foto: dpa)Nura bin Abdullah al-Fayez ist die erste Frau in der Regierung von Saudi-Arabien (Foto: dpa)

Das islamische Königreich Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, in dem Frauen bis heute weder wählen noch Auto fahren dürfen. In Bezug auf die Rechte der Frau ist die Petrodollar-Monarchie das rückschrittlichste Land der Welt, vergleichbar nur mit dem früheren Taliban-Regime in Afghanistan. Doch es bewegt sich etwas. König Abdullah, der betagte Herrscher des Wüstenstaates, hat an diesem Wochenende zum ersten Mal in der Geschichte des Königreiches eine Frau zur Vizeministerin für Mädchenbildung ernannt.

In der Heimat des Propheten Mohammed, wo das Tragen von langen schwarzen Gewändern und Kopftüchern für alle Frauen gesetzlich vorgeschrieben ist, bedeutet die Ernennung von Nura bin Abdullah al- Fayez eine kleine Revolution. Denn bislang gibt es Frauen weder im Kabinett noch im Schura-Rat, einer Art Beratungsgremium für die Regierung. Viele Menschen in dem islamisch-konservativen Land finden es unschicklich, wenn eine Frau in der Öffentlichkeit ihr Gesicht zeigt. In den Zeitungen werden nur selten Fotos saudischer Frauen ohne Gesichtsschleier abgedruckt.

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Dem König kann niemand widersprechen

Es ist eine Revolution, die von ganz oben verordnet wurde. Und das ist unumgänglich. Denn viele sittenstrenge, fortschrittsfeindliche Saudis - darunter auch einige Frauen - sind strikt dagegen, dass Frauen in einflussreiche Positionen aufsteigen. Sie wollen, dass sich die Frauen weiterhin verstecken, in den Häusern und hinter dem Gesichtsschleier. Nur König Abdullah, der als frommer Muslim gilt und in der Bevölkerung großen Respekt genießt, kann niemand öffentlich widersprechen.

Große Verantwortung für Al-Fayez

Al-Fayez, die in den USA studiert hat, und die der König nun zur Vizeministerin für Mädchenbildung ausgewählt hat, weiß, welche Verantwortung nun auf ihr lastet. "Dieser Posten ist nicht nur für mich, sondern für jede saudische Frau", sagt die 52-Jährige, als sie am Sonntag, wenige Stunden nach ihrer Ernennung, gleich eine erste Sitzung mit Mitarbeiterinnen der zentralen Schulverwaltungsbehörde in Riad einberuft. "Es gibt eine konservative Strömung in unserer Gesellschaft, die diese neue Situation nicht so einfach akzeptieren wird, doch wenn die Vizeministerin ihr Können unter Beweis stellt und Erfolg hat, dann könnte sich dies vielleicht ändern", zitiert die Zeitung "Arab News" Chalid al-Radihan, einen Juniorprofessor für Anthropologie an der King-Saud-Universität in Riad.

Restriktionen verhindern Aufstieg von Frauen

Obwohl die Mädchen und Frauen des Königreiches in den vergangenen 20 Jahren in Sachen Bildung enorm aufgeholt haben, gibt es immer noch viele Restriktionen, die ihren Aufstieg behindern. Männer und Frauen dürfen, außer in Krankenhäusern, nicht gemeinsam arbeiten. Das bedeutet: Wer Frauen einstellen will, muss eine eigene Abteilung mit separatem Eingang für die Mitarbeiterinnen schaffen. Für viele Behördengänge und geschäftliche Transaktionen brauchen Frauen die Einwilligung eines männlichen Vormundes. Das Fahrverbot für Frauen hat zur Folge, dass nur diejenigen Frauen zur Arbeit fahren können, die einen eigenen Fahrer haben.

"Wo ist das Foto?"

"Tausend Glückwünsche", "Möge Gott dir in deinem neuen Amt helfen", heißt es derweil im Leserforum der saudischen Tageszeitung "Al-Watan". "Das ist ein großer Fortschritt", freut sich eine Leserin. Nur ein männlicher Kommentator schimpft: "Wir sind wohl immer noch rückschrittlich. Wo ist das Foto der Vizeministerin?" Denn die saudischen Zeitungen veröffentlichen an diesem Sonntag nach der Kabinettsumbildung nur die Fotos der Männer, die König Abdullah ernannt hat. Das Gesicht von Nura al-Fayez zeigen sie nicht.



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